Darum gehts
- Buckelwal Timmy kämpft seit einer Woche vor Poel ums Überleben
- Wal zeigt Lebenszeichen, Umweltminister informiert zu Gutachten
- Timmy 50-60 cm eingesunken, wird Wasserstand zum Problem?
Buckelwal Timmy kämpft seit rund einer Woche vor der deutschen Ostsee-Insel Poel ums Überleben. Meeresbiologen überprüften am Dienstag seinen Gesundheitszustand und erstellten ein Gutachten. Zwar zeigte er mit einer Atemfontäne noch Lebenszeichen, insgesamt gilt er jedoch als stark geschwächt.
An einer Medienkonferenz machte Umweltminister Till Backhaus (67) klar: Das Tier liegt im flachen Wasser fest und kann sich nicht mehr selbst befreien. Ursache dürften unter anderem Seilreste im Maul sowie bereits eingetretene Organschäden sein. Eine Bergung zum aktuellen Zeitpunkt wird von Backhaus klar abgelehnt, da sie Timmys Leiden zusätzlich vergrössern könnte.
Timmy stirbt langsamen Tod
Auch eine aktive Tötung schliesst der Minister ausdrücklich aus. Methoden wie Harpune, Gift oder Sprengung seien «nicht zu akzeptieren». Stattdessen soll der Wal in Ruhe sterben. Gleichzeitig wird bereits die Bergung nach dem Tod vorbereitet, um die genaue Todesursache wissenschaftlich zu untersuchen.
Die Situation wird zusätzlich durch die Umweltbedingungen verschärft: Timmy ist rund 50 bis 60 Zentimeter im Boden eingesunken, der Wasserstand reicht nicht aus, damit er sich freischwimmen kann. Prognosen gehen eher von einem weiter sinkendem Pegel aus. Eine Rettung aus eigener Kraft gilt als ausgeschlossen.
Insgesamt bleibt die Lage aussichtslos: Die Retter haben die Hoffnung aufgegeben, Timmy dürfte einen langsamen Tod sterben.
Den Liveticker zur Medienkonferenz kannst du hier nachlesