SVP-Matter hadert mit dem Abstimmungs-Nein
«Meine Töchter haben Angst in der Stadt»

Die 10-Millionen-Initiative ist gescheitert. Der Vater der Vorlage zeigt sich wenig überrascht, und doch ist die Enttäuschung deutlich spürbar.
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Die SVP-Parteimitglieder verfolgen im Restaurant Krone die Abstimmungsresultate. Wirklich überrascht über die Niederlage wirkt keiner.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SVP-Initiative von Thomas Matter mit 55 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt
  • Gegner investierten angeblich über 10 Millionen CHF in den Abstimmungskampf
  • Matter: «Nein tut mir weh»
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Riccarda CampellRedaktorin Politik

Mit unbewegter Miene sitzt SVP-Nationalrat Thomas Matter (60, ZH) vor dem grossen Bildschirm, auf dem die Abstimmungsresultate einlaufen. In der «Krone» in Aarberg BE, einst Schauplatz der Siegesfeier zur Masseneinwanderungs-Initiative, ist es still. Kein Zucken um die Mundwinkel, keine gerunzelte Stirn. Fast stoisch verfolgen die Anwesenden die Zahlen. Das Resultat scheint niemanden im Raum zu überraschen.

Dann erhebt sich Matter als Erster. Der Vater der Initiative greift zum Mikrofon und tritt vor seine Anhänger. «Es sieht so aus, wie die Umfragen es vor zehn Tagen schon erwartet haben», sagt er. Er zuckt mit den Schultern und presst die Lippen zusammen. «Aber wir werden weiterkämpfen.» Applaus im Raum. Matter nickt kurz, senkt den Blick und geht zurück an seinen Platz. Rechts und links strecken ihm Parteikollegen die Hand entgegen, klopfen ihm auf die Schulter.

«Wie kann man ein Land kaputt machen mit diesem Denken?»
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SVP-Matter ist sauer:«Wie kann man ein Land kaputt machen mit diesem Denken?»

Alle Kameras sind auf ihn gerichtet

Mit 55 Prozent Nein-Stimmen fiel die Ablehnung der Initiative deutlich aus. Am Ende gelang es den Gegnern besser, ihre Anhängerschaft an die Urnen zu bringen. «Sie haben gewonnen», räumt Matter gegenüber Blick ein. Gleich schiebt er eine Erklärung nach: Die Befürworter hätten mit deutlich weniger Geld gekämpft. «Die Gegner haben am Schluss über zehn Millionen investiert. Das ist mit Abstand das meiste, das je in einem Abstimmungskampf ausgegeben wurde.»

Für Matter liegt der Grund der Niederlage aber nicht nur im Geld. «Die Linken haben keine Kampagne gegen unsere Initiative gemacht, sondern gegen die SVP», sagt er. Die «sogenannten Toleranten» hätten Stimmung gegen seine Partei gemacht. «So konnten sie in den rot-grünen Städten mobilisieren.» 

Persönlich nehme er das Verdikt des Volkes nicht, sagt Matter. Im Gegenteil: Die Unterstützung sei gewaltig gewesen. «Das habe ich in meiner ganzen Zeit als Nationalrat noch nie erlebt.» Whatsapp-Nachrichten, E-Mails, Anrufe seien ununterbrochen eingetroffen. Und überhaupt, sagt Matter: Gekämpft habe er nie allein. «Hinter der Initiative steht ein ganzes Team.» 

An diesem Abstimmungssonntag dreht sich trotzdem fast alles um ihn. Kaum ist ein Interview beendet, wartet bereits das nächste Mikrofon. Fernsehteams, Radiosender, Zeitungen. Kein Wunder: Die Vorlage trägt seine Handschrift. «Die Initiative war mein Herz», gibt er zu. «Dieses Nein tut mir weh.» 

Ein persönlicher Kampf

Matter sitzt vor den vielen Mikrofonen und Kameras, die Hände vor sich auf dem Tisch. Er erzählt von einer Schweiz, die es so aus seiner Sicht nicht mehr gibt. «Ich hatte so eine schöne Jugendzeit, mit vielen Freiheiten», sagt er. Damals sei vieles selbstverständlich gewesen. Heute, sagt er, fühle er sich in gewissen Gegenden des Landes fremd. Dann zieht er den Vergleich zu seinen Töchtern. «Sie können nicht mehr allein in die Stadt, weil sie Angst haben.»

Diese Überzeugung hat ihn durch den ganzen Abstimmungskampf getragen. Matter investierte Monate in die Initiative. Er drehte Videos für seinen Youtube-Kanal, gab Interviews und warb auf Veranstaltungen für sein Anliegen. Die Kampagne sollte bewusst über die klassische SVP-Basis hinausreichen. Unter dem Namen «Nachhaltigkeitsinitiative» zeigte die Partei überbaute Städte und verdichtete Quartiere. Die Botschaft richtete sich auch an Wählerinnen und Wähler aus der politischen Mitte. Und doch konnte sie dort nicht genügend überzeugen. 

Als die zweite Hochrechnung über die Bildschirme flimmert, steht das Resultat endgültig fest. Langsam leeren sich die Reihen im Saal. Mitarbeiter räumen Unterlagen zusammen, Kamerateams ziehen weiter. An einem der langen Tische sitzt Matter noch immer in kleiner Runde. Die Gespräche werden leiser. Er hört zu, sagt aber wenig. Fürs Erste ist der Abstimmungskampf vorbei.

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