Nach einer ansprechenden ersten Halbzeit verfällt die Nati nach der Pause in eine gewisse Lethargie. Das Team von Rafel Navarro findet vor dem nordirischen Tor kaum mehr statt. Das Gegentor ist die Quittung für den passiven Auftritt. Weil Portugal im Parallelspiel gegen Finnland verliert, ist die Schweiz dennoch das beste Team der Liga B der WM-Quali.
Mit einer halben Minute «Verspätung» pfeift die Griechin Anastasia Mylopoulou ab.
Amina Muratovic von Servette kommt für Lia Wälti. Es ist ihr erster Einsatz für die Nati.
Es gibt drei Minuten Nachspielzeit.
Emily Cassap trifft in ihren ersten Länderspiel-Sekunden zum Anschlusstreffer. Noelle Maritz verliert den Ball auf der linken Abwehrseite an Mia Moore, die ebenfalls direkt zuvor eingewechselt wurde. Diese spitzelt den Ball ins Zentrum, wo die 19-jährige Cassap direkt abschliesst. Ihr Schlenzer aus der Distanz schlägt unten links ein – ein absolut sehenswerter Abschluss. Elvira Herzog im Tor ist wohl überrascht, steht aus ihrer Sicht weit rechts und kommt nicht schnell genug in die Ecke.
Jetzt wechselt Nordirland: Aimee Kerr und Danielle Maxwell gehen, Emily Cassap (Länderspieldebüt) und Mia Moore kommen.
Doppelwechsel bei der Nati: Coumba Sow und Lydia Andrade kommen für Leila Wandeler und Seraina Piubel.
Viola Calligaris kommt nach einer Reuteler-Ecke von links noch vor dem nahen Pfosten frei zum Kopfball, trifft den Ball aber nicht wunschgemäss, sodass die Kugel klar drüber geht.
Da ist der erste Abschluss der Nati im zweiten Durchgang: Géraldine Reuteler sucht in einem Gegenstoss Seraina Piubel, die nach zwei Querschlägern bei zwei Abwehrspielerinnen auch an den Ball kommt. Die West-Ham-Stürmerin kommt aus elf Metern zentral zum Schuss, der Versuch wird aber nur Zentimeter nach der Ballabgabe von Rebecca McKenna zur Ecke geblockt.
Die neue Cora Chambers holt nach einem Konter den ersten Eckball für ihr Team heraus. Nach der Flanke von Aimee Kerr fällt der Ball über Umwege Natalie Johnson vor die Füsse. Die Einwechselspielerin schiesst aber rechts vorbei. Trotzdem ist das die gefährlichste Torszene der zweiten Halbzeit.
Die Schweizerinnen werden in Lurgan gegen Nordirland knapp ihrer Favoritinnenrolle gerecht. Das 2:1 ist gleichbedeutend mit dem fünften Sieg im sechsten WM-Qualifikationsmatch. Die 16 Punkte toppt in der Nations-League-Stärkeklasse B keine andere Nation. Rang eins hatte das Team von Rafel Navarro bereits vor dem Anpfiff auf sicher.
Verrückt spielt in Nordirland vor allem das Wetter (siehe «Das gab zu reden»). Doch nicht nur die Bedingungen präsentieren sich wechselhaft. Auch die Nati zeigt Licht und Schatten.
Nach einer kurzen Unkonzentriertheit in der Abwehr in der neunten Minute (Torhüterin Elvira Herzog ist zur Stelle) hat die Schweiz lange Zeit alles im Griff, ohne dabei an die Grenzen gehen zu müssen. Und mit Géraldine Reuteler einen offensiven Trumpf in den eigenen Reihen, der für die Glanzpunkte in dieser an Highlights armen Partie sorgt.
Zwar gelingt es Reuteler zunächst nicht, den Lapsus von Nordirlands Keeperin Jacqueline Burns zu bestrafen, indem sie mit ihrem Lupfer das offene Gehäuse verfehlt. Danach holt die 27-Jährige allerdings Verpasstes nach und bereitet nach ihrem Treffer zum 1:0 auch noch Smilla Vallottos Tor vor der Pause vor.
Die grosse Nati-Goalshow – wie noch vor vier Tagen in Lugano beim 6:1 gegen Malta – bleibt in Lurgan aus. Die Schweizerinnen lassen in der zweiten Halbzeit vieles vermissen. Der Leistungsabfall rächt sich. Kurz vor Schluss muss Herzog hinter sich greifen. Am Ausgang der Partie ändert dies jedoch nichts mehr.
29. Minute, Géraldine Reuteler, 0:1. Leila Wandeler lässt im Strafraum den Ball für Reuteler eher zufällig, weil bedrängt, abtropfen. Deren platzierter Schuss findet via Innenpfosten den Weg ins nordirische Tor.
41. Minute, Smilla Vallotto, 0:2. Reuteler tanzt rechts aussen ihre Gegenspielerin aus und passt danach flach ins Zentrum. Ungedeckt hat Vallotto keinerlei Mühe, für die Schweiz zu erhöhen.
85. Minute, Emily Cassap, 1:2. Noelle Maritz verliert den Ball und Lia Wälti lässt sich anschliessend von Cassap wegdrücken. Die just zuvor eingewechselte Länderspieldebütantin fackelt nicht lange und schlenzt den Ball gefühlvoll in die Ecke.
Géraldine Reuteler. Erzielt das 1:0 mit einem platzierten Schuss und bereitet das zweite Tor mustergültig vor.
Noelle Maritz. Verliert vor dem 1:2 unnötig den Ball und verpasst in der ersten Halbzeit zwei gute Torchancen.
Lia Kamber (gegenüber SRF): «Es ist schade, haben wir das Gegentor noch bekommen, das Ziel war es, zu null zu spielen. Aber wir können die drei Punkte mitnehmen und jetzt gilt der Fokus den kommenden Spielen. Teilweise hätten wir den Ball noch mehr laufen lassen und etwas mehr abwarten können, bevor wir nach vorne gehen. Aber schlussendlich haben wir das Spiel trotzdem dominiert», erklärt Lia Kamber unmittelbar nach Schlusspfiff. «Es war sehr schön und ich bin mega dankbar, dass ich die Chance bekommen habe», kommentiert sie ihr Startelfdebüt.
Sommerwetter in Nordirland? Von wegen! Kurz vor Spielbeginn beginnt es in Lurgan derart heftig zu hageln, dass die Schweizerinnen für kurze Zeit auf die Tribüne flüchten und Schutz suchen. Während der Partie bleibt das Wetter vogelwild. Mal scheint die Sonne, mal regnet es wieder wie aus Kübeln. In Nordirland macht scheinbar auch der Juni, was er will.
Die Griechin Anastasia Mylopoulou hat das Geschehen gut im Griff. Sie wählt eine lockere Linie.
Immerhin eine der Tribünen im Mourneview Park von Lurgan ist gut gefüllt. Viele Familien sind mit ihren Kindern da und feuern ihre Nordirinnen an. Auch einige Schweizer Fans haben es ins kleine Städtchen (23'000 Einwohner) rund eine halbe Stunde entfernt von Belfast geschafft. Auch unter den Zuschauenden: Die in den letzten Tagen kranke Riola Xhemaili und die angeschlagene Sydney Schertenleib.
Erst am Donnerstag in einer Woche findet die Auslosung der WM-Playoffs (1. und 2. Runde) statt. Als Gruppensieger kriegt es die Schweiz in der 1. Runde im Oktober mit einem Tabellenzweiten oder -dritten der Nations-League-Stärkeklasse B zu tun.



