Servettes Erfolgskonzept und wie der Verband darüber denkt
Schweizer Meisterinnen fast komplett ohne Schweizerinnen?

Dank Millionenbudget und internationalen Stars dominiert Servette die Schweizer Frauenliga und gewinnt den Cup zum dritten Mal in vier Jahren. In der Startelf des Teams stehen meist nur zwei Schweizerinnen.
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Im Playoff-Viertelfinal sieht sich Servette den Aarau-Frauen gegenüber. Die Budgetunterschiede sind enorm.
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Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Servette gewinnt Cupfinal gegen YB, startet Playoffs erfolgreich in Genf
  • Nur zwei Schweizerinnen in Startelf, Legionärinnen dominieren Spielkader
  • Budget von Servette: Zwischen 2 und 3 Millionen Franken, zehnmal höher als Aarau
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Andri BäggliRedaktion Sport

Das Frauen-Team von Servette ist regelrecht durch die Saison marschiert. Bloss am letzten Spieltag der regulären Saison musste man sich dem FC Basel geschlagen geben. Ansonsten gabs 15 Siege und zwei Remis.

So richtig ernst gilt es für die Genferinnen aber ohnehin erst jetzt in den Playoffs. Denn nur die Meisterschaft kann den Ansprüchen des Teams von Trainer Cristian Toro (45) wirklich gerecht werden.

Den ersten Titel haben die Westschweizerinnen bereits in der Tasche. Den Cupfinal gewannen sie 1:0 gegen YB. Es ist das dritte Mal in der Klubgeschichte, dass die Genferinnen die Trophäe in die Höhe stemmen durften – und das innert vier Jahren. Auffällig dabei: Mit Laura Tufo (24) und Amina Muratovic (19) standen nur zwei Schweizerinnen in der Startaufstellung.

Servette ist nicht allein

Zuletzt beim Playoff-Auftakt im Hinspiel gegen Underdog Aarau, das man überraschend knapp mit 2:1 gewann, war sogar nur Muratovic von Anfang an auf dem Platz. Servette ist mit dieser Entwicklung aber nicht allein, bei fast allen Top-Klubs in der höchsten Schweizer Spielklasse spielen vermehrt Legionärinnen. Bei den kleineren Klubs sieht das anders aus. Dort wird noch mehr auf den eigenen Nachwuchs gesetzt.

Das hat auch mit den riesigen finanziellen Unterschieden in der Liga zu tun. Wie das Magazin «Zwölf» schreibt, beträgt zum Beispiel das Budget der Genferinnen schätzungsweise 2 bis 3 Millionen Franken – etwa das Zehnfache des Etats der Aarauerinnen. Spielerinnen wie Magdalena Sobal (Juventus), Daïna Bourma (Glasgow Rangers), Gloria Marinelli (AC Milan) und Yenifer Gimenez (Villarreal) sind innerhalb der letzten vier Jahre zu Servette gestossen. Und das sind nur einige Beispiele – bei Servette sind aktuell nur acht Spielerinnen im Verein ausgebildet worden. Vier davon kommen gemeinsam auf nur 80 Minuten Einsatzzeit.

Der Erfolg in der Tabelle gibt Servette recht. Für die Schweizer Nati allerdings könnte diese Vorgehensweise zum Problem werden. Hiesige Talente haben so immer mehr Mühe, zu Einsätzen kommen und sich so ein Sprungbrett für den Schritt in eine bessere Liga zu verschaffen. Doch genau das ist unabdingbar, will die Schweiz in Zukunft im internationalen Vergleich mithalten.

SFV findet Entwicklung gar nicht schlecht

Beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) blickt man allerdings weniger kritisch auf diese Entwicklungen. Auf Anfrage von Blick schreibt der Verband: «Für uns ist es Ausdruck für die positive Entwicklung und steigende Wettbewerbsfähigkeit in der AXA Women’s Super League. Dass Klubs vermehrt auf internationale Spielerinnen setzen, zeigt, dass die Liga auch über die Landesgrenzen hinaus zunehmend an Attraktivität gewinnt.»

Losgelöst von diesen Entwicklungen sei es dem SFV aber ein zentrales Anliegen, die Nachwuchsarbeit mit zielgerichteten Projekten wie «Built to grow» oder «Next Gen» nachhaltig zu stärken. Anders als bei den Männern gibt es in der Women's Super League aber noch keine Mindestanzahl an lokal ausgebildeten Spielerinnen. Pläne, das zu ändern, gibt es noch keine konkreten. Man befinde sich aber im Austausch mit den Klubs, so der Verband.

Immerhin: Beim letzten Nati-Zusammenzug kam Servette-Youngster Amina Muratovic zum ersten Aufgebot. Vielleicht krönt die Abwehrspielerin ihre Saison bald noch mit dem Double-Gewinn.

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