Darum gehts
- Milos J. aus Samstagern ZH fällt auf einen gefälschten Blick-Artikel rein
- Ohne sein Einverständnis werden 500 Franken auf seiner Kreditkarte belastet
- Kantonspolizei Zürich warnt vor Plattform «VestoFX» auf «cybercrimepolice.ch»
Milos J.* (36) aus Samstagern ZH stösst Ende Mai auf Facebook auf einen vermeintlichen Blick-Artikel. Im Text geht es um die Erbverteilung des verstorbenen Snowboard-Profis Ueli Kestenholz (†50).
«Im Artikel stand, dass er sein Geld über die Handelsplattform ‹VestoFX› investiert habe», erinnert sich J. Die Erben hätten das Geld dort belassen.
Das Thema interessiert den 36-Jährigen. Er sucht gerade nach einem neuen Trading-Anbieter. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht weiss: Beim Artikel handelt es sich um einen gefälschten Blick-Bericht.
Die Masche ist bekannt: Betrüger missbrauchen Prominente und Logos bekannter Medien, um für dubiose Investitionen zu werben.
«Hatte keine Zeit zum Überlegen»
So auch im Fall von Milos J. Im gefälschten Artikel klickt er auf einen Link und gerät auf die beschriebene Website zum Börsenhandel. Er tippt seine Kontaktdaten ein, dann schnappt die Falle zu. «Es verging keine Minute, bis mein Telefon klingelte», sagt er. Am Hörer ist ein hochdeutsch sprechender Mann, der sich als Trader ausgibt.
Schritt für Schritt unterstützt er Milos J. beim Registrierungsprozess, bei dem er Ausweisfotos und Kreditkartendaten übermittelt. Da er diesen Vorgang bereits von anderen Handelsplattformen kennt, hegt er keinen Betrugsverdacht. «Das ist eine perfekt ausgeklügelte Masche», sagt er. «Ich hatte keine Zeit zum Überlegen.»
Kurz darauf ist ein Teil seiner Kohle weg: «Während ich mit dem angeblichen Trader am Telefon war, wurden mir 500 Franken abgebucht.» Als J. den Mann zur Rede stellt, erklärt dieser, dass eine Rückzahlung von einem «Senior Account Manager» der Firma bewilligt werden müsse.
Nach rund 40 Minuten beenden sie das Telefonat. Milos J. beginnt zu recherchieren und findet heraus, dass er wohl Opfer eines Betruges wurde. Die Kantonspolizei Zürich warnt auf ihrer Website «cybercrimepolice.ch» vor dieser Plattform.
«Ich fuhr sofort zur Bankfiliale und liess meine Karte sperren», so J. Zum Glück, denn: «Sie versuchten am Abend noch mehr Geld abzubuchen – ohne Erfolg.»
Aggressive Telefon-Taktik
Nach dem Wochenende ruft ihn die dubiose Firma wieder an. «Ein anderer Mann, der sich als ‹Senior Account Manager› ausgab, wollte mich überzeugen, noch mehr einzuzahlen», so J. Der Mann erstattet ihm sogar die Hälfte des Betrages zurück – offenbar als «Vertrauensbeweis». «Als er aber merkte, dass ich nicht mehr investiere, beendete er den Kontakt.»
Während des Blick-Interviews schreibt J. der Firma erneut, dass er sein Geld zurückwill. Innert Minuten antwortet ihm jemand, dass ihm das Geld zurückvergütet werde. Er solle aber «auf jeden Fall» noch ein Gespräch mit seinem «Betreuer» führen.
Kurz darauf ruft ein Mitarbeiter an und fordert ihn aggressiv auf, wegen der paar Hundert Franken keinen Stress zu machen. Eine schriftliche Bestätigung lehnt er ab.
Wurden seine Daten verkauft?
Dass er das restliche Geld noch erhält, glaubt J. nicht. Dass eine Rückzahlung «approved» sei, höre er schon seit über einer Woche. «Sie wollen nur Zeit schinden, damit die Bank keine Chance mehr hat, das Geld zurückzufordern», vermutet er.
Hilfe von seiner Bank erhalte er nur begrenzt. «Bei der UBS hiess es, dass die 3-D-Secure-Funktion nicht aktiviert war», sagt er und ist irritiert. «Normalerweise muss ich jede Transaktion bestätigen.» Warum dies im vorliegenden Fall nicht so war, sei ihm schleierhaft.
Die UBS gibt auf Blick-Anfrage bekannt, dass jeweils der Händler – in diesem Fall die dubiose Plattform – entscheide, ob 3-D Secure für die Bestätigung einer Online-Zahlung angeboten werde oder nicht. Nur falls ein Händler das Sicherheitsverfahren unterstütze, könnten die Bankkunden die Anfrage für eine Online-Zahlung anschliessend über die App oder über SMS bestätigen oder ablehnen.
Der entstandene Schaden sei gross, so J. «Ich muss mein Handy und meine Nummer wechseln – und meinen PC überprüfen.» Die Geräte seien nicht mehr sicher. «Sie verfügen über alle Infos von mir und haben wohl auch meine Daten verkauft. Seither erhalte ich täglich Anrufe und Mails anderer Tradingplattformen.»
Erneuter Versuch nach Blick-Anfrage
Auf Blick-Anfrage schreibt die Firma VestoFX am Mittwoch, dass alle kontobezogenen Vorgänge nur von den Kunden selbst veranlasst werden würden. Sie behauptet, die Angelegenheit sei geklärt und der gesamte Betrag zurückerstattet worden.
Erhalten hat Milos J. am Mittwoch allerdings nur ein Mail vom angeblichen VestoFX-Support, dass seine Auszahlungsanfrage erfolgreich bearbeitet worden sei. Gleichzeitig wird auf seiner UBS-Karte eine Abbuchung von rund 280 Euro abgelehnt – derselbe Betrag, den man ihm Ende Mai nach der Kartensperrung belasten wollte. J. vermutet auch dahinter VestoFX: «Das finde ich krass. Sie wollen gleichzeitig Geld auszahlen und abziehen.»
Milos J. will die Firma anzeigen – auch um andere Leute zu schützen.
* Name geändert