Bizarre Wahlbetrugsvorwürfe, Verschwörungstheorien – und Drohungen, den US-Bundesstaat Georgia mit einer «biblischen» Klage «in die Luft zu jagen»: So schrill trat die Anwältin Sidney Powell (65) nach der US-Wahl auf. Selbst dem Trump-Team wurde sie schnell zu peinlich.
Doch Powell machte weiter und wiederholte Donald Trumps (74) irre Wahlbetrugs-Lüge – obwohl sie vor Gericht eine Niederlage nach der anderen kassierte. Nun rudert sie plötzlich zurück.
«Kein vernünftiger Mensch» könne zu dem Schluss kommen, dass ihre Anschuldigungen gegen den Wahlmaschinen-Hersteller Dominion Voting Systems «echte Tatsachenaussagen waren», zitiert «Axios» aus dem Antrag, mit dem Powell eine Verleumdungsklage abweist. Kein Wunder: Ihre Anschuldigungen könnten sie richtig teuer zu stehen kommen.
Powell drohte 1,3-Milliarden-Klage
Powell hatte behauptet, Dominion sei Teil einer massiven internationalen kommunistischen Verschwörung, um die Wahlen zu manipulieren. Das kanadische Unternehmen, das Wahlsoftware und Wahlmaschinen herstellt, wehrte sich: Im Januar verklagte Dominion Powell, den Trump-Getreuen Rudy Giuliani (76) und andere wegen Verleumdung. Powell drohte eine Klage über 1,3 Milliarden US-Dollar.
Die Nachrichtenseite «Buzzfeed» hat Powells Ablehnungs-Antrag komplett online gestellt. Darin beruft sich die Trump-Anwältin unter anderem auf das Recht auf «politische Übertreibung». «Die Sprache der politischen Arena, wie die Sprache in Arbeitskämpfen (...) ist oft schmähend, beleidigend und ungenau», zitiert sie aus einem Urteil des US Supreme Court von 1969.
4000 Anwälte fordern Untersuchung gegen Powell
Dass Powells Behauptungen über den angeblichen Wahlbetrug weitläufig als «unmöglich» charakterisiert wurden «unterstützen (...) die Position, dass vernünftige Menschen solche Aussagen nicht als Tatsache akzeptieren würden, sondern sie nur als Behauptungen ansehen, die von den Gerichten im Rahmen des kontradiktorischen Verfahrens geprüft werden müssen».
Und die Trump-Anwältin dreht den Spiess noch weiter rum. Sie behauptet: Dominion habe eine «gut koordinierte PR-Kampagne durchgeführt, um sein Geschäft zu retten» – die Vorwürfe gegen sie seien «spärlich».
Der Wahlmaschinen-Hersteller ist allerdings nicht der einzige, gegen den sich Powell behaupten muss. Mehr als 4000 Anwälte fordern in einem offenen Brief an die Behörden, Powells Verhalten zu untersuchen. (kin)