Darum gehts
- Am Bahnhof Winterthur rief ein 31-Jähriger «Allahu akbar» während Tat
- Der mutmassliche Täter war in der Islamisten-Szene von Winterthur aktiv
- Sein Name tauchte bei Ermittlungen zur An'Nur-Moschee-Jugendgruppe auf
Die Schweiz ist geschockt. Die Nachricht über einen Messerangriff am Bahnhof Winterthur verbreitete sich übers ganze Land rasend schnell. Auch zum Täter erfährt man immer mehr.
Der Mann schrie während der Tat immer wieder «Allahu akbar» («Gott ist grösser»). Recherchen zeigen, dass der Mann in der Islamisten-Szene aktiv war. Die Kantonspolizei Zürich bestätigte das.
Verdacht auf mehrfachen versuchten Mord
Wie die Bundesanwaltschaft in einer Mitteilung am Freitag schreibt, führt sie gegen den mutmasslichen Täter im Zusammenhang mit dem Messerangriff von gestern ein Strafverfahren wegen Verdachts auf mehrfachen versuchten Mordes und Beteiligung an beziehungsweise Unterstützung einer terroristischen Organisation.
Beim zuständigen Zwangsmassnahmengericht wurde Untersuchungshaft beantragt. Der Haftentscheid ist noch ausstehend. In dem Schreiben hält die Bundesanwaltschaft fest, dass sie bis zur Übernahme am Freitag keine Strafverfahren gegen den Beschuldigten führte.
Vorfall verdeutlicht Terrorismus-Phänomen
«Im Zentrum der Ermittlungen steht nun das Motiv der gestrigen Tat in Winterthur. Dieses wird sorgfältig abgeklärt. Dazu gehört auch die gründliche Aufarbeitung der Vorgeschichte des mutmasslichen Täters», heisst es weiter. Die Hypothese eines terroristisch motivierten Anschlags stehen im Vordergund.
Bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils gilt die Unschuldsvermutung. Es wird betont, dass der Vorfall sehr ernst genommen werde. «Er verdeutlicht, dass das Phänomen des dschihadistisch motivierten Terrorismus in der Schweiz nach wie vor sehr präsent ist.
Gestrige Pressekonferenz gibt Infos über Nesip Dedeler
An der Pressekonferenz mit Regierungsrat Mario Fehr (67) und Polizeikommandant Marius Weyermann (48) wird noch mehr über den 31-Jährigen bekannt. Bei dem Mann handelt es sich um Nesip Dedeler. Seine Familie stammte aus der Türkei. Er wurde im Jahr 2009 eingebürgert.
Blick nennt im vorliegenden Fall den vollständigen und korrekten Namen des Messerangreifers von Winterthur, Nesip Dedeler (31), und zeigt ihn ohne Balken. Die Behörden, mit dem Zürcher Polizeidirektor Mario Fehr als zentraler Stimme, bezeichnen die Tat als «Terror-Akt». Ab einem solchen Fall nennen wir den Namen des mutmasslichen Terroristen als Person der Zeitgeschichte.
Blick nennt im vorliegenden Fall den vollständigen und korrekten Namen des Messerangreifers von Winterthur, Nesip Dedeler (31), und zeigt ihn ohne Balken. Die Behörden, mit dem Zürcher Polizeidirektor Mario Fehr als zentraler Stimme, bezeichnen die Tat als «Terror-Akt». Ab einem solchen Fall nennen wir den Namen des mutmasslichen Terroristen als Person der Zeitgeschichte.
Im Jahr 2024 forderte er eine Erneuerung seines Passes, tauchte hierzu jedoch nie auf, teilt Fehr mit. Im August 2024 hat er die Schweiz verlassen und war in die Türkei ausgewandert. «Dann ist er für zwei Jahre von der Bildfläche verschwunden», sagt Fehr.
Verbindung zu An'Nur-Moschee
Dedeler gehörte zu einer Gruppe, aus der später mehrere Jugendliche angeklagt und teilweise verurteilt wurden. Das berichtete SRF zuerst. So ist sein Name etwa bei Ermittlungen zur sogenannten Jugendgruppe der später geschlossenen An'Nur-Moschee aufgetaucht. In der berüchtigten Moschee wurde unter anderem von einem Imam zu Gewalt an «schlechten Muslimen» aufgerufen.
Die Kantonspolizei Zürich bestätigt, dass es sich um einen schweizerisch-türkischen Doppelbürger handelt. Auch die zwei Brüder des Mannes seien in Ermittlungen immer wieder als radikalisiert aufgefallen.
Ausserdem wurden ihm Videos und Lieder mit radikalen Inhalten aus der Szene zugeschickt. Auch der Verdächtige selbst ist den Behörden immer wieder aufgefallen, da er islamistische Propaganda verbreitet und andere vom Dschihad überzeugen wollte. 2015 wurde er angezeigt. «Wegen Verstoss gegen das IS-Verbot. Er verbreitete IS-Propaganda», erklärt Marius Weyermann von der Kantonspolizei.
Behandlung in Klinik
Der 31-jährige Mann galt laut Behörden ausserdem als «psychisch gestört». Am 25. Mai dieses Jahres meldete er sich bei der Stadtpolizei, sagt Marius Weyermann an der Pressekonferenz. «Er machte wirre Aussagen», so der Polizeikommandant. Er wurde in die Integrierte Psychiatrie Winterthur (IPW) eingewiesen. Das deckt sich auch mit den Beobachtungen eines Nachbarn, der gegenüber Blick erzählt, dass er am Pfingstmontag Einsatzkräfte der Polizei bei Dedelers Wohnung gesehen habe.
Bereits am Dienstag, dem 26. Mai, verliess er die IPW wieder und wurde erneut von der Polizei gesucht und zurückgebracht. Am Mittwoch, einen Tag vor der Bluttat am Bahnhof, diagnostizierte ein Arzt, dass Dedeler keine Gefahr für sich und andere darstelle. Es stand ihm frei, die Einrichtung zu verlassen.
Psychiatrie bestätigt fachliche Einschätzung
Auf ihrer Website bestätigt die Psychiatrie Winterthur, dass Dedeler in der IPW in Behandlung war. «Die IPW ist tief betroffen aufgrund der Vorfälle», heisst es weiter. Zudem bestätigt sie, dass der Mann am 27. Mai auf eigenen Willen ausgetreten ist. Seine psychische Verfassung sei zu diesem Zeitpunkt im Rahmen einer psychiatrischen Untersuchung durch eine fachärztliche Person weder als selbst- noch fremdgefährdet eingestuft.
Die IPW unterstütze die laufenden Untersuchungen und habe zudem eine externe Administrativuntersuchung eingeleitet. Diese soll unter anderem die Abläufe und Zuständigkeiten, die zur Entlassung des Mannes geführt haben, prüfen.
Blick spricht mit Nachbarn
Mit seinen Nachbarn scheint Dedeler nicht viel Kontakt gehabt zu haben. Einer seiner Nachbarn beschreibt ihn im Gespräch mit Blick als eher zurückgezogen. Auf die Frage, ob er Kontakt mit dem Mann hatte, sagt dieser: «Nicht wirklich. Vielleicht drei Worte im Treppenhaus in all den Jahren.» Seine Mutter hingegen, mit der der 31-Jährige zusammenlebte, sei «ein herzensguter Mensch», sagt der Nachbar. Mit ihr habe er mehr Kontakt gehabt. «Sie hat auch unsere Katze gehütet.»
Es gebe auch nichts, was ihm wirklich im Kopf geblieben sei von ihm. «Immer wenn ich ihn gesehen habe, sass er auf dem Balkon am Computer, trank Red Bull und rauchte – habe ich so das Gefühl», sagt er. Wirklich gewusst, wie tief der Mann, mit dem er Tür an Tür wohnte, mit dem Islamismus verbunden war, wusste er nicht.
Ein Bekannter aus der Schule weiss da mehr. Manuel T.* (28) zu Blick: «Er war ruhig, zurückgezogen und hat nicht viel geredet. Seine Brüder und er sind von der An'Nur-Moschee radikalisiert worden.»
«Wachsam sein, Radikalisierungstendenzen melden»
Der Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr sprach bei einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag ganz konkret von einem «Terrorakt» am Bahnhof Winterthur.
Auch der Islamische Zentralrat Schweiz (IZR) meldete sich nach der Wahnsinnstat in Winterthur. Er verurteilt die Attacke: «Der Islam verbietet Gewalt gegen Unschuldige in unmissverständlichen Worten. Wer vorgibt, im Namen des Islam solch eine Schandtat zu verüben, handelt diametral gegen den Islam, und wer dies zulässt oder schweigt, trägt Mitverantwortung.»
Gleichzeitig ruft der IZR alle Muslime in der Schweiz auf, «wachsam zu sein, Radikalisierungstendenzen in ihrem Umfeld frühzeitig zu melden und aktiv zur Prävention beizutragen».
* Name geändert