Am Ende kommt es zum ganz grossen Drama. Was als Kampf zwischen dem besten Angriff der Welt und der besten Abwehr angekündigt war, wird zum Abnützungskampf. Zum Nervenspiel. Und Gabriel zur tragischen Figur. Als letzter der zehn Elfmeter-Schützen tritt er an. Er verzögert kurz, hat Goalie Matwei Safonow eigentlich schon verladen – und schiesst dann weit über das Tor.
Aus und vorbei der Traum des Arsenal FC vom ersten Triumph in der Champions League. 120 Minuten und noch mehr haben die Londoner Paris St-Germain die Stirn geboten. Aber am Ende bleibt der Pokal beim Titelverteidiger aus Paris.
Als es ins Penaltyschiessen geht, stehen viele der grössten Helden schon gar nicht mehr zur Auswahl. Ousmane Dembélé, Chwitscha Kwarazchelia, Vitinha und Marquinhos bei Paris St-Germain. Bukayo Saka, Martin Ödegaard und Kai Havertz bei Arsenal. Alle ausgewechselt.
Ausgelaugt von einem Spiel, das zwar nicht immer spektakulär ist. Aber dafür mit einer Intensität geführt wird, die die Spieler am Ende einer ultralangen Saison an die Grenzen führt. Und darüber hinaus.
Arsenal überrascht zu Beginn
Am Ende stehen die Tränen beim Londoner Anhang – und bei den Spielern von Arsenal. Am Anfang steht eine kleine Überraschung, die Arsenals Trainer Mikel Arteta für sein Gegenüber Luis Enrique mitgebracht hat. Es wirkt, als wollten die Londoner alle Geschichten Lügen strafen, die über sie erzählt worden sind vor diesem Endspiel. Was, wir sollen eine Mannschaft sein, die sich nur aufs Verteidigen versteht? Dann beweisen wir euch mal schön das Gegenteil!
Die ersten fünf Minuten drückt Arsenal aufs Gas. Das Team von Arteta drängt PSG zurück, lässt den Gegner kaum atmen. Paris St-Germain? Zeigt Wirkung. Ist erst einmal überrascht. Und kurz darauf auch schon 0:1 im Rückstand.
Ausgerechnet Marquinhos unterläuft der folgenschwere Fehler: dem Captain, dem Team-Papa, dem Mann, der seit sagenhaften 13 Jahren für Paris spielt. Unter Druck trifft er mit einem Befreiungsschlag Leandro Trossard. Von dessen Körper prallt der Ball perfekt in den Lauf von Kai Havertz. Der Deutsche zimmert ihn mit gefühlt 200 km/h ins Netzdach. Die Arsenal-Fans sind vorläufig im siebten Himmel.
Kwarazchelia reicht eine Szene
Und ihr Team ist genau dort, wo es sich am wohlsten fühlt. Jetzt, da sie in Führung sind, erinnern sich die Gunners an ihre grösste Stärke. Dicht stehen sie am eigenen Strafraum. Unermüdlich stopfen der überragende Declan Rice und Myles Lewis-Skelly auch noch die kleinsten Löcher, die sich theoretisch auftun könnten.
Eine Stunde lang macht Arsenal alles richtig. Die Pariser haben den Ball, aber keine Ideen. Dafür haben sie einen Chwitscha Kwarazchelia. Der ist zwar praktisch unsichtbar. Versunken im Treibsand der Arsenal-Verteidigung sind seine Sprints und Dribblings. Aber eine Sekunde reicht, in der Gegenspieler Cristhian Mosquera nicht ganz aufmerksam ist.
Kwarazchelia kommt in den Strafraum, Mosquera foult. Und Ousmane Dembélé verwandelt den logischen Penalty zum 1:1.
Alles wieder auf Null. Und doch auch nicht. Denn dieses Tor löst die Handbremse, mit der dieses Spiel so lange zu kämpfen hat. Plötzlich will Arsenal wieder nach vorne spielen. Havertz findet Bukayo Saka mit seinem Pass nicht. Es wäre in der 74. Minute eine riesige Chance gewesen.
Im Gegenzug kommt PSG zu Kontern, weil sich plötzlich Räume öffnen, von denen die Pariser zuvor nur träumen konnten. Wieder ist es Kwarazchelia, der davoneilt. Aber Myles Lewis-Skelly lenkt seinen Schuss noch an den Pfosten (77. Minute). In der 89. verzieht Vitinha aus 15 Metern aus bester Lage. Bradley Barcola trifft in der siebten Minute der Nachspielzeit ins Aussennetz.
Das Hadern mit dem Schiedsrichter
Es ist die beste Phase der Partie. Weil in der Verlängerung beide weniger darum spielen, den Titel zu gewinnen. Sondern vor allem darum, ihn nicht zu verlieren. Einmal werden Rice und Arteta fuchsteufelswild, weil ein Einsteigen von Nuno Mendes gegen Noni Madueke nicht zum zweiten Elfmeter der Partie führt.
Das Einsteigen des Parisers ist hart an der Grenze – oder schon darüber. Aber Schiedsrichter Daniel Siebert pfeift nicht. Nach diesem Ausgang der Partie wird man in London noch lange darüber klagen.






