Darum gehts
- Oxfam-Bericht: Chefs europäischer Top-Firmen verdienen 7800 % mehr als Angestellte
- Carrefour-CEO verdiente 2024 das 361-Fache eines Durchschnittsarbeiters seines Unternehmens
- Europäische Firmen schütteten 2024 CHF 387,6 Mrd. an Dividenden aus, 139 % Anstieg seit 2004
Die Firmenchefs der 100 Top-Firmen Europas verdienen im Schnitt 78-Mal so viel wie ihre Angestellten. Das geht aus dem Bericht «People, Power, Profits, Planet» (auf Deutsch: Menschen, Macht, Gewinne, Planet) der Hilfsorganisation Oxfam hervor, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Heisst: Bereits nach fünf Tagen übertreffen Europas Top-CEOs den Jahreslohn ihrer Mitarbeitenden.
Der Bericht befasst sich mit der Ungleichheit bei den 100 grössten Unternehmen Europas. Das Fazit von Oxfam: Die Lohn-Kluft zwischen Angestellten und den Chefs geht immer weiter auf. Auch bei Themen wie Geschlechtergerechtigkeit und grünen Initiativen stellt der Bericht den Konzernen ein schlechtes Zeugnis aus. Blick stellt fünf Fakten aus dem Bericht vor.
Supermarkt-Kette führt unrühmliche Liste an
Nirgends ist die Lohnschere so gross wie bei der französischen Supermarkt-Kette Carrefour: 2024 verdiente CEO Alexandre Bompard (53) 361-mal so viel wie der Durchschnittsarbeiter seines Unternehmens. Das Gehalt von Dominic Blakemore (56), CEO der weltgrössten Catering-Firma Compass, übertraf den durchschnittlichen Lohn seiner Angestellten um das 352-Fache. Der Dritte in dieser Liste ist Óscar García Maceiras (51), Chef der Zara-Mutter Inditex.
Der bestbezahlte CEO Europas 2024 war Carlos Tavares (67), damals Chef des Automobilunternehmens Stellantis, dem Mutterunternehmen der Automarken Fiat und Peugeot. Seine Vergütung belief sich auf über 20 Millionen Franken. Gleich dahinter folgt Novartis-Chef Vas Narasimhan (49), der damals 19,2 Millionen Franken kassierte. Der Chef des britischen Rivalen AstraZeneca, Pascal Soriot (67), strich rund 16 Millionen Franken ein.
Männliche Chefs verdienen besser
Noch immer gehen männliche Chefs mit einem deutlich besseren Lohn nach Hause als weibliche CEOs. Zwischen 2022 und 2024 verdienten Chefinnen über einen Fünftel weniger als ihre männlichen Kollegen. Der geschlechterspezifische Lohnunterschied ist damit in der Chefetage noch grösser als auf den unteren Stufen. So verdienten Männer 2024 im Schnitt rund 11 Prozent mehr als Frauen, schreibt Oxfam. Im Finanzsektor kommen Frauen besonders schlecht weg, 2024 erhielten sie 26,6 Prozent weniger als ihre Banker-Kollegen. Das Fazit von Oxfam: Geht es so weiter, «wird der Gender-Pay-Gap in den grössten Unternehmen Europas noch 30 Jahre nicht geschlossen».
Mehr CEOs namens John als weibliche CEOs
Wer würde meinen, dass so viele CEOs den gleichen Namen haben? Laut Oxfam gibt es in Europa mehr Firmenchefs, die John heissen oder eine Variante des Namens in der Landessprache (auf Deutsch: Johannes oder Hans), als weibliche CEOs insgesamt. Die Statistik spiegelt eine Recherche der «New York Times» aus dem Jahr 2015 zu den Firmenchefs der 1500 grössten US-Firmen wider, wonach auch in den USA die Gruppe an CEO namens John grösser ist als jene der Firmenlenkerinnen. Seit 2023 gibt es bei den 500 grössten US-Firmen aber laut «Bloomberg» nun mehr Frauen-CEOs als Männer namens John in den 500 grössten US-Firmen.
Grüne Ziele an letzter Stelle
Grüne Initiativen haben laut Oxfam bei europäischen Unternehmen einen schweren Stand. Die Firmen spüren den Druck, stattdessen ihren Aktienkurs zu stützen. Die Hälfte der 100 grössten europäischen Unternehmen schüttete vor zwei Jahren 32-mal mehr an ihre Aktionäre aus, als sie für grüne Investitionen ausgaben. Das extremste Beispiel war der französische Bauindustriekonzern Saint Gobain, der 2024 838 Mal so viel an Aktionäre auszahlte, als er für Öko-Investments ausgab.
Aktionäre sehen Grossteil des Gewinns
Den grössten Teil des Firmengewinns sacken Aktionäre ein – im Schnitt waren es 70 Prozent des Gewinns. Sechs der 100 grössten Unternehmen Europas, darunter der Dauerkrisenkonzern Deutsche Bahn und das Zuger Rohstoffunternehmen Glencore, belohnten ihre Aktionäre 2024 trotz Verlust.
Die Dividenden, die europäische Firmen an ihre Aktionäre auszahlten, summierten sich 2024 auf um die 363 Milliarden Franken – ein Anstieg im Vergleich zu 2004 von 139 Prozent. Im gleichen Zeitrahmen ist der Durchschnittslohn nur um 69 Prozent gestiegen.