Um diese «Singkontrolle» gingen es vor Gericht
Die umstrittende «Singkontrolle» des Influencers Bireweich war am Freitag Gegenstand eines Gerichtsprozesses. Letztlich wurde der Social-Media-Star vom Vorwurf der Diskriminierung und des Aufrufs zum Hass freigesprochen. Hier kannst du dir selbst ein Bild machen:
Blick-Reporterin: «Bei Urteilsverkündung wurde applaudiert»
Blick-Reporterin Karin Frautschi fasst die Bireweich-Entscheidung im Video zusammen. Der Influencer habe sich vor Gericht sehr detailliert erklärt.
Bireweich: «Bin kein Rassist»
Bireweich sagt nach seinem Triumph vor Gericht, er sei nicht hundertprozentig sicher gewesen, dass er freigesprochen werden würde. «Die Richter haben einen gesunden Menschenverstand. Das finde ich gut.» Der Influencer glaubt nicht, dass der Prozess in Revision geht. «Sie haben anderes zu tun. Sie haben jetzt gerade 4:1 gewonnen. Bringt ihn heim», sagt er in Richtung SFV und Nati. Casorelli will sich auf die positiven Seiten konzentrieren.
«Wenn man einen gesunden Menschenverstand hat, weiss man, dass ich kein Rassist bin», ergänzt er. Gross feiern will er den Sieg nicht. «Ich sehe nachher meine Kinder, dann bin ich froh.» Zum Schluss bedankt er sich bei seinen Unterstützern.
Anwalt von Bireweich äussert sich
Draussen vor dem Gerichtsgebäude äussert sich der Anwalt von Influencer Mirco Casorelli, Walter Häfelin. «Der Straftatbestand ist nicht gegeben gewesen. Sowohl objektiv als auch subjektiv hat er freigesprochen werden müssen, das ist ganz klar», ist der Verteidiger überzeugt. Er wolle die Euphorie nicht dämpfen, aber: «Es ist sehr gut möglich, dass die Staatsanwaltschaft in den nächsten Tagen Berufung einlegt.» Dann fange alles wieder von Null an.
Dass weder von der Staatsanwaltschaft noch vom SFV jemand vor Ort aufgetaucht ist, zeuge von hanebüchener Gleichgültigkeit.
Jubel im Publikum
Aus den Zuschauerrängen ertönt tosender Applaus.
Die Richterin betont zum Schluss, dass die Staatsanwaltschaft noch Berufung gegen das Urteil einlegen könne.
«Sie haben sich auf Glatteis begeben»
Zum Schluss richtet die Richterin ernste Worte an den Influencer Bireweich: «Herr Casorelli, Sie haben sich auf Glatteis begeben.» Sie hoffe, dass ihm bewusst sei, dass einige Menschen seine Aussagen als ernstgemeint aufgefasst hätten. Er habe heute Glück gehabt.
Dann fügt sie an: «Ich hoffe, dass Ihnen bewusst ist, dass Satire und Humor nicht alles rechtfertigen kann.»
Casorelli antwortet: «Alles klar.»
Urteilsbegründung
Die Richterin begründet das Urteil. Sie betont: Entscheidend beim Videoinhalt sei nicht, was der Beschuldigte gemeint habe, sondern wie der Inhalt vom Durchschnitt der Zuschauenden aufgenommen werde.
«Humoristische Äusserungen können keine herabsetzenden Äusserungen oder Diskriminierungen rechtfertigen», so die Richterin. Dennoch seien die juristischen Voraussetzungen – trotz teilweise grenzwertigen Ausdrücken – nicht erfüllt.
Für diese Sichtweise spreche auch, dass der Beschuldigte die Videos als «Singkontrolle» bezeichnete. Dies zeige, dass dabei nicht die Rasse oder die Ethnie der Personen im Vordergrund gewesen sei. In seinem Video habe er zudem auch Spieler kritisiert, die keinen Migrationshintergrund hatten – oder Spieler mit Migrationshintergrund für ihren Gesang gelobt.
«Dementsprechend ist der Beschuldigte vom Vorwurf der Diskriminierung und Aufruf zu Hass freizusprechen», so die Richterin.
Freispruch für Bireweich
«Der Beschuldigte wird freigesprochen», sagt die Richterin.
Offenbar hat der Influencer das Gericht mit seinen Erklärungen davon überzeugt, kein Rassist zu sein.
Es geht weiter
Um 11.50 Uhr geht es weiter. Das Gericht eröffnet das Urteil.
Casorelli stellt klar
Während alle versammelt vor dem Eingang des Gerichtsgebäudes warten, kommt Mirco Casorelli und sagt, es sei ihm wichtig zu betonen, dass er zwei Töchter habe. Eine von ihnen habe etwas dunklere Haut und deswegen bereits Rassismus-Erfahrungen machen müssen.
