Darum gehts
- Bundesrätin Baume-Schneider verteidigt Frühfranzösisch an Primarschulen in der Deutschschweiz
- Bundesrat erwägt Eingriff ins Sprachengesetz, falls die Kantone ihre bestehende Sprachstrategie aufgeben
- Frühfranzösisch soll nationalen Zusammenhalt und Sprachverständnis sichern, so Bundesrat
Der Streit um das Frühfranzösisch beschäftigt die Schweiz seit Monaten. Mehrere Deutschschweizer Kantone wollen den Französischunterricht auf der Primarstufe abschaffen und stattdessen erst in der Oberstufe beginnen. Nun hat Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (62, SP) Stellung bezogen.
Ihre Haltung hatte Baume-Schneider bereits mehrfach deutlich gemacht: Für den Bundesrat gehört eine zweite Landessprache auf die Primarstufe. Sollten sich die Kantone nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen können, sei der Bund bereit, entsprechende Vorgaben im Sprachengesetz zu verankern.
Diese Drohung macht der Bundesrat nun wahr. Der Unterricht einer zweiten Landessprache auf Primarstufe sei ein zentraler Pfeiler des nationalen Zusammenhalts und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Schweiz, sagte Baume-Schneider am Freitag vor den Medien. Bereits vor Jahren hatten sich 15 der 26 Kantone mit dem Sprachenkompromiss von 2004 und dem sogenannten Harmos-Konkordat darauf geeinigt, dass Schülerinnen und Schüler in der Primarschule sowohl eine zweite Landessprache als auch Englisch lernen. An diesem Modell solle festgehalten werden, so der Bundesrat.
Bund sieht Vereinbarung gefährdet
Mit den Plänen mehrerer Deutschschweizer Kantone, das Frühfranzösisch abzuschaffen und den Unterricht auf die Oberstufe zu verschieben, sieht der Bundesrat diese Vereinbarung jedoch gefährdet. Deshalb will er den Unterricht einer zweiten Landessprache auf Primarstufe gesetzlich festhalten. Notwendig werde dies allerdings nur, wenn die Kantone ihre Pläne tatsächlich umsetzen und die bisherige Sprachenstrategie aufgeben.
Der Bundesrat stützt sein Vorgehen auf die Bundesverfassung. Es sei Aufgabe des Bundes, den Zusammenhalt zwischen den Sprachregionen zu fördern, betonte Baume-Schneider.
Zudem machte sie klar, dass künftig alle Kantone eine zweite Landessprache bereits auf der Primarstufe unterrichten müssten – auch jene, die bisher kein Frühfranzösisch kennen. Dazu zählt etwa Appenzell Ausserrhoden.
Bis zu einer definitiven Regelung dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Der Bundesrat hat am Freitag zwei Varianten zur Änderung des Sprachengesetzes in die Vernehmlassung geschickt.
Die erste Variante übernimmt die heutige Harmos-Regelung ins Sprachengesetz. Demnach müssten alle Kinder in der Schweiz bereits in der Primarschule zwei Fremdsprachen lernen – eine ab der 3. Klasse, die zweite ab der 5. Klasse.
Die zweite Variante lässt den Kantonen mehr Spielraum. Sie schreibt lediglich vor, dass der Unterricht in der zweiten Landessprache auf der Primarstufe beginnen und bis zum Ende der Sekundarstufe I dauern muss. Ab wann Englisch unterrichtet wird, könnten die Kantone in diesem Modell selbst festlegen.
Hier findest du den Liveticker zum Nachlesen:
Französisch-Befehl aus Bern!
Der Entscheid des Bundesrats im Klartext: Der Bundesrat macht im Streit ums Frühfranzösisch Druck auf die Kantone.
- Elisabeth Baume-Schneider will den Unterricht einer zweiten Landessprache notfalls im Sprachengesetz verankern. Damit soll verhindert werden, dass weitere Kantone Französisch von der Primarstufe auf die Oberstufe verschieben.
- Der Bund will allerdings nur eingreifen, falls die Kantone ihren bisherigen gemeinsamen Kurs verlassen.
Die Medienkonferenz ist jetzt zu Ende
Die Medienkonferenz ist sei einigen Minuten beendet. In Kürze liest du hier eine Zusammenfassung.
Schwyzerdüütsch vs. Hochdeutsch
«I cha guet Schwyzerdüütsch, das isch fasch mini zwöiti Muetersprach», sagt Baume-Schneider. Für die französischsprachige Bevölkerung sei es aber manchmal abschreckend, wenn man Deutsch gelernt habe und Deutschschweizer nur auf Schweizerdeutsch sprechen würden. «Das war nie einfach.»
«Fundamentales Element unseres Zusammenhalts»
Deutsch sei nicht einfach für die französischsprachige Bevölkerung, sowie das Frühfranzösisch nicht einfach sei für die Deutschschweizer. «Es ist wichtig, sich für die Sprache und die Kultur des Nachbarn zu interessieren». Das Frühfranzösisch sei nicht nur eine pädagogische Frage, sondern «ein fundamentales Element unseres Zusammenhalts und unserer Fähigkeit, einander zu verstehen».
Kein persönliches Projekt von Baume-Schneider
Die Fragestunde hat bereits begonnen. Bundesrätin Baume-Schneider erklärt, dass Frühfranzösisch nicht «ihr persönliches Projekt» sei, sondern ein Anliegen des Bundesrates. Baume-Schneider betont ein weiters Mal die Wichtigkeit des frühen Sprachunterrichts für die Schweiz und die Wirtschaft.
Bundesrat sieht Sprachenstrategie verletzt
Mit der Sprachenstrategie von 2004 und dem sogenannten HarmoS-Konkordat von 2009 einigten sich die Kantone darauf, dass Schülerinnen und Schüler bereits in der Primarschule Englisch und eine zweite Landessprache lernen. Wer davon abrücke, verletze diese Vereinbarung, argumentiert der Bundesrat um Baume-Schneider.
Deshalb bringt der Bundesrat eine Verankerung im Sprachengesetz ins Spiel. Zur Diskussion stehen zwei Varianten: Entweder wird die heutige HarmoS-Regelung übernommen, oder es gelten Mindestvorgaben mit mehr Spielraum für die Kantone. In beiden Fällen müsste eine zweite Landessprache bereits auf Primarstufe unterrichtet werden.
Eingreifen wolle der Bund aber nur, falls die Kantone den bisherigen Kurs verlassen, betont Baume-Schneider.
Bundesrat warnt vor Folgen für den Zusammenhalt
Für den Bundesrat ist der Unterricht einer zweiten Landessprache auf Primarstufe mehr als eine schulpolitische Frage. Er sei ein zentraler Pfeiler des nationalen Zusammenhalts, so der Bundesrat um Elisabeth Baume-Schneider (62, SP). Die Stellung der Landessprachen im Unterricht sei deshalb von nationaler Bedeutung.
Zwar liege die Verantwortung für das Schulwesen bei den Kantonen. Gleichzeitig hätten diese den Auftrag, den Bildungsraum Schweiz zu harmonisieren und dessen Qualität sowie Durchlässigkeit sicherzustellen.
Das heisst: Der Bundesrat will durchgreifen, wenn einzelne Kantone Frühfranzösisch aus dem Primarschulunterricht streichen!
Live aus Bern
Wie entscheidet der Bundesrat im Zoff um die Landessprachen? Um 13.30 Uhr tritt Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider vor die Medien.