Das Rennen
31 Runden lang liefern sich Pole-Mann George Russell und sein Mercedes-Teamkollege Kimi Antonelli ein packendes Duell mit mehreren Überholmanövern. Mal führt der Brite, dann der italienische WM-Leader. Zwischendurch muss Antonelli seine Leaderposition auf Anordnung seines Teams wieder zurückgeben, weil er in einem Duell abgekürzt hat. Die Reaktion: «Wieso? Er hat mich abgedrängt, ich war vorne. Was soll das?»
Und dann wird dieser Zweikampf durch einen Defekt entschieden. Plötzlich fährt Russell über die Wiese und muss daraufhin seinen Boliden abstellen! Er wirft die Cockpit-Umrandung weg, klopft auf sein Auto und stapft wütend davon. Mercedes meldet, dass es sich um ein Motorenproblem handelt. Antonelli profitiert und fährt seinen vierten GP-Sieg in Folge ungefährdet nach Hause. Noch nie hat ein F1-Pilot seine ersten vier GP-Siege direkt hintereinander geholt.
Es ist ein grosses Kapitel in diesem Chaos-GP. Denn schon am respektive vor dem Start geht es wild zu und her. Da ist einerseits der schier undurchschaubare Reifenpoker (siehe «Das gab zu reden I»), andererseits ist da Arvid Lindblad, der beim Start stehen bleibt. Der Brite im Racing Bulls kann keinen Gang einlegen, muss unverrichteter Dinge wieder zurück in die Garage und das Rennen aufgeben.
Nach dem Neustart schnappt sich zwar Lando Norris beide Mercedes vor ihm, muss dann aber in die Box, um neue Reifen zu holen. Chaos halt. Dieses ist komplett, als der amtierende Weltmeister in Runde 40 seinen Boliden ausrollen lassen und das Rennen wegen eines Getriebeschadens aufgeben muss. Und Piastri? Der bekommt wegen eines Rencontres mit Alex Albon eine Zehn-Sekunden-Strafe. Gebrauchter Tag für die Papayas.
Hinter Sieger Antonelli duellieren sich Max Verstappen und Lewis Hamilton im Ferrari um den 2. Platz. Lange hält der Holländer den siebenfachen Weltmeister in Schach. «Ich brauche mehr Power, Leute», funkt Hamilton an sein Team. Und die kommt. Der Brite holt sich den 2. Platz mit einem tollen Überholmanöver und feiert den zweiten Podestplatz in diesem Jahr nach dem 3. Rang in China. Für Hamilton ist es zudem der elfte Podestplatz auf dem Circuit Gilles-Villeneuve, sieben davon waren Siege. Verstappen holt derweil den ersten Podestplatz in dieser Saison.
Das gab zu reden I
Vor dem fünften GP der Saison gab es eine grosse Frage: Regnet es? Schlechtes Wetter ist normalerweise kein Hinderungsgrund für ein Formel-1-Rennen, doch in Montreal wäre Regen «ein Schritt ins Ungewisse», wie es auf der F1-Webseite heisst. Denn viele Testtage im Regen haben die Teams mit ihren neuen Autos in diesem Jahr nicht absolviert – einige sogar gar keine. Wie die Boliden auf nasse Strecken reagieren, ist daher schwierig einzuschätzen.
Wenige Minuten vor dem Start ist die Wetterlage immer noch unsicher, die Reifenwahl genauso. Oscar Piastri, der bei den Sichtungsrunden die Softreifen draufhat, wird übers Teamradio gefragt, ob er glücklich sei mit der Wahl oder ob er doch lieber die Intermediates wolle. Die Antwort des Australiers: «Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung.» Scheinbar nicht nur er: Die Hälfte der Fahrer starten auf Softreifen, die Racing Bulls und Alpine wählen die Mediumreifen und sieben Piloten beginnen auf Intermediates, darunter Audi und auch die beiden McLaren – obwohl es nicht regnet! Kurz nach dem Start brechen aber alle das Intermediates-Experiment ab und holen sich alle Soft- oder Mediumreifen. Da haben sie sich gründlich verpokert.
