Darum gehts
- Beim Gewaltdelikt in Au SG wurden vier Personen verletzt, die Polizei ermittelt weiter
- Ein tatverdächtiger Serbe (51) ohne Wohnsitz in der Schweiz wurde festgenommen
- Zwei Helikopter brachten die schwer verletzten Opfer ins Spital, darunter ein 73-jähriger Nachbar
Paul R.* (84) aus Au SG will am Donnerstag seinen Nachmittag geniessen. Der Rentner schaut aus dem Fenster. Plötzlich wird der Senior aufgeschreckt. Er sieht einen Streifenwagen. Dann Blaulicht. R. geht raus. «Die ganze Strasse war voll mit Polizeiautos», sagt er am Freitag zu Blick.
Der Grund: ein Gewaltdelikt. Passiert ist es im Gässeliweg in der Rheintaler Gemeinde. Nach 14 Uhr alarmiert ein Bewohner die Polizei: Jemand habe seinen Nachbarn (73) überfallen und verletzt. Die Einsatzkräfte rücken aus. Sie finden besagten Mann sowie drei Frauen (57, 65 und 87 Jahre). Die vier Personen sind teilweise schwer verletzt. Die Opfer sind alle Schweizer. Die jüngste der drei Frauen wohnt wie der 73-jährige Mann im betroffenen Haus. Die anderen beiden Frauen waren dort zu Besuch. Schussverletzungen schliessen die Ermittler aus.
Die Polizisten verhaften einen Serben
Sofort fahndet die Polizei in der Umgebung nach dem Täter. Und wird im Bereich der Giessenstrasse in Au fündig: Die Beamten schnappen einen Serben (51). Er ist dringend tatverdächtig. Und hat in der Schweiz keinen Wohnsitz.
Paul R. ist da schon wieder in seinem Haus. Ein Polizist hatte ihn reingeschickt. R. sieht aber, wie zwei Helikopter am Ort des Geschehens landen. «Sie brachten die Verletzten aus dem Haus und luden sie in den Heli», sagt der Senior. «Dann flogen sie weg.» R. erblickt dabei auch seinen 73-jährigen Nachbarn. «Sein Kopf war blutüberströmt. Ich habe ihn fast nicht erkannt.»
Was genau passiert ist, weiss Paul R. nicht. Nur: «Man habe meinen Nachbarn niedergeschlagen, als er die Tür öffnete.» Was auch nicht klar ist: Von wem die Blutspuren stammen, die vor der Haustür des 73-Jährigen zu sehen sind und die um das Haus führen. Erkennbar sind vor allem die blutigen Abdrücke von Hundepfoten. Auch an einem Auto, das in der Einfahrt steht, hat es Blutspuren.
Serbe schlug auf Nachbarin ein, die wegen der Schreie herbeieilte
Um 14 Uhr soll der 51-Jährige Serbe in eine Wohnung in dem Wohnhaus eingedrungen sein, berichtet Tele Züri am Freitagabend. Dort traf der Serbe auf den 73-jährigen Mann und zwei Frauen im Alter von 87 und 65 Jahren. Mutmasslich verletzte sie der Serbe dabei schwer. Die Bewohner wurden mit dem Helikopter ins Spital gebracht.
Laut Recherchen von Tele Züri soll die vierte Verletzte, eine 57-jährige Schweizerin, in einer anderen Wohnung vom Haus wohnen. Sie habe Schreie gehört und sei deshalb nachschauen gegangen. In dem Augenblick sei ihr der Serbe entgegenkommen und habe auf sie eingeschlagen – selbst als sie schon am Boden gelegen habe. Zudem soll sie laut Tele Züri auch Schnittverletzungen erlangt haben.
Verwandte von den Opfern alarmierten schliesslich die Polizei. Dabei soll es nach Angaben von Tele Züri auch zu einem Gerangel zwischen einem Verwandten und dem Serben gekommen sein. Daraufhin flüchtete der mutmassliche Täter. Ein paar Strassen weiter wurde er dank der Täterbeschreibung jedoch verhaftet. Eine Schusswaffe soll laut Polizei nicht im Spiel gewesen sein. Warum der Serbe genau in diese Wohnung eindrang, ist weiterhin noch unklar.
«Er ist ein flotter Mann»
Das bisher ungelöste Verbrechen bringt Senior Paul R. nicht aus der Fassung. Er hat trotz der Gewalttat keine Angst, im Quartier zu wohnen. «Ich wohne schon lange allein hier, meine Frau ist leider verstorben.»
Ihm tue einfach sein Nachbar leid. «Er ist ein flotter Mann, sehr hilfsbereit. Wir haben ab und zu ein Bier bei ihm getrunken.» Bis jetzt habe er mit dem Verletzten noch keinen Kontakt gehabt. R. sagt aber: «Ich hoffe, dass er und die verletzten Frauen bald wieder gesund werden.»
Weniger sicher als Paul R. fühlt sich Magda Köppel (56). Auch sie lebt im Quartier. «Ich habe jetzt Angst. Ich wohne auch in einem Haus», sagt die Frau. «Und oft bin ich allein.» Sie wünscht sich, dass die Polizei das Quartier sicherer macht. «Es müssen Überwachungskameras aufgestellt werden, das ist das Mindeste.» Weiter fordert sie pro Tag mindestens eine Polizeipatrouille. «Die Leute, die solche Überfälle machen, sollen die Polizei sehen und Angst bekommen, solche Taten zu verüben.»
Der Täter rauchte eine Zigarette
Später trifft Blick einen weiteren Anwohner des Quartiers. Er sagt, er habe den Mann gesehen, der von der Polizei verhaftet wurde. «Er sass hier bei der Einfahrt und rauchte eine Zigarette, bevor sie ihn abführten.»
Die St. Galler Staatsanwaltschaft sowie die Kantonspolizei ermitteln weiter, um das Tatmotiv und die Hintergründe herauszufinden.
* Name bekannt