1 Milliarde verpufft im Gebäudeprogramm
Finanz-Aufseher des Bundes fordern Aus für Ölheizungen

Kritik am Schweizer Gebäudeprogramm: Die Finanzkontrolle kommt zum Schluss, dass 1 Milliarde Franken sinnvoller hätten ausgegeben werden können. Statt Wärmedämmung zu fördern, soll der Bund das Geld für das Eliminieren von Öl- und Gasheizungen einsetzen.
Publiziert: 06:52 Uhr
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Das Gebäudeprogramm subventioniert seit 2010 Massnahmen zur Verminderung von CO₂-Emissionen. Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat diese jetzt geprüft.
Foto: imago/Rene Traut

Auf einen Blick

  • Gebäudeprogramm des Bundes: Ziele der Energie- und Klimapolitik nicht effizient erreicht
  • Kompletter Ersatz fossiler Heizungen durch erneuerbare bis 2050 notwendig
  • 3,6 Milliarden Franken für Gebäudeprogramm zwischen 2010 und 2023 gesprochen
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Nastasja HofmannPraktikantin Politik

Der Bund muss seine Mittel effizienter denn je einsetzen, denn das Budget ist knapp. Umso wichtiger sind Erkenntnisse, die die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) liefert. Im neusten Bericht haben die Finanzaufseher geprüft, ob das Gebäudeprogramm des Bundes die Ziele der Energie- und Klimapolitik möglichst wirksam erreichen kann. Dabei fanden sie nicht nur lobende Worte. Im Gegenteil: Sie kam zum Schluss, dass die bisher erreichten CO₂-Einsparungen auch um 1 Milliarde günstiger hätten erreicht werden können.

Zum Hintergrund: Das Gebäudeprogramm ist seit 2010 in Kraft und besteht aus einem Bündel von Massnahmen, um die CO₂-Emissionen zu senken. Das ist besonders wichtig, denn ein Drittel der Emissionen in der Schweiz stammen von Gebäuden. Zwischen 2010 und 2023 haben die Kantone 3,6 Milliarden Franken gesprochen, um das Gebäudeprogramm zu subventionieren. Einen Grossteil der Kosten übernahm dabei der Bund. 

Keine Ölheizungen mehr

Subventioniert wurden vor allem zwei Massnahmen: Wärmedämmungen an Gebäuden und das Austauschen von fossilen Heizungen zu erneuerbar betriebenen Heizungen. Vor allem die Wärmedämmungsmassnahmen seien aber zur Erreichung der Ziele gar nicht zwingend notwendig und auch nicht hinreichend, so die Finanzkontrolle. Jedoch wurde die Wärmedämmung bisher dreimal mehr gefördert als der Heizungsersatz.

Der Schluss der Finanzkontrolle: Umso dringlicher wäre es nun, dass die Heizungen ersetzt werden. «Um dieses Klimaziel vollständig zu erreichen, ist ein kompletter Ersatz der verbleibenden fossil betriebenen durch erneuerbare Heizungen eine notwendige Bedingung», so die EFK. Das bedeutet also, dass spätestens bis 2050 alle Ölheizungen ausgetauscht werden müssen. Trotz Subventionen dürfte das eine teure und aufwendige Angelegenheit sein, besonders da noch immer fast 55 Prozent der Gebäude fossil beheizt werden.

Klimaziele gegen Sparhammer

Zum grossen Problem dürfte auch das geplante Sparpaket des Bundes werden, das sich noch in der Vernehmlassung befindet. Um Kosten zu sparen, will der Bund das Gebäudeprogramm nämlich auslaufen lassen. Auf Anfrage von Blick, ob das Austauschen der Heizungen ohne das Gebäudeprogramm überhaupt noch realistisch sei, gab das Bundesamt für Energie (BFE) keine klare Auskunft. 

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