Darum gehts
- In Zürich wurde Raphael Golta (SP, 50) zum Stadtpräsidenten gewählt.
- In Winterthur gewann Stefan Fritschi (54) von der FDP das Rennen.
Auch in Wallisellen wurde gewählt: Adrian Bangerter (46) von der SVP ist zum Stapi gewählt worden.
Neuer Stadtpräsident von Winterthur ist Stefan Fritschi (FDP, 54). Er gewinnt die Präsidiumswahl mit 16’144 Stimmen. Sein Konkurrent Kaspar Bopp (SP, 46) lag 684 Stimmen hinter ihm. Bopp hatte nur in den Wahlkreisen Veltheim, Altstadt und Mattenbach die Nase vorn. In den anderen vier Kreisen holte Fritschi mehr Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,13 Prozent.
Stefan Fritschi, Chef der Technischen Betriebe, sitzt seit 16 Jahren in der Winterthurer Regierung. Er gilt als moderater FDP-Politiker. In den brennenden Fragen zur Wohnpolitik setzt er sich für weniger Regulierungen sowie mehr Verdichtung ein. Der Liberale trat im Streit zwischen der Stadt Winterthur und den streikenden Busfahrern Anfang März ungeschickt auf. Als er vom Fahrpersonal beleidigt wurde, brach er den Dialog ab. Die Affäre schadete ihm aber offensichtlich nicht.
Finanzvorsteher Kaspar Bopp kandidierte am Sonntag zum zweiten Mal fürs Stadtpräsidium. Schon vor vier Jahren blieb seine Kandidatur gegen den damaligen Mitte-Stadtpräsidenten Michael Künzle (61) chancenlos. Der 46-Jährige politisiert seit 2019 im Stadtrat. Er versprach mehr bezahlbare Wohnungen und mehr Kultur. Im siebenköpfigen Regierungsgremium halten die Linken trotz bürgerlicher Spitze mit drei SP-Sitzen und einem Grünen-Sitz die Mehrheit.
SP scheitert seit Jahren
Im ersten Wahlgang lag Bopp noch 671 Stimmen vor Fritschi. Weil keiner das absolute Mehr erreichte, kam es zum zweiten Wahlgang. Der SP-Mann Bopp profitierte am 8. März wohl davon, dass die SRG-Initiative viele linke Wähler an die Urnen lockte. In den letzten Wochen gelang es Fritschi jedoch, erfolgreich für seine Kandidatur zu mobilisieren. Er erreichte in allen Stadtteilen mehr Stimmen als im ersten Wahlgang.
Fritschi löst den langjährigen Stadtpräsidenten Michael Künzle (Mitte, 61) nach 14 Jahren im Amt ab. Die SP scheiterte immer wieder daran, ihn aus dem Präsidentenamt zu verdrängen. Vor Künzle sass Ernst Wohlwend (SP, 79) von 2002 bis 2012 an der Spitze der Winterthurer Stadtregierung. Die FDP stellte mit Martin Haas letztmals im Jahr 2002 den Stadtpräsidenten.
Womöglich kommt es in Winterthur bereits im kommenden Jahr erneut zu Wahlen. Der SP-Stadtrat Nicolas Galladé äusserte sein Interesse, in die kantonale Regierung zu wechseln.
Langweilige Wahl in der Stadt Zürich
Gewählt wurde am Sonntag auch in der Stadt Zürich – und da war der Fall von Anfang an klarer. Raphael Golta (50) wurde mit 41’098 Stimmen zum neuen Stapi gewählt. Damit konnte er 81,3 Prozent der Stimmen für sich beanspruchen. Nur 23,5 Prozent der Stimmberechtigten beteiligten sich an der Wahl.
Der SP-Politiker hatte keine offizielle Konkurrenz. Die anderen gewählten Stadtratsmitglieder traten nicht zur Wahl an. Theoretisch hätten sie aber trotzdem gewählt werden können. Wer sich eine Frau als Stadtpräsidentin wünschte, konnte die SP-Politikerin Simone Brander (48) auf den Stimmzettel schreiben. Bürgerliche konnten sich für den FDP-Politiker Michael Baumer (52) entscheiden.
Insgesamt entfielen 9481 Stimmen auf andere Personen als Golta. Im bürgerlich geprägten Wahlkreis 7 und 8 waren es 25 Prozent der Stimmen, im Kreis 1 und 2 22 Prozent. Für die Wahl zum Stadtpräsidenten brauchte Golta das relative Mehr. Das gelang ihm mühelos.
Im ersten Wahlgang am 8. März erzielte Golta das beste Resultat. Zum absoluten Mehr fehlten ihm jedoch 2730 Stimmen. Da sowohl auf kommunaler als auch auf kantonaler Ebene stille Wahlen verboten sind, kam es zu einem zweiten Wahlgang.
Die Departementsverteilung im Stadtrat erfolgt am 27. Mai. In der Stadt Zürich gehören vier Stadträte der SP, drei den Grünen, einer der GLP und einer der FDP an.
Umtriebige Sozialpolitik
Raphael Golta ist seit 2014 Vorsteher des Zürcher Sozialdepartements. Der 50-Jährige profilierte sich mit einer aktiven Sozialpolitik. Er setzte sich unter anderem für wirtschaftliche Basishilfe für Sans-Papiers, Stipendien für vorläufig aufgenommene Asylsuchende und Energiekostenzulagen für Menschen mit kleinem Budget ein. Den Bürgerlichen waren diese Vorschläge ein Dorn im Auge.
Mit der Wahl am Sonntag geht die Ära von Corine Mauch (65) definitiv zu Ende. Die SP-Politikerin prägte die Stadt Zürich während 17 Jahren als Stadtpräsidentin. In ihre Amtszeit fiel ein starkes Bevölkerungswachstum. Zudem zog die Standortförderungspolitik der Stadt Zürich zahlreiche internationale Konzerne an. Das Präsidium der Stadtregierung befindet sich seit 1990 in der Hand der Sozialdemokraten. Der letzte Nicht-SPler in Zürich war Thomas Wagner von der FDP.
In Wallisellen ist Adrian Bangerter (46) von der SVP zum neuen Stadtpräsidenten gewählt worden.