Darum gehts
- Bodensee zeigt ungewöhnlich niedrigen Wasserstand, Experten warnen vor anhaltender Trockenheit
- Seit Oktober unterdurchschnittlicher Niederschlag, besonders wenig Schnee in den Alpen
- Aktueller Pegel im unteren Bereich historischer Werte, Sommerprognose trocken und warm
Der Wasserstand des Bodensees ist derzeit ungewöhnlich tief. Zwar entspannt sich die Lage laut Meteorologe Klaus Marquardt von Meteo News zunächst kurzfristig. «In den nächsten ein bis zwei Wochen wird es voraussichtlich genügend regnen, sodass der Wasserstand wieder etwas ansteigen kann», sagt er zu Blick. Mittel- bis langfristig ist damit das Problem aber nicht behoben.
Auswirkungen des Schneedefizits in den Alpen
Ähnlich sieht das Martin Schmid vom der Wasserforschungsanstalt Eawag. Der Bodensee befinde sich derzeit im unteren Bereich der historisch für diese Jahreszeit gemessenen Pegelwerte. Hauptursache sei eine über Monate anhaltende Niederschlagsarmut im gesamten Einzugsgebiet. «Seit Oktober ist in fast allen Monaten unterdurchschnittlich viel Niederschlag gefallen – sowohl als Regen wie auch als Schnee», führt Schmid aus.
Martin Schmid ist Leiter der Forschungsgruppe Angewandte Systemanalyse in der Abteilung Oberflächengewässer am Wasserforschungsinstitut Eawag. Seine Arbeit konzentriert sich auf die systemanalytische Untersuchung von Seen und Fliessgewässern unter Berücksichtigung physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse.
Forschungsschwerpunkte sind menschliche Einflüsse auf Oberflächengewässer, die Wechselwirkungen zwischen Physik und Biogeochemie in Seen sowie die Auswirkungen des Klimawandels auf Gewässerökosysteme. Ziel ist ein verbessertes Verständnis komplexer aquatischer Systeme als Grundlage für nachhaltiges Gewässermanagement.
Martin Schmid ist Leiter der Forschungsgruppe Angewandte Systemanalyse in der Abteilung Oberflächengewässer am Wasserforschungsinstitut Eawag. Seine Arbeit konzentriert sich auf die systemanalytische Untersuchung von Seen und Fliessgewässern unter Berücksichtigung physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse.
Forschungsschwerpunkte sind menschliche Einflüsse auf Oberflächengewässer, die Wechselwirkungen zwischen Physik und Biogeochemie in Seen sowie die Auswirkungen des Klimawandels auf Gewässerökosysteme. Ziel ist ein verbessertes Verständnis komplexer aquatischer Systeme als Grundlage für nachhaltiges Gewässermanagement.
Besonders ins Gewicht falle dabei das ausgeprägte Schneedefizit in den Alpen. In normalen Jahren speichert die Schneedecke im Winter grosse Wassermengen, die im Frühling und Frühsommer schrittweise über die Schneeschmelze in die Zuflüsse und schliesslich in die Seen gelangen. Dieser saisonale Ausgleichseffekt sei in diesem Jahr deutlich geschwächt. «Entsprechend fehlt im System aktuell ein wesentlicher Beitrag zur Wasserbilanz», so Schmid.
«Speicherraum» muss aufgefüllt werden
Laut Meteorologe Marquardt sind nicht einzelne Regenereignisse jetzt entscheidend, sondern länger anhaltende und ergiebige Niederschlagsphasen. Denn: In vielen Seen sei derzeit viel «Speicherraum» vorhanden. Dieser müsse wieder aufgefüllt werden.
Allerdings gibt auch ein Blick auf die mittelfristigen Prognosen nicht viel Anlass zur Hoffnung. Für den Sommer rechnet Marquardt weiterhin mit eher warmen und tendenziell trockenen Bedingungen. Das könnte die hydrologische Situation, also das Zusammenspiel aus ungewöhnlich niedrigen Wasserständen und anhaltender Trockenheit, erneut verschärfen oder zumindest auf tiefem Niveau stabilisieren.
Bodensee gilt als sehr empfindlich
Hinzu kommt eine strukturelle Besonderheit des Bodensees: Er gehört zu den wenigen grossen Seen der Schweiz, deren Wasserstand nicht künstlich reguliert wird. Dadurch reagiert er unmittelbar auf meteorologische Schwankungen. «Der Bodensee ist deshalb deutlich empfindlicher gegenüber Trockenperioden als viele andere Schweizer Seen», erklärt Martin Schmid. Während zahlreiche Seen über Regulierungssysteme stabilisiert würden, spiegle der Bodensee die natürliche Wasserverfügbarkeit im Einzugsgebiet direkt wider.
Aus ökologischer Sicht befürchtet Schmid beim Bodensee indes keine akute Krise der Wasserqualität. Ein niedriger Pegel betreffe vor allem die Uferzonen und deren Lebensräume, etwa Brut- und Laichgebiete oder Flachwasserbereiche, die temporär trockenfallen können, so der Forscher.
Austrocknen sehr unwahrscheinlich
Schmid geht nicht davon aus, dass grosse Seen in der Schweiz aufgrund des Klimawandels langfristig austrocknen könnten. «Bei den meisten Seen ist das Zuflussvolumen über das Jahr hinweg deutlich höher als die Verdunstung von der Seefläche – ein vollständiges Austrocknen ist deshalb sehr unwahrscheinlich.»
Anders verhalte es sich bei kleineren Gewässern in speziellen geologischen Lagen, insbesondere in Karstgebieten. Dort könne Wasser unterirdisch schneller abfliessen. Als Beispiel nennt Schmid den Lac des Brenets, der in der Vergangenheit bereits beinahe vollständig ausgetrocknet ist.
Grössere Herausforderungen sieht der Forscher derweil im Hinblick auf steigende Wassertemperaturen, längere Warmphasen und veränderte Durchmischungsprozesse in den Seen. Diese Faktoren könnten langfristig auch den Sauerstoffgehalt im Wasser beeinflussen und damit die gesamte Ökologie der Seen verändern.