Showdown am Aargauer Kantonalen
Alpiger verhindert unglaubliches Kuriosum

Sowohl beim Aargauer als auch beim Walliser Kantonalen zieht der Titelverteidiger in den Schlussgang ein. Nur einer kann seinen Triumph aus dem Vorjahr wiederholen.
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Nick Alpiger jubelt im Aargau.
Foto: Philipp Kresnik/freshfocus

Die Schlussgänge

Zehnter oder erster Festsieg – diese Frage stellt sich vor dem Bruder-Duell zwischen Lario und Dorian Kramer im Schlussgang des Walliser Kantonalen. Beide wissen, sie müssen gewinnen, wollen sie den Triumph. Und sie verstecken sich nicht. Erst greift Lario an, dann sucht auch Dorian sein Glück. Nach rund vier Minuten fällt die Entscheidung. Lario Kramer legt seinen jüngeren Bruder platt aufs Kreuz. Bevor er sich feiern lässt, umarmen sich die beiden – ein emotionaler Moment. Damit feiert er seinen zehnten Festsieg – sein Bruder fällt auf Schlussrang 5 zurück.

Nach rund vier Minuten geht ein Raunen durchs Publikum des Aargauer Kantonalen. Marius Frank lanciert einen gefährlichen Angriff, bringt Nick Alpiger an den Rand der Niederlage. Aber der Aargauer kann sich ausdrehen und retten. Kurz darauf lanciert Alpiger einen Angriff – dieser wird ebenfalls abgewehrt. Auch danach ist einiges los zwischen den beiden. Die Hälfte der maximal zwölf Minuten Gangdauer ist längst abgelaufen. Je länger das Duell dauert, desto mehr schwinden die Kräfte. Die beiden liefern sich ein intensives Duell – welches letztlich im Bodenkampf entschieden wird. Alpiger drückt Frank auf den Rücken und verhindert die erfolgreiche Titelverteidigung.

Die Schlussranglisten

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Schlussrangliste Aargauer Kantonales
Foto: Screenshot ESV

Die Siegerstimme

Lario Kramer: «Es ist immer schön, ein Schwingfest zu gewinnen. Vor dem Schlussgang ist es bisschen nebensächlich gewesen – weil es gegen meinen Bruder ging. Wir sind ein Team, unterstützen uns gegenseitig und kennen uns sehr gut. Der Schlussgang war extrem speziell. Der Sieg bedeutet mir enorm viel, ein Kranzfestsieg ist für mich nicht selbstverständlich.»

Nick Alpiger: «Jeder Gang war ein Schlüsselgang. Ich bin sehr froh, darf ich hier schwingen. Es ist wunderschön zu sehen, wie stark die Nordwestschweizer sind, wie viele um den Sieg kämpfen.»

Die verpasste Chance

Weil die Einteilung Nick Alpiger und Marius Frank am Aargauer Kantonalen in den Schlussgang schickt, wird Oliver Hermann der erste Festsieg seiner Karriere quasi auf dem Silbertablett serviert. Er trifft auf Enea Grob. Und beisst sich an ihm die Zähne aus. Anstatt den geforderten Plattwurf zu zeigen, muss er sich mit einem Gestellten begnügen. Und wird damit nicht zum Kranzfestsieger.

Die Titelverteidiger

Vor Jahresfrist hat Lario Kramer das Walliser Kantonale gewonnen. Er tritt zur Titelverteidigung an. Beim Aargauer Kantonalen haben letztes Jahr Marius Frank und Sinisha Lüscher gemeinsam gejubelt. Auch die beiden sind erneut am Start. Kramer und Frank ziehen erneut in den Schlussgang ein. Während Kramer seinen Titel verteidigen kann, gelingt das Frank ebenso wie Lüscher nicht.

Das verhinderte Kuriosum

Bevor Nick Alpiger und Marius Frank in Aarau für den Schlussgang ins Sägemehl schreiten, zeigt ein Blick auf die Rangliste, dass es einen Sieg im Duell braucht, um das Fest zu gewinnen. Würden die beiden stellen, gäbe es ein Kuriosum sondergleichen. Denn gleich sieben Schwinger führen punktgleich: Benno Heinzer, Kaj Hügli, Pascal Joho, Aaron Rüegger, Robin Studinger sowie die beiden Eidgenossen Tim Roth und Joel Strebel. Sie würden sich den Festsieg teilen – und Benno Heinzer würde den Muni mit in die Innerschweiz nehmen. So weit kommt es letztlich nicht, weil Alpiger Frank bodigen kann.

Das Bruder-Duell

Lario Kramer (27) wird beim Walliser Kantonalen seiner Favoritenrolle gerecht und zieht trotz Gestellten im 5. Gang auf souveräne Art und Weise in den Schlussgang ein. Dort trifft er auf einen Gegner, den er sehr gut kennt: seinen jüngeren Bruder Dorian Kramer (26). Zweimal hat es dieses Duell schon gegeben – allerdings noch nie bei einem Kranzfest. Sowohl 2021 als auch 2022 hat Lario seinen Bruder auf den Rücken gelegt. Und auch im dritten Kramer-Duell gibt es das gleiche Resultat.

