«Wir wollten einen geplanten Übergang gestalten»
Jetzt äussern sich die Hüppi-Gegenspieler beim FCSG

Mit einer ellenlangen Mitteilung versuchen die ehemaligen Grossaktionäre des FCSG die Hintergründe des Machtkampfs zu erklären. Es sei nie die Absicht gewesen, etwas Erfolgreiches zu zerstören, so Roland Gutjahr und Co.
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Die Cupfeier der St. Galler wurde von einem Machtkampf überschattet.
Foto: keystone-sda.ch
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Stefan KreisReporter Fussball

Nein, in Sachen Kommunikation bekleckerten sich die Gegenspieler von Matthias Hüppi in den letzten Tagen nun wirklich nicht mit Ruhm. Angefangen beim etwas verfrühten SRF-Interview von Fast-Präsident Stefan Kölliker. Bis hin zum Fakt, dass die Öffentlichkeit bis heute nicht genau weiss, was die mittlerweile abgetretenen Geldgeber eigentlich im Schilde führten. 

Als Blick bei den langjährigen Grossaktionären Roland Gutjahr und Patrick Thoma für ein Gespräch anfragt, antworten diese per E-Mail mit einem Monster-Statement, das fast 5000 Zeichen lang ist. Und von all jenen Aktionären unterzeichnet ist, die ihre Anteile nach dem verlorenen Machtkampf abgetreten haben: Roland Gutjahr, Martin Jäger, Ernst Eisenhut und Patrick Thoma. 

Man wolle Hintergründe erläutern, damit die Ereignisse der letzten Wochen besser eingeordnet werden können, so die langjährigen Geldgeber. «Wir wussten, dass der Arbeitsvertrag von Matthias Hüppi Ende 2026 ausläuft. Deshalb wollten wir frühzeitig die Führungszukunft unseres FCSG absichern und mögliche Lösungen sorgfältig vorbereiten. In einem persönlichen Gespräch im März fragten wir Matthias Hüppi, ob er bereit wäre, dem Club auch über Ende 2026 hinaus – allenfalls in Teilzeit oder in einem Mandatsverhältnis – zur Verfügung zu stehen. Unser Wunsch war es, Kontinuität, Erfahrung und Stabilität für Grün-Weiss zu bewahren.»

«Hüppi hat diese Granate beim Cupfinal gezielt gezündet»
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Machtkampf beim FCSG:«Hüppi hat diese Granate beim Cupfinal gezielt gezündet»

Hüppi sollte Ehrenpräsident werden

Zudem habe man die Idee eingebracht, Hüppi zum Ehrenpräsidenten zu ernennen. «Er bat um Bedenkzeit und versprach uns, seine Entscheidung nach seinen wohlverdienten Ferien spätestens Ende Juni mitzuteilen. Am selben Tag fragten wir auch Christoph Hammer, ob er bereit wäre, zu einem späteren Zeitpunkt das Präsidium zu übernehmen, falls Matthias Hüppi diese Aufgabe nicht mehr weiterführen möchte. Unser Ziel war es, einen sorgfältig abgestimmten und gemeinsam geplanten Übergang zu gestalten.»

Deshalb habe das gesamte Aktionariat nach einer Lösung gesucht: «Dieses Vorgehen war innerhalb des Kreises der Hauptaktionäre jederzeit abgestimmt und wurde einstimmig beschlossen.» Durchkreuzt wurde dieser Plan, als die vier Verwaltungsräte Benedikt Würth, Peter Germann, Christoph Hammer und Patrick Gründler per Ende Juni ihre Kündigung eingereicht haben.

Man sei deshalb unter Druck gestanden und sei zeitlich gefordert gewesen, die Zusammensetzung eines neuen Verwaltungsrates vorzubereiten. «Stets in der Hoffnung, dass Matthias Hüppi unserem Herzensclub noch mindestens bis 2027 als Präsident erhalten bleibt», so die ehemaligen Aktionäre in ihrem Statement.

Hammer hätte Hüppi-Nachfolger werden sollen

Nachdem auch Hammer seinen Rücktritt erklärt habe und sich als möglichen zukünftigen Präsidenten aus dem Rennen nahm, habe man bei Stefan Kölliker für eine mögliche Nachfolge von Matthias Hüppi angefragt. «Unser Ziel war eine Fortführung der bewährten und erfolgreichen Strategie, unter Berücksichtigung von ökonomischen und risikobewussten Handlungen, um die identifizierten wirtschaftlichen Risiken zu reduzieren und gleichzeitig die Basis zu legen, um auch künftig sportliche Spitzenleistungen zu ermöglichen.»

Leider habe sich die Situation nach dem Cupsieg aber in eine Richtung bewegt, die man bedauere. «Wir wurden von den unmittelbar nach dem Spiel getätigten Aussagen und Ereignissen überrumpelt – nicht, weil wir naiv waren, sondern weil wir von einem Konsens ausgingen, die Übergangsphase zum Wohl des Clubs geordnet und gemeinsam zu gestalten. Eines möchten wir jedoch klar festhalten: Nie – aber wirklich nie – war es unsere Absicht, etwas Erfolgreiches zu zerstören. Wie könnten wir auch? Seit neun Jahren haben wir mit grossem Engagement dazu beigetragen, dass aus dem kleinen Pflänzchen Grün-Weiss ein starker Baum wachsen konnte. Um der verworrenen Situation rasch ein Ende zu setzen, haben wir Aktionäre Martin Jäger, Ernst Eisenhut, Roland Gutjahr und Patrick Thoma gemeinsam mit allen Hauptaktionären – denn unsere Handlungen waren immer gemeinsam getragen – in einer kurzfristig einberufenen Sitzung mit blutigem Herz beschlossen, unsere Aktien anzubieten.»

Man hoffe, dass es dem kleineren Aktionärskreis um Philipp Bienz, Remo Bienz, Rolf Schubiger, Brauerei Schützengarten AG, Patric Müller und Jérôme Müller gelinge, wieder «Brücken zu bauen» und einen «gemeinsamen Weg mit dem bisherigen Verwaltungsrat» zu finden. Das Monster-Statement schliesst mit folgendem Satz: «Tragt Sorge zu unserem grün-weissen FC St. Gallen 1879 und bewahrt das, was diesen Verein so besonders macht.»

Antworten gibts kaum

Es ist ein Satz, der auch von Matthias Hüppi hätte stammen können. Dieser aber sprach nach dem Cupsieg davon, dass es «unvorstellbar» sei, dass «in der besten Phase in der Geschichte nicht alle geschlossen hinter dem Klub stehen.» Und er meinte damit Gutjahr und Co. 

Die sind bloss drei Tage später Geschichte. Unter anderem auch deshalb, weil sie Kommunikationsprofi Matthias Hüppi in keinster Art und Weise das Wasser reichen konnten. Und man noch immer nicht genau weiss, was die Aktionäre eigentlich im Schilde führten. 

Fragen dazu gäbe es genug. Ob es von den Aktionären geplant war, den Klub letzten Sommer zu verkaufen, beispielsweise. Antworten darauf gibts bislang nicht. Dafür ein Monster-Statement. 

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