Darum gehts
- Aline Trede (42) zieht in die Berner Kantonsregierung, ersetzt Christine Häsler
- Der Grosse Rat erlebt Rechtsrutsch: SVP gewinnt sieben Sitze hinzu
- Im Kanton Bern bleibt das Machtverhältnis bei 4 Bürgerlichen zu 3 Linken
Die grünen Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker zieht es aus dem Bundeshaus: Nachdem vor einigen Wochen der ehemalige Grünen-Präsident Balthasar Glättli (54) in die Stadtregierung von Zürich gewählt wurde, zügelt nun auch die Fraktionschefin Aline Trede (42) einige Strassen weiter – in die Kantonsregierung von Bern. Sie verteidigt den Sitz der abtretenden Christine Häsler (63).
Die Freude war riesig. Sie fühle sich wie früher als Kind, als sie an Sportwettkämpfen teilgenommen hat und dann auf dem Podest stand. «Ich bin sehr glücklich, spüre aber auch eine grosse Verantwortung», sagte Trede.
Der Kanton Bern solle nun «positiver werden und mehr Ambitionen haben». Sie habe im Wahlkampf oft gehört, wie schlecht es dem Kanton gehe. Auch bei der Energiewende und den Schulen könne man viel herausholen.
Dass die Grünen im Bundeshaus ihre Fraktionschefin verlieren, sei eine Riesenchance für jene, die vielleicht bislang im Schatten gestanden seien.
«Gewaschen und aufgeräumt»
Den Wahltag verbrachte Trede ganz unspektakulär. Normalerweise gehe sie jeweils in den Garten – doch am Sonntag sei es zu kalt dafür gewesen. «Darum habe ich zu Hause gewaschen und aufgeräumt.»
Die vier Bisherigen Astrid Bärtschi (52, Mitte), Evi Allemann (48, SP), Philippe Müller (62, FDP) und Pierre Alain Schnegg (63, SVP) verteidigen ihre Sitze problemlos. Neu in die Regierung gewählt werden der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz (57, SVP) und Reto Müller (47, SP), die damit die jeweiligen Sitze ihrer Parteien sichern.
Somit bleiben die Machtblöcke im Kanton Bern unverändert: Vier Bürgerliche stehen drei linken Politikerinnen und Politikern gegenüber.
Rechtsrutsch im Parlament
Beim Parlament, dem Grossen Rat, kam es dagegen zu einem regelrechten Rechtsrutsch. Die SVP legt deutlich zu und gewinnt sieben Sitze hinzu – auf Kosten der EVP (minus vier Sitze) und der Mitte (minus drei Sitze). Bemerkenswert ist die Verschiebung auch deshalb, weil mit der EDU eine weitere rechte Partei zwei Sitze dazugewinnt.
«Ich kenne mich aus mit bürgerlichen Mehrheiten», so Trede. «Wenn ich Mehrheiten brauche, muss ich mit den Bürgerlichen zusammenarbeiten – und das ist überhaupt kein Problem.»
Derweil freut sich auch der neue SVP-Regierungsrat Raphael Lanz. «Es ist gut, wenn in der Regierung und im Grossrat die Mehrheitsverhältnisse in etwa gleich sind, denn sonst hat das ein Blockadepotenzial.» Jede Regierung müsse mehrheitsfähige Vorlagen machen.
Das Polit-Comeback von SP-Nordmann ist perfekt
Linken Jubel gab es auch in der Waadt: Endlich hat es für Roger Nordmann (53) geklappt. Er zieht in die Waadtländer Regierung ein und verteidigt damit den SP-Sitz von Rebecca Ruiz (44).
Mehr als zwanzig Jahre lang sass Roger Nordmann für die SP im Nationalrat, war acht Jahre lang ihr Fraktionspräsident. Er galt als gut vernetzter «Dealmaker», besonders in der Energiepolitik. Doch oftmals musste er auch Niederlagen einstecken: Zwei Mal wollte er Ständerat werden, doch die Partei stellte ihn nicht auf. Zuletzt wurde ihm Gewerkschaftsboss Pierre-Yves Maillard (58) vorgezogen. Auch um die Nachfolge von Bundesrat Alain Berset (53) bewarb sich Nordmann parteiintern. Doch die Fraktion schickte Beat Jans (61) und Jon Pult (41) ins Rennen.
