Das Spiel
Seit etwas mehr als einer Woche steht der Meistertitel der Thuner fest, nach der wilden 3:8-Niederlage im Derby gegen YB bekommen sie nun endlich den Pokal überreicht. Bereits vor der Partie gibt es von YB-Captain Benito zudem einen Blumenstrauss. Früh im Spiel sind es hingegen die Berner Oberländer, die Geschenke verteilen. Unter gütiger Mithilfe der FCT-Abwehr sorgt Essende mit seinem ersten YB-Treffer für einen Blitzstart der Bundesstädter.
Die Reaktion des Meisters? Die folgt sogleich. Innert zwei Minuten stellt Rastoder von 0:1 auf 2:1 – und greift damit zwischenzeitlich nochmals ins Rennen um die Torjägerkrone ein. Die beiden führenden Bedia und Fassnacht sitzen bei YB zunächst nur auf der Bank, weil die beiden aber als Joker treffen, Fassnacht sogar doppelt, geht der Titel wohl in die Bundesstadt.
Bedia-Ersatz Essende zeigt derweil, warum er in der Startelf steht. Nach seinem Premierentreffer legt er sein zweites Tor nach. Und nur wenig trifft er schon wieder, Schiri Kanagasingam entscheidet jedoch auf Foul. Kurz vor der Pause zählt die YB-Führung dann aber, Sanches trifft nach toller Vorlage von Fernandes. Und es kommt noch bitterer für Thun: Captain Bürki fliegt nach heftigem Einsteigen mit Rot vom Platz (siehe «Das gab zu reden I»).
Nach dieser spektakulären ersten Hälfte beruhigt sich das Spielgeschehen auch nach dem Seitenwechsel nicht wirklich. Vor allem einer hat noch nicht genug: Samuel Essende. Der Kongolese schnürt zehn Minuten nach Wiederanpfiff den Hattrick. Eine Reaktion des FCT in Unterzahl bleibt aus – im Gegenteil. Virginius, Fassnacht (zwei Mal) und Bedia treffen auch noch, dazu fliegt mit Bamert ein zweiter Thuner vom Platz. Immerhin: Auch die Berner Oberländer treffen in Person von Bertone noch einmal.
Die Tore
1. Minute, Samuel Essende, 0:1. Lauper spielt einen langen Ball in die Spitze. Bürki wird von Essende überlaufen und auch Steffen zögert. So hat der YB-Stürmer leichtes Spiel und schiebt zur Führung ein.
11. Minute, Elmin Rastoder, 1:1. Diesmal ist es die YB-Abwehr, die nicht optimal aussieht. Roth schickt Rastoder in die Tiefe, Lauper kommt nicht hinterher. So hat der Thun-Angreifer alle Zeit der Welt und lässt Keller keine Chance.
13. Minute, Elmin Rastoder, 2:1. Die Thuner kombinieren sich über die rechte Seite durch. Roth flankt in den Strafraum, wo Rastoder nicht eng genug bewacht wird und einköpfelt.
26. Minute, Samuel Essende (Penalty), 2:2. Imeri geht im eigenen Strafraum ungeschickt zu Werke und steht Males auf den Fuss. Den fälligen Penalty verwandelt Essende eiskalt.
43. Minute, Alvyn Sanches, 2:3. Fernandes spielt aus dem Halbfeld einen wunderschönen Pass in den Strafraum. Dort nimmt Sanches den butterweichen Ball an und schiebt zur YB-Führung ein.
54. Minute, Samuel Essende (Penalty), 2:4. Essende wird im Strafraum von Käit getroffen und geht zu Boden, Schiri Kanagasingam entscheidet auf Elfmeter. Wie schon zuvor lässt der Kongolese Thun-Goalie Steffen keine Chance.
64. Minute, Alan Virginius, 2:5. Der Joker setzt sich auf der linken Seite gegen Heule durch und zieht gegen innen. Mit einem traumhaften Schlenzer versenkt er den Ball in der rechten oberen Ecke.
68. Minute, Christian Fassnacht, 2:6. YB tankt sich irgendwie durch die Thun-Abwehr durch. Am Ende ist es Virginius, der den Ball clever zu Fassnacht durchsteckt. Dieser schiebt mühelos ein.
77. Minute, Chris Bedia (Penalty), 2:7. Bamert foult als letzter Mann Essende. Der Thun-Verteidiger fliegt vom Platz, dazu gibt es Penalty. Bedia macht es ähnlich souverän wie Essende und trifft auch noch.
79. Minute, Leonardo Bertone, 3:7. Der schönste Treffer des Nachmittags erzielen die Thuner. Bertone verwandelt einen Freistoss haargenau via Lattenunterkatte im Tor.
81. Minute, Christian Fassnacht, 3:8. Gigovic bringt einen Eckball zur Mitte. Fassnacht wird nicht eng genug bewacht und bringt den Ball volley im Tor unter.
Die Stimmen
Mauro Lustrinelli (Thun-Trainer, gegenüber SRF): «Wir haben mit dem Meisterpokal ein Geschenk bekommen – und das ist das schönste Geschenk überhaupt, weil es zum ersten Mal in der Geschichte des FC Thun ist. Ich bin sehr glücklich, dass wir das gemeinsam erleben können.»
Justin Roth (Thun, gegenüber SRF): «Ich glaube die ganze Mannschaft kann es immer noch nicht richtig glauben. Wenn man die Konfetti und den Pokal sieht, ist es etwas greifbarer, aber ich glaube es braucht jeder noch ein bisschen, um das zu begreifen. Die Challenge-League-Medaille hatte ich schon, aber diese (Super-League-Medaille, d. Red.) ist umso schöner – und vor allem ist der Pokal um einiges grösser.»
Michael Heule (Thun, gegenüber Blue): «Das Spiel müssen wir schnellstmöglich abhaken und uns jetzt auf die Pokalübergabe freuen. Darauf haben wir die ganze Saison hingearbeitet und wir müssen versuchen, es trotzdem zu geniessen.»
Leonardo Bertone (Thun, gegenüber Blue): «Zum Glück haben wir den Meistertitel schon vorher definitiv. Klar haben wir uns das heute anders vorgestellt, aber am Ende ist es scheissegal. Wir bekommen jetzt den Pokal überreicht, das ist das Schönste, was wir in dieser Saison haben erreichen können. Wir sollen stolz sein, egal was in den letzten Spielen passiert ist.»
Der Beste
Samuel Essende. Null Tore seit der Ankunft im Winter. Und jetzt drei. Von der Harmlosigkeit in Person wird der Kongolese und potenzielle WM-Fahrer zum Hattrick-Schützen. Klar, darunter sind zwei Penaltys. Aber ein Tor von ihm wird zudem aberkannt.
Der Schlechteste
Marco Bürki. Der Captain erlebt im Spiel der Pokalübergabe nicht den besten Auftritt. Vor der kalten Dusche zum 0:1 stimmt die Abstimmung mit Steffen nicht, Bürki lässt sich von Essende übertölpeln. Dann die Szene des Platzverweises, bei der er Sanches nach dem Ellbogeneinsatz grob auf die Hüfte tritt.
Das gab zu reden I
Wirbel vor der Pause in Thun. Plötzlich meldet sich der VAR. Eine Rote Karte gegen Bürki wird geprüft. Nach einem harten Check mit dem Ellbogen voraus gegen Sanches hat der Thun-Captain zuvor Gelb gesehen. Nach der Konsultation zückt Schiri Kanagasingam Rot. Was man auch noch sieht: Bürki tritt nach dem harten Einsteigen dem am Boden liegenden Gegenspieler noch voll auf die Hüfte. Nicht ganz klar, welche Aktion von beiden nun Rot gegeben hat. Aber falsch ist es jedenfalls nicht.
Das gab zu reden II
Plötzlich musste es schnell gehen. Das letzte Heimspiel der Saison bestreitet Thun nicht mehr in der Stockhorn-Arena, sondern im umbenannten Visana-Stadion. Die Fankurve äussert mit einem Spruchband ihren grossen Unmut darüber. Der alte Schriftzug mit der Kulisse des Stockhorns ist bereits entfernt und durch den neuen ersetzt. Schon seit letztem Sommer besitzt die Versicherungsgruppe, die gleichzeitig Hauptsponsor des Klubs ist, das Stadion. Der Fussballklub kann es mietzinsfrei nutzen, erhält dazu weitere Einnahmen aus anderen Events wie Konzerten und zusätzlich 300 Tausend Franken pro Jahr. Nun wollte die Visana offensichtlich die Bilder der Meisterfeier bereits mit ihrem Namen im Hintergrund sehen.
Die Schiris
Anojen Kanagasingam kriegt es mit aufgebrachten Thunern zu tun. Zuerst flucht Bertone mehrmals wie ein Rohrspatz. Dann muss er am VAR-Bildschirm die Bürki-Verwarnung auf Rot korrigieren. Und dann kommt er mit dem Torezählen wie die Zuschauer fast nicht mehr nach.
Die Fans
Ausverkauftes Haus mit 10’014 Fans bei diesem speziellen Berner Derby, bei dem nicht der glasklare Sieger YB nach dem Kantersieg den Meisterkübel erhält, sondern Thun erstmals in der 128-jährigen Vereinsgeschichte. Die schönste Klatsche der Geschichte?
So gehts weiter
Meister Thun ist zum Abschluss der Saison am Sonntag (16.30 Uhr) beim FCSG zu Gast. YB empfängt zeitgleich Sion.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 37 | 28 | 74 | |
2 | FC St. Gallen | 37 | 25 | 69 | |
3 | FC Lugano | 37 | 13 | 64 | |
4 | FC Sion | 37 | 23 | 62 | |
5 | FC Basel | 37 | 1 | 56 | |
6 | BSC Young Boys | 37 | 11 | 54 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Luzern | 38 | 10 | 53 | |
2 | Servette FC | 38 | 8 | 53 | |
3 | FC Lausanne-Sport | 38 | -14 | 42 | |
4 | FC Zürich | 38 | -23 | 38 | |
5 | Grasshopper Club Zürich | 38 | -26 | 33 | |
6 | FC Winterthur | 38 | -56 | 23 |