Die ungewohnte Szene

Tiago Vieira sorgt am Morgen für verdutzte Gesichter im Aargau. Nach einem ersten Angriff steht er auf und verlässt die Arena. Wohin er geht, ist zunächst unklar. Ebenso was ihn dazu bewegt. Einige Minuten später kehrt er zurück und setzt sein Auftaktduell fort. Es endet gestellt. Gegenüber Tele M1 liefert er die Erklärung für seinen plötzlichen Abgang. «Ich musste ganz dringend aufs WC.» So etwas hats wohl noch nie gegeben. Auch Vieira muss schmunzeln, als er anfügt: «Heute ist es 25 Jahre, dass ich schwinge, aber das ist mir noch nie passiert.» Für den 34-Jährigen ist es der letzte Auftritt im Sägemehl, er beendet mit dem Aargauer Kantonalen seine Karriere. «Mein Ziel ist es, den Tag zu geniessen und es noch ein letztes Mal so richtig aufzusaugen.» Zum Abschluss seiner Karriere bodigt er Joshua Nussbaumer, so stehen drei Siege und drei Gestellte zu Buche. Die Fans feiern Vieira noch einmal – dann hängt er die Zwilchhose symbolisch an den Nagel.

Die kurzfristige Absage

Eigentlich hätte Andreas Döbeli nach fast einjähriger Verletzungspause beim Aargauer Kantonalen sein Comeback geben wollen. Doch am Sonntagmorgen fehlt sein Name in den Spitzenpaarungen wieder. Der Grund: Döbeli ist krank. «Ich bin seit Donnerstagnacht am kränkeln (Fieber und Kopfweh) und bringe die Energie aktuell nicht hin», teilt der Eidgenosse mit. Unter diesen Voraussetzungen würde für ihn ein Comeback keinen Sinn machen. «Ich muss mich körperlich und mental bereit fühlen, um wieder in den Wettkampf zurückzukehren.»

Das Comeback

Joel Strebel hat sich im April einen Innenbandriss zugezogen. Nun gibt er bei seinem Heim-Kantonalen das Comeback. Und macht einen starken Eindruck. Am Morgen gibts einen Gestellten und zwei Blitzsiege. Daran kann er am Nachmittag nicht mehr ganz anknüpfen. Er landet im Duell mit Marius Frank auf dem Rücken

Der Zaungast

Unter den Zuschauern beim Aargauer Kantonalen ist auch ein Ex-Mister-Schweiz. Renzo Blumenthal ist eingeladen worden und hat sich spontan dazu entschieden, aus dem Bündnerland anzureisen. «Ich bin ein Schwing-Fan», sagt er gegenüber Tele M1. In jungen Jahren sei er auch selber in die Zwilchhosen gestiegen. Und wem drückt er die Daumen? «Mir gefallen Nick Alpiger und Sinisha Lüscher – die verfolge ich.»

Die Dernière

Am Samstag hat Andy Murer mit den Spitzenplätzen am Urner Kantonalen nichts zu tun. Er verpasst einen Kranz deutlich. Dennoch wird er gefeiert – denn er verabschiedet sich von seinem Heimpublikum. Für ihn ist es das letzte Innerschweizer Fest seiner Karriere. Am nächsten Tag verabschiedet er sich von seinem zweiten Heimpublikum. Denn der Innerschweizer wohnt inzwischen im Wallis. Und das Walliser Kantonale ist das finale Fest seiner Karriere. Er beendet es mit einem Plattwurf, der ihm den 26. Kranz seiner Karriere bringt. Danach wird er noch einmal gefeiert – und hängt die Zwilchhose symbolisch an den Nagel.

Das Missgeschick

Zum fünften Mal in diesem Jahr treffen im 1. Gang des Aargauer Kantonalen Sinisha Lüscher und Nick Alpiger aufeinander. Ein Duell hat Alpiger gewonnen, dreimal trennten sie sich ohne Sieger. Und in Aarau Rohr? Auch da gibts einen Gestellten – inklusive Missgeschick von Lüscher. Als er sich kriechend in Richtung Platzrand rettet, verliert er einen Schuh. Bevor wieder in der Mitte gegriffen werden kann, muss er ihn deswegen erst wieder anziehen.

Die Bedingungen

Am Morgen ist es noch etwas kühl, aber sobald die Sonne auf die beiden Schwing-Arenen scheint, wird es angenehm warm. Sowohl in Naters als auch in Aarau Rohr geht das Fest bei schönem Wetter über die Bühne.

So geht es weiter

Kommendes Wochenende gehen vier Feste über die Bühne. Am Samstag steigen das Bündner-Glarner sowie das Jurassische Schwingfest. Tags darauf steht mit dem Stoos das erste Bergfest des Jahres auf dem Programm. Zeitgleich findet das Oberländische statt.

Der Schwing-Sonntag im Ticker

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