Nordmann kommt in einer heiklen Phase in die Waadtländer Regierung. Im vergangenen Jahr wurde sie von der «Affäre Dittli» rund um Valérie Dittli (33, Mitte) erschüttert. Mehrere Untersuchungen laufen, und auch Dittlis Vorgänger, FDP-Ständerat Pascal Broulis (60), gerät zunehmend in den Fokus. Im Zentrum steht die Anwendung einer sogenannten Steuerbremse. Für Nordmann dürfte es damit kaum eine längere Einarbeitungszeit geben – auch weil 2027 bereits die nächsten kantonalen Wahlen anstehen.
Hier gibts den Ticker zum Nachlesen:
SVP räumt im Parlament ab – sieben Sitze zusätzlich
Jetzt sind auch die Resultate aus dem Grossen Rat, dem Berner kantonalen Parlament da. Grosser Gewinner ist die SVP, sie gewinnt sieben Sitze und stellt neu 51 der 160 Ratsmitglieder. Die SP holt vier Sitze mehr, die EDU zwei.
Zu den Verlierern gehört die EVP. Sie verliert vier Sitze und hat neu nur noch fünf Ratsmitglieder. Die Mitte verliert drei Sitze. Die Grünen verlieren zwei, die GLP einen Sitz.
Thuner Stadtpräsident überglücklich
Raphael Lanz (SVP) überholt als Neueinsteiger sogar einen Bisherigen. «Ich bin ein bisschen überwältigt» sagt er zu Blick. Mit diesem Vertrauen sei auch eine Verantwortung verbunden. «Ich bin wild darauf, diese Verantwortung wahrzunehmen.»
Für die SVP winkt ein grosser Erfolg. Auch im Parlament wird sie deutlich zulegen. «Es ist gut, wenn in der Regierung und im Grossrat Mehrheitsverhältnisse in etwa gleich sind, denn sonst hat das ein Blockadepotenzial.» Jede Regierung müsse aber mehrheitsfähige Vorlagen machen.
Vom beschaulichen Thun ist Lanz jetzt für den ganzen Kanton verantwortlich. «Hier bin ich einer von sieben und nicht mehr der Präsident. Das ist eine andere Rolle. Aber ich freue mich sehr. Ich bin sehr motiviert.»
Bärtschi an der Spitze
Die absoluten Zahlen zeigen: Mitte-Frau Astrid Bärtschi liegt mit über 138'000 Stimmen an der Spitze. Der neu gewählte Raphael Lanz (SVP) überholt sogar einen bisherigen mit Pierre Alain Schnegg.
Das sagt Trede zu ihrem Erfolg
Kaum gewählt, wird Aline Trede von Journalisten umringt. Sie wirkt erleichtert, schon auf der Bühne knipst sie Selfies.
Sie habe nicht gross gebibbert sagte Trede. «Ich wusste, ich kann jetzt nichts mehr machen.» Bis in die Nacht habe sie noch Flyer verteilt. Normalerweise geht sie an Wahlsonntagen in den Garten – doch heute sei es ein wenig zu kalt gewesen. «Darum habe ich zu Hause gewaschen und aufgeräumt.»
Jetzt fühle sie sich wie früher als Kind, als sie an Sportwettkämpfen teilgenommen hat und dann auf dem Podest stand. Sie sei sehr glücklich, spüre aber auch eine grosse Verantwortung.
Der Kanton Bern soll nun «positiver werden und mehr Ambitionen haben», erklärte Trede. Sie habe im Wahlkampf viel gehört, wie schlecht es dem Kanton geht. Auch bei der Energiewende und den Schulen könne man viel herausholen.
Die Grünen-Fraktion im Bundeshaus verliert somit ihre Fraktionschefin. Das sei «eine riesige Chance».
Gleichzeitig ist im Parlament gemäss den ersten Hochrechnungen ein Rechtsrutsch zu erwarten. Das habe sie überrascht, sagt Trede. «Ich kenne mich aus mit bürgerlichen Mehrheiten.» Es sei «krass», dass die SVP zugelegt habe. Auch jetzt sei sie in einer Minderheit. «Wenn ich Mehrheiten brauche, muss ich zusammenarbeiten, und das ist überhaupt kein Problem.»
Fürs Feiern bleibt wohl nicht lange Zeit – bereits morgen steht wieder eine Sitzung der Umweltkommission an. «Ich wünsche mir jetzt zuerst mal ein Bier», sagt sie lachend.
Aline Trede ist neue Berner Regierungsrätin
Aline Trede schafft den Sprung in die Berner Regierung! Sie verteidigt den Sitz der abtretenden Grünen Christine Häsler. Die vier bisherigen Regierungsräte Astrid Bärtschi (Mitte), Evi Allemann (SP), Philippe Müller (FDP) und Pierre Alain Schnegg (SVP) werden problemlos wiedergewählt.
Der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz von der SVP zieht neu in die Regierung ein. Er überholt sogar den bisherigen Schnegg. Ein knappes Rennen wurde es um den siebten Sitz: Reto Müller von der SP musste den Sitz des Sozialdemokraten Christoph Ammann verteidigen, der nicht mehr antrat. Doch Daniel Bichsel von der SVP machte ihm diesen den ganzen Nachmittag lang streitig. Mal lag Müller vorne, dann wieder Bichsel.
Das bessere Ende hatte SP-Müller. Somit bleiben die Machtverhältnisse in der Berner Regierung gleich. Vier Bürgerliche stehen drei Linken gegenüber.
Resultate um circa 19 Uhr
Die Resultate für die Regierungsratswahlen sollen um circa 19 Uhr verkündet werden, schreibt der Kanton auf der Plattform X.
Warten auf die Resultate – Spannung steigt
Im Berner Rathaus steigt die Spannung. 9 der 10 Verwaltungskreise sind ausgezählt, nur die Stadt Bern fehlt noch. Langsam füllt sich der Saal, wo die Resultate bald verlesen werden sollen.
Aktuell steht die Grüne-Fraktionschefin Aline Trede nur auf Platz 8, vor ihr Reto Müller von der SP und Daniel Bichsel von der SVP. Doch das sind nur Zwischenresultate; die Resultate in Bern können alles ändern. Zwei Hochrechnungen von GFS-Bern sehen Trede im Regierungsrat. Zwischen Müller und Bichsel bahnt sich ein Krimi an. Schon bald wissen wir mehr.
«Wir sind sehr nahe dran»: SVP-Bühler ist optimistisch
2. Hochrechnung: Trede so gut wie gewählt – SVP-Bichsel vor SP-Müller
Lukas Golder von GFS Bern präsentiert die zweite Hochrechnung für den Regierungsrat. Noch immer fehlen die grossen Städte. Doch die Tendenz bestätigt sich. Die vier Bisherigen werden wiedergewählt, die Grüne Aline Trede dürfte es ebenfalls schaffen. Selbst nach Abzug des Fehlerbereichs liegt sie noch immer auf dem sechsten Platz ab.
Das Rennen um den siebten Sitz ist weiterhin offen: SP und SVP streiten sich darum, momentan ist SVP-Kandidat Daniel Bichsel leicht vorne, Reto Müller von der SP ist gleich dahinter. Da der Fehlerbereich 2 Prozent beträgt, ist noch alles möglich.
Beim Grossen Rat zeichnet sich der Rechtsrutsch deutlicher ab. Die SVP kann demnach fast 4 Prozentpunkte zulegen, dies auf Kosten von Grünen, GLP, Mitte und FDP.
Stadtpräsident von Burgdorf nicht mehr im Grossen Rat
Der Wahlkreis Emmental hat als erster fertig ausgezählt. Die SVP legt einen Sitz zu, dies auf Kosten der Mitte. Doch auch innerhalb der Parteien kommt es zu Verschiebungen. Die SP kann zwar ihre beiden Sitze halten, jedoch wandert einer davon von der Männer- zur Frauenliste. Das hat Folgen für Stefan Berger: Er wird aus dem Grossen Rat abgewählt. Berger ist der Stadtpräsident von Burgdorf und lebt in einer Partnerschaft mit SP-Regierungsrätin Evi Allemann. Für sie sieht es besser aus, Allemann dürfte die Wahl in die Regierung wieder schaffen.