Darum gehts
- Walliser Staatsanwaltschaft verhörte Morettis vor einer Woche wegen Brand in Crans-Montana
- Wunderkerzen entzündeten Kunststoffschaum: 41 Tote, über 100 Verletzte
- Verhör dauerte zehn Stunden laut RTS, Nachricht aus 2019 im Fokus
Vor einer Woche wurden Jacques und Jessica Moretti erneut von der Walliser Staatsanwaltschaft befragt. Bereits am Tag der Anhörung sorgte eine brisante Whatsapp-Nachricht von Jessica Moretti für Schlagzeilen. Die Bar-Betreiberin hatte ihre Mitarbeitenden zwei Wochen vor der Brandkatastrophe vor den Wunderkerzen gewarnt, die in der Silvesternacht den Brand auslösen sollten.
Jetzt kommen neue Chatverläufe ans Licht, die die Barbetreiber wohl noch weiter in Bedrängnis bringen werden. So liegt etwa der italienischen Zeitung «La Repubblica» eine Sprachnachricht vom 6. Dezember 2025 vor, mit der das Wirtspaar bei der Befragung konfrontiert wurde. Jessica Moretti spricht darin über die Vorbereitungen zur kommenden Silvester-Party.
Explosive Wunderkerzen bestellt
«Ich habe 900 Wunderkerzen bestellt», sagt die Barbetreiberin in der Sprachnachricht. «Wir müssen sie aber in Frankreich abholen, da sie explosiv sind und nicht in die Schweiz geliefert werden.» Die Audiodatei wurde den Morettis laut «La Repubblica» im Verhör vorgespielt.
Beide erzählten den Ermittlern, sie könnten sich nicht daran erinnern, die Wunderkerzen in Frankreich abgeholt zu haben. «Es lag an der Firma, die sie nicht liefern konnte, nicht daran, dass wir sie nicht bekommen konnten», sagte Jacques Moretti als Reaktion auf die Sprachnachricht.
Morettis weisen Verantwortung von sich
Auch RTS zitierte bereits am Freitag aus einer Kopie des Verhörprotokolls. Die Besitzer des Le Constellation weisen demnach jede Verantwortung für das Unglück in der Silvesternacht von sich.
Bei der Befragung, die laut RTS etwa zehn Stunden dauerte, ging es auch um eine Whatsapp-Nachricht Jessica Morettis an das Team der Bar aus dem Jahr 2019. «Wenn sie Wunderkerzen wollen, passt gut auf, bleibt dabei, bis die Kerze erlischt, denn wenn sie auf das Sofa oder auf den Boden fällt oder wenn sie zu hoch gehalten werden und den Schaum verbrennen, brennt das Constellation», soll Moretti darin geschrieben haben. Am 1. Januar 2026 waren es Wunderkerzen, die Kunststoffschaum an der Decke entzündete. Die Folgen waren tragisch: 41 Tote und über 100 Verletzte.
Jessica Moretti spielt Warnung aus 2019 herunter
Jessica Moretti war offenbar bewusst, dass die Wunderkerzen Schäden verursachen konnten, aber sie konnte sich nicht vorstellen, dass dadurch das ganze Lokal in Brand geraten könnte.
Sie soll vor einer Woche beteuert haben, die Nachricht aus 2019 sei «mit einem Augenzwinkern» zu verstehen. «Ich habe das geschrieben, um zu betonen, dass man bei Wunderkerzen aufpassen muss, aber das ist auf keinen Fall wörtlich zu nehmen», soll sie gesagt haben. Die Morettis hätten ihren Mitarbeitern immer gesagt, sie sollen die Wunderkerzen einsammeln, «weil sie ein Sofa oder einen Tisch beschädigen können», zitiert RTS die Barbetreiberin weiter aus dem Verhörprotokoll. «Aber man kann unmöglich wissen, dass eine Gefahr besteht.»
Jacques Moretti soll sich ähnlich geäussert haben. «Uns ist nie in den Sinn gekommen, dass es zu einer solchen Tragödie führen könnte, das war unmöglich.» Er soll ergänzt haben: «Da wir alle Vorschriften erfüllt haben, die Nutzung dieser Fontänen genehmigt wurde und die Feuerwehr ihre Kontrolle durchgeführt hat, sehen wir kein Problem darin, diese Aktivität durchzuführen – abgesehen davon, dass dabei das Inventar beschädigt werden könnte.»
Morettis jammern bei Anhörung
Auch die «SonntagsZeitung» konnte das Verhörprotokoll einsehen. Demnach sollen sich die Morettis gleich zu Beginn der Befragung beschwert haben, dass ihnen das Leben von den Opferanwälten zur Hölle gemacht werde. Am Nachmittag soll es zudem zu einer Unterbrechung gekommen sein, weil Jessica Moretti weinte, woraufhin ein Anwalt weniger Tränen und stattdessen die Wahrheit gefordert haben soll.
Es sei skandalös, was man ihnen antue, soll Jacques Moretti an dieser Stelle gesagt haben. Alle würden versuchen, ihn und seine Frau zu verteufeln. Dabei hätten auch sie Menschen verloren, die sie liebten. Insgesamt sei die Stimmung bei der Vernehmung im Keller gewesen, fasst die «SonntagsZeitung» zusammen.