Rimoldi zieht mit «Mass-Voll»-Demo lautstark durch Luzern
0:51
Lautstarke «Mass-Voll»-Demo:Hunderte ziehen mit Rimoldi durch Luzern

Spezialkräfte an Anti-EU-Demo
Mass-Voll-Rimoldi zog mit 800 Menschen durch Luzern

Rund 800 Menschen zogen am Samstag mit «Liberté»-Rufen durch Luzern, angeführt von Mass-Voll-Chef Nicolas Rimoldi. Die Polizei begleitete den Protest gegen die EU-Bilateralen, während Gegendemonstranten auf der Seebrücke protestierten.
Kommentieren
1/23
Die Polizei beobachtet die Situation rund um die Gegendemonstration.
Foto: Sebastian Babic

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Rund 700 Teilnehmer marschierten am Samstag mit Mass-Voll friedlich durch Luzern
  • Gegendemonstration mit 300–500 Teilnehmern führte zu kurzfristiger Sperrung der Seebrücke
  • Polizei setzte 40 Spezialeinsatzkräfte ein, keine Eskalation, Demonstrationen endeten um 18 Uhr

Mittlerweile geht es der Bewegung Mass-Voll und ihrem Anführer Nicolas Rimoldi (31) nicht mehr nur um die Bekämpfung von Pandemie-Massnahmen. Die Gruppe ist mittlerweile fester Bestandteil der rechtsextremen Szene in der Schweiz. Am Samstag ziehen Rimoldi und seine Kumpanen durch Luzern.

Auf einem Flyer zur Demo wird der «Abmarsch» für 15 Uhr angekündigt. Das Ende der Demo wurde für 18 Uhr fixiert. Bereits um 14 Uhr versammelten sich auf dem Kurplatz in Luzern einige Hundert Menschen. In der Menge waren zahlreiche Schweizerfahnen zu sehen, die Stimmung war friedlich. Kurz vor dem Marsch versammelten sich etwa 600 bis 700 Teilnehmer. Die Menge setzte sich aus verschiedenen Altersgruppen zusammen.

«Liberté»- und «Fuck EU»-Rufe schallten durch die Menge

Während einer Ansprache schallten «Liberté»-Rufe durch die Menge. Auch während des Marsches ab 15 Uhr rief die Menge «Liberté». Die Versammelten schritten hinter einem Banner mit dem Schriftzug «EU-Nein! Die Schweiz bleibt frei!» her. Zwischen 700 und 800 Teilnehmern marschierten durch Luzern.

Auch gegen 15.30 Uhr blieb die Demonstration gesittet. Während die Demonstranten durch Luzern zogen, wurde der Umzug von der Polizei eskortiert. In den Seitengassen begleiteten einige Spezialeinheiten, Polizisten in Uniform und in Zivil den Marsch. Die Menge rief «Liberté», «Fuck EU» und «Die Schweiz bleibt frei». Aberhunderte Demonstranten zogen durch Luzern. Wie der Blick-Reporter vor Ort feststellte, brauchte man etwa zehn Minuten vom Anfang bis zum Ende des Demozugs. Passanten reagierten vereinzelt mit Protest, die meisten aber beobachteten die Szenerie mit Interesse.

Gegendemonstration auf Seebrücke

Beim Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) versammelten sich am Samstagnachmittag zugleich Gegendemonstranten. Kurz vor 16.30 Uhr zog ein Teil von ihnen als Gegendemo in Richtung Seebrücke. Zwischenzeitlich sperrte die Polizei daher die gesamte Brücke. Etwa 300 bis 500 Antifa-Demonstranten lösten sich zwischenzeitlich aus der Menge standen der Polizei vor der Seebrücke gegenüber.

Etwa 40 Spezialeinsatzkräfte mit fünf Kastenwagen waren im Einsatz. Die Stimmung blieb relativ ruhig, eine gewisse Drohkulisse war spürbar. Die Polizei brachte zwischenzeitlich einen Wasserwerfer an der anderen Seite der Brücke in Stellung.

Gegendemonstration der Antifa in Luzern
0:54
Seebrücke gesperrt:Gegendemonstration der Antifa in Luzern

Der Rest der Gegendemonstration verblieb am KKL. Neben Antifa-Emblemen waren dort auch SP- und Grünen-Flaggen in der Menge zu sehen. Die Gegendemonstranten waren vornehmlich jung, die ersten zwei Reihen vermummt.

Keine Eskalation

Der Standoff zwischen Gegendemo und der Polizei endete etwa nach einer halben Stunde. Die Demonstranten zogen sich zurück, ohne dass es zu einer Eskalation kam. Während ihres Rückzugs riefen sie antifaschistische Parolen.

Nach deren Rückkehr löste sich die Gegendemonstration beim KKL schnell auf. Auf der anderen Seite des Sees, genau gegenüber, ebenso. Der befürchtete Aufmarsch von Rechtsextremen aus anderen Ländern Europas blieb aus. Die Stimmung blieb – ausser bei einigen kleineren Drohgebärden – stets friedlich. Die Luzerner Polizei hatte die Situation im Griff und agierte die ganze Zeit über vorausschauend. Um 18 Uhr war nichts mehr von den Demonstrationen zu spüren. Zwei komplett unterschiedliche Pole der Schweiz standen sich am Samstag einander gegenüber, und beide taten ihre Meinungen lautstark kund.

Die Luzerner Polizei zog am Samstagabend in einer Medienmitteilung eine positive Bilanz: «Die beiden bewilligten Kundgebungen in der Stadt Luzern verliefen am Samstagnachmittag aus Sicht der Polizei ohne grössere Zwischenfälle.» Die Luzerner Polizei habe diverse Personenkontrollen durchgeführt und einzelne Wegweisungen ausgesprochen.

Demo gegen «Knechtschaftsvertrag»

Man rechnete im Vorfeld damit, dass an der Demo Vertreter rechtsextremer Organisationen vertreten sein würden. Denn: Auch die Nationalpartei Schweiz, eine rechtsextreme Kleinstpartei, soll für die Kundgebung geworben haben.

Bei der Demo in der Grossstadt ging es um das Verhältnis der Schweiz zur EU, die Bilaterale III empfindet Mass-Voll als einen «Knechtschaftsvertrag», den es zu verhindern gilt.

SP-Stadtpräsident sieht rechte Demo gelassen

Im Februar zogen Rimoldi und seine Kumpanen bewaffnet mit Hellebarden durch die St. Galler Innenstadt. SP und Grüne reagierten empört.

Die Demonstration war bewilligt. Der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli (62, SP) sagte im Vorfeld, die freie Meinungsäusserung sei ein wichtiges Gut.

Was sagst du dazu?
Meistgelesen