Das Spiel
Allzu viel gibt das Duell zwischen dem FCZ und Servette nicht mehr her, für beide geht es am letzten Spieltag der Saison um nichts mehr. So steht vor allem Yanick Brecher im Fokus, der nach seinem 367. Einsatz für die Zürcher seine Karriere beendet. Trotz der sportlichen Irrelevanz der Partie hätte er sich aber wohl einen etwas anderen Abschied gewünscht. Der FCZ verliert zuhause mit 0:2, der passende Abschluss einer verkorksten Spielzeit.
Die Genfer hingegen schliessen die Saison versöhnlich ab, allen voran Jérémy Guillemenot. Er verlässt die Grenats im Sommer und krönt seinen Abschied nach rund einer halben Stunde mit dem Führungstreffer. Die Zürcher sind nach engagiertem Start bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich gut in der Partie, spätestens nach der Roten Karte gegen Cavaleiro (36.) ist aber Servette klar überlegen.
Nach dem Seitenwechsel ist der FCZ zumindest bemüht, die drohende Niederlage in Unterzahl noch abzuwenden. Viel Zählbares schaut dabei aber nicht heraus, die Genfer haben die Partie mehrheitlich im Griff. So ist das Highlight einer ereignisarmen zweiten Hälfte zweifelsohne der emotionale Abschied von Brecher, der vier Minuten vor Schluss unter tosendem Applaus ausgewechselt wird. Sein Ersatz und Nachfolger Huber muss sich im Anschluss nach wenigen Augenblicken auf dem Feld noch geschlagen geben.
Die Tore
27. Minute, Jérémy Guillemenot, 0:1. Fomba lanciert Kadile mit einem schönen Steilpass. Der Franzose legt quer zu Guillemenot, der in seinem letzten Spiel für Servette nur noch einschieben muss.
88. Minute, Junior Kadile, 0:2. Noch ein Highlight zum Abschluss! Kadile zieht aus der Distanz ab und lässt dem eben erst eingewechselten Huber mit einem wunderschönen Abschluss keine Chance.
Die Stimme (gegenüber Blue)
Yanick Brecher (FCZ-Goalie): «Die letzten Tage hatte ich grausames Kopfkino, wie das heute ablaufen könnte – wie die Stimmung ist, wie meine Emotionen sind. Jetzt ist es noch etwas surreal, was gerade alles passiert ist. Die Anerkennung, die ich bekommen habe von den Fans mit der Choreo, ist unglaublich. Das braucht ein paar Tage, wenn nicht ein paar Wochen, um das zu verarbeiten. Aber es ist mega schön, dass ich so meine Karriere beenden konnte.»
Und weiter zu seiner Entscheidung, aufzuhören: «Es ist während der Saison ein paar Mal die Frage aufgekommen, ob ich als Nummer zwei bleiben würde. Ich habe für mich relativ schnell gewusst, dass ich das nicht machen werde, weil ich damit nicht glücklich werde. Dann hat sich die Frage gestellt, ob ich nochmals irgendwo ein Abenteuer wagen oder aufhören will. Auch da habe ich schnell eine Entscheidung getroffen. Ich habe mit 22 einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben und mir dort gesagt: ‹Entweder ich gehe jetzt ins Ausland, oder ich beende beim FCZ meine Karriere.› Und das wollte ich jetzt auch so einhalten.»
Und weiter zu seiner Zukunft: «Jetzt gehe ich erstmal in die Ferien, um vom Fussball abzuschalten. Dann werde ich mit dem Verein zusammensitzen, um zu besprechen, wie ich in Zukunft genau eingeplant bin (als FCZ-Botschafter, d. Red.). Die Idee ist, dass ich als Botschafter tätig bin bei Events, Heimspielen oder halt dann, wenn man den Klub vertreten muss. Wir haben es aber noch nicht ganz bis ins Detail geplant.»
Der Beste
Junior Kadile schenkt diesem Spiel wenigstens einen Assist und ein spätes Wundertor aus der Distanz. Danke dafür, das hatten wir nötig.
Der Schlechteste
Ivan Cavaleiro verabschiedet sich mit einer komplett unnötigen Aktion von der Saison. (Und damit auch vom FCZ?) Sein Tritt in die Achillessehne von Loun Srdanovic tut schon beim Zuschauen weh. Cavaleiro sieht zu Recht direkt Rot.
Das gab zu reden I
Der Abschied von Yanick Brecher. Nach zwanzig Jahren beim FCZ hat sich der 32-Jährige entschieden, die Handschuhe an den Nagel zu hängen. Er wird gegen Servette von der Südkurve mit einer Choreo verabschiedet. «367 x FCZ – das macht der so schnell keine nah», steht da. 367 – das ist die Zahl an Spielen, die Brecher für die erste Mannschaft des FCZ bestritten hat.
Vom FCZ-Vorstand gibt es ein gerahmtes Trikot, einen Blumenstrauss und eine Abschiedsrede von Präsident Ancillo Canepa. «Lieber Yanick, ich kann mir vorstellen, dass es dir nicht einfach gefallen ist, dich aus dem Profifussball zurück zu ziehen», sagt Canepa, «es wird für Heliane und mich gewöhnungsbedürftig sein, dich nicht mehr zu sehen.»
In der 87. Minute darf sich Brecher unter Standing Ovations auswechseln lassen. Er wird dem FCZ als Botschafter erhalten bleiben.
Das gab zu reden II
Mit dem Spiel denkt der FCZ auch zurück an den 13. Mai 2006, an dem die Zürcher in der berühmten 93. Minute den ersten Meistertitel seit 25 Jahren gewonnen haben. Zu Ehren des Jubiläums tragen die Zürcher an diesem Samstag ein Spezialtrikot. Und vor dem Spiel wird ein 50-minütiger Film gezeigt, in dem der denkwürdige Tag noch einmal aufgerollt wird.
Die Schiris
Luca Piccolo steht gut und sieht sofort, dass das Foul von Ivan Cavaleiro gegen Loun Srdanovic rotwürdig ist. Sonst hat er keine heiklen Aufgaben zu lösen.
Die Fans
Wer zu so einem Spiel kommt, ist seinem Verein wirklich verbunden. Und tatsächlich kommt aus der Südkurve zum Ende einer verkorksten Saison per Spruchband die Aufforderung, für die nächste Saison aller Probleme zum Trotz, eine Saisonkarte zu kaufen. 14’452 sind es, die für das Kehrausspiel gegen Servette Tickets gekauft haben. Gekommen sind die allerdings sicher nicht alle.
So gehts weiter
Für die beiden Teams ist die Super-League-Saison 2025/26 zu Ende. Die neue Spielzeit wird am 24. Juli eröffnet. Im Schweizer Klubfussball steht nun noch die Barrage zwischen GC und Aarau (18. und 21. Mai, 20.15 Uhr) sowie der Cup-Final zwischen dem FCSG und Lausanne-Ouchy (24. Mai, 14 Uhr) an.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 38 | 28 | 75 | |
2 | FC St. Gallen | 38 | 25 | 70 | |
3 | FC Lugano | 38 | 17 | 67 | |
4 | FC Sion | 38 | 23 | 63 | |
5 | FC Basel | 38 | -3 | 56 | |
6 | BSC Young Boys | 38 | 11 | 55 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 38 | 10 | 53 | |
2 | Servette FC | 38 | 8 | 53 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 38 | -14 | 42 | |
4 | FC Zürich | 38 | -23 | 38 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 38 | -26 | 33 | |
6 | FC Winterthur | 38 | -56 | 23 |