Fahrerwertung
1. Kimi Antonelli – 131
2. George Russell – 88
3. Charles Leclerc – 75
4. Lewis Hamilton – 72
5. Lando Norris – 58
6. Oscar Piastri – 48
7. Max Verstappen – 43
8. Pierre Gasly – 20
9. Oliver Bearman – 18
10. Liam Lawson – 16
11. Franco Colapinto – 15
12. Isack Hadjar – 14
13. Carlos Sainz – 6
14. Arvid Lindblad – 5
15. Gabriel Bortoleto – 2
16. Esteban Ocon – 1
17. Alexander Albon – 1
18. Nico Hülkenberg – 0
19. Valtteri Bottas – 0
20. Sergio Perez – 0
21. Lance Stroll – 0
22. Fernando Alonso – 0
Team-Wertung
1. Mercedes-AMG F1 Team – 219
2. Ferrari – 147
3. McLaren F1 Team – 106
4. Red Bull Racing – 57
5. Alpine F1 Team – 35
6 Racing Bulls F1 Team – 21
7. Haas F1 Team – 19
8. Williams Racing – 7
9. Audi F1 Team – 2
10. Cadillac F1 Team – 0
11. Aston Martin F1 Team – 0
Fahrerwertung
1. Kimi Antonelli – 131
2. George Russell – 88
3. Charles Leclerc – 75
4. Lewis Hamilton – 72
5. Lando Norris – 58
6. Oscar Piastri – 48
7. Max Verstappen – 43
8. Pierre Gasly – 20
9. Oliver Bearman – 18
10. Liam Lawson – 16
11. Franco Colapinto – 15
12. Isack Hadjar – 14
13. Carlos Sainz – 6
14. Arvid Lindblad – 5
15. Gabriel Bortoleto – 2
16. Esteban Ocon – 1
17. Alexander Albon – 1
18. Nico Hülkenberg – 0
19. Valtteri Bottas – 0
20. Sergio Perez – 0
21. Lance Stroll – 0
22. Fernando Alonso – 0
Team-Wertung
1. Mercedes-AMG F1 Team – 219
2. Ferrari – 147
3. McLaren F1 Team – 106
4. Red Bull Racing – 57
5. Alpine F1 Team – 35
6 Racing Bulls F1 Team – 21
7. Haas F1 Team – 19
8. Williams Racing – 7
9. Audi F1 Team – 2
10. Cadillac F1 Team – 0
11. Aston Martin F1 Team – 0
Die Stimmen
Kimi Antonelli (1.): «Danke an alle, die gekommen sind. Der Kampf mit George hat Spass gemacht, wir waren beide am Limit. Es wäre ein tolles Duell geworden, nicht schön, dass er ausgefallen ist. Aber ich nehme den Sieg gerne mit. Als ich dann alleine fuhr, habe ich mich auf die Reifen konzentriert. Wir hatten eine gute Pace. Ich will so weitermachen, auch george war extrem schnell an diesem Wochenende. Red Bull, Ferrari und McLaren kommen langsam aber sicher zurück. Monaco wird sicher tricky.»
Lewis Hamilton (2.): «Grosser Dank an mein Team. Es war letztes Jahr ziemlich hart, nun ist es eingrossartiges Gefühl, hier wieder auf dem Podium zu stehen. Es war ein toller Kampf mit Max. Dieses Wochenende macht Mut. Wir haben ein dickes Upgrade mitgebracht, die Leute in der Fabrik arbeiten hart. Das gibt mir grosse Hoffnungen auf alles, was vor uns liegt.»
Max Verstappen (3.): «Es gab schöne Kämpfe auf der Strecke und vorne mitfahren zu können, ist immer schön. Wir haben das erste Podest, das ist super. Wir sind glücklich damit. Wir müssen weiterarbeiten und uns besser entwickeln als die anderen.»
Audi
Nico Hülkenberg konnte seinen Quali-Fluch 2026 am Samstag nicht brechen, zum sechsten Mal (von acht Qualifyings für Sprintrennen und GPs) wurde der Deutsche Elfter. Wie die McLaren starten er und Teamkollege Gabriel Bortoleto auf den Intermediates und holen sich direkt nach dem Neustart andere Reifen, weil der Regen doch nicht einsetzt. Danach kommen aber beide nicht richtig auf Touren und liegen lange hinter den WM-Punkten. Diesen kommt das Duo, auch aufgrund der Ausfälle, zwar immer näher, doch am Ende sind es die Ränge 12 für Hülkenberg und 13 für Bortoleto.
Erfreuliche Nachrichten für Audi gibts derweil aus der Nachwuchsabteilung: Academy-Fahrerin Emma Felbermayr (19, Österreich), die in Shanghai das Hauptrennen gewonnen hat, wurde in jenem in Montreal Zweite und ist auch im Gesamtklassement hinter Alisha Palmowski (Gb, Red Bull) Zweite.
Das gab zu reden II
Dass der GP in Montreal erst um 22 Uhr Schweizer Zeit gestartet wurde und nicht wie üblich um 20 Uhr, liegt am Indy 500. Das traditionsreiche Rundstrecken-Rennen in Indianapolis fand heuer am gleichen Tag wie der Formel-1-GP statt, weshalb der Start schon bei der Kalenderbekanntgabe im letzten September zwei Stunden später angesetzt worden war. Beim Indy 500 mit dabei waren auch einige Ex-F1-Piloten wie Ex-Sauber-Fahrer Marcus Ericsson (35), Romain Grosjean (40, Renault, Lotus, Haas) oder Mick Schumacher (27, Haas), der seine Premiere beim Indy 500 gibt und am Ende 18. wird. Der Regen sorgte während den 200 Runden immer wieder für Rennunterbrüche, am Ende siegt Felix Rosenqvist (34) – 23 Tausendstelsekunden vor David Malukas (24). Damit ist es offiziell der knappste Sieg in der 110-jährigen Geschichte des Indy 500.
So gehts weiter
Der Formel-1-Tross kommt nach Europa. Nach fünf Rennen auf anderen Kontinenten, schlagen die Teams am ersten Juni-Wochenende in Monaco auf. Um WM-Punkte gehts beim GP-Klassiker am Sonntag, 7. Juni (15 Uhr).



