Darum gehts
- Steven Spielberg schürt mit «Disclosure Day» Alien-Debatten, inspiriert von Ufo-Gerüchten
- Film zeigt Whistleblower, der Beweise für ausserirdisches Leben sammelt
- 150 Minuten Laufzeit, Oscar-Chancen und Musik von John Williams (94)
«Sie waren hier. Und sie sind hier», erklärt Steven Spielberg (79) am vergangenen Sonntag beim US-Sender CBS – und meint damit Ausserirdische. Der Regie-Patron spricht zwar auf inhaltlicher Ebene über seinen neuen Science-Fiction-Blockbuster «Disclosure Day» («Tag der Enthüllung»), befeuert gleichzeitig aber auch eine der grössten Kontroversen des 20. und 21. Jahrhunderts. Sind wir tatsächlich nicht die einzigen intelligenten Lebewesen im Universum? Was verschweigt uns die US-Regierung?
Zum Verständnis: Spielberg behauptet nirgends, mehr zu wissen als seine Fans und die Weltöffentlichkeit, er ist nicht Teil einer «eingeweihten Elite», die Einblick in hochsensible Dokumente hat. Bei ihm hätten sich allerdings nach eigener Aussage über die Jahre die Indizien für ausserirdisches Leben gehäuft.
Wärst du bereit, die ganze Wahrheit zu erfahren?
In «Disclosure Day» tritt Spielberg mitnichten als Wissenschaftler auf – sondern als bedeutendster Blockbuster-Regisseur der Gegenwart, der das Grundbedürfnis jedes Science-Fiction-Fans mehr als befriedigt: Er zeigt, was sein könnte – und nicht, was ist. Das dürfte bei einem Film dieser Grössenordnung aber schon reichen, um aus der stets lodernden Diskussion um Ufos und Aliens einen Flächenbrand zu entzünden, der weit über die Popkultur hinausgeht. Spielbergs neuster Streich ist besonders unbequem – und gerade darum so gut.
Im Zentrum der komplexen Geschichte steht ein junger Whistleblower (gespielt von Josh O'Connor, 36), der Beweise dafür sammelt, dass eine dubiose Firma im Auftrag der US-Regierung die Existenz einer ausserirdischen Intelligenz geheim hält. Während er im Verborgenen agiert, gerät die Welt um ihn herum schleichend aus den Fugen: Tiere verhalten sich wie ferngesteuert, und eine Meteorologin (Emily Blunt, 43) verfällt in bizarre Trancen. Die zentrale Frage, die Spielberg seinem Publikum während knapp 150 Minuten stellt: Wärst du bereit, die ganze Wahrheit zu erfahren, wenn du könntest? Spoiler: Darüber zerbricht man sich nach dem Film weit mehr als zweieinhalb Stunden den Kopf.
Spielbergs genialer Dreiklang
«Disclosure Day» ist genial aufwühlend, er schleudert den Zuschauerinnen und Zuschauern die wachsende Angst und das Misstrauen gegenüber grossen, undurchsichtigen Institutionen entgegen. Er ist unheimlich, weil sich uns das extraterrestrische Leben in nicht fassbarer Form präsentiert – wie es bei Spielbergs Sci-Fi-Klassikern «Unheimliche Begegnungen der dritten Art» (1977) oder noch direkter bei «E.T.» (1982) der Fall war. Gleichzeitig bietet der Regisseur seinem Publikum in «Disclosure Day» eine Art Aufmunterung: Die Annahme, dass wir im grossen, weiten Universum eben nicht alleine sind, ist tröstlich und nimmt den Menschen die Last der kosmischen Einsamkeit. Spielbergs Dreiklang aus Misstrauen, Grusel und filmischer Seelenmassage ist nicht weniger als brillant.
Womöglich kann der Regisseur mit seiner ganz eigenen Formel das ungeschriebene Gesetz, wonach Science-Fiction-Filme fast nie den Oscar in der Hauptkategorie gewinnen, umstossen. Mit Nominierungen für die beste Regie, die beste Filmmusik (vom 94-jährigen John Williams) sowie sämtliche Schauspiel-Kategorien kann «Disclosure Day» so gut wie sicher rechnen – und das völlig zu Recht.
«Disclosure Day» läuft ab dem 10. Juni in den Deutschschweizer Kinos.