Zum ersten Mal gibt Sergei Surowikin (56), der neue russische Kommandant aller Truppen in der Ukraine, ein Interview. Der Fernsehsender Russia 24 strahlte es aus.
Darin verrät der «General Armageddon» Teile der russischen Angriffs-Taktik: «Wir zielen nicht auf ein hohes Angriffstempo ab, wir zermalmen den Feind methodisch und rücken vor, um das Leben unserer Soldaten und Zivilisten zu retten.»
«Täglich Hunderte von Toten und Verwundeten»
Der Plan geht gemäss ihm auf: «Die täglichen Verluste des Feindes belaufen sich auf Hunderte von Toten und Verwundeten.» Insbesondere die Drohnen seien äusserst effektiv. «Während der Spezialoperation kam es zu mehr als 8000 Einsätze. Dabei zerstörten Angriffsdrohnen mehr als 600 Objekte der Streitkräfte der Ukraine.»
Er sieht sich und die Ukrainer als «ein Volk». «Wir wollen, dass die Ukraine unabhängig vom Westen und der Nato ist. Es soll ein Staat sein, der Russland freundlich gesinnt ist. Unser Feind ist ein kriminelles Regime, das die Bürger der Ukraine in den Tod führt.» In Russland ist Surowikin für seine Kriegsverbrechen an der syrischen Bevölkerung bekannt.
Rückzug aus Cherson?
Doch der Oberbefehlshaber deutet auch Probleme in der Ukraine an. Die russische Armee rechnet mit einem massiven ukrainischen Angriff zur Befreiung der besetzten Stadt Cherson. «An diesem Frontabschnitt ist die Lage schwierig», sagte Sergej Surowikin.
Es war insgesamt ein ungewöhnlicher Auftritt des Armeegenerals, der sogar nahezulegen schien, dass Russland einen Rückzug aus der Stadt erwägen könnte. Surowikin sagte, dass «schwierige Entscheidungen» notwendig sein könnten.
Angriffe töten Zivilisten
Weiter weist er auf mögliche Kriegsverbrechen der Ukrainer hin: «Es gibt Hinweise, dass Kiew verbotene Kriegsmethoden in der Region Cherson anwendet und einen Raketenangriff auf den Damm des Wasserkraftwerks Kachowskaja vorbereitet.»
Der russische Oberbefehlshaber hat seit seinem Amtsantritt die Ukraine mit Bomben eingedeckt. Bevor Surowikin im Amt war, wurde zuletzt hauptsächlich an den Fronten gekämpft. Nun werden wieder ukrainische Grossstädte angegriffen, die Zahl der getöteten Zivilisten steigt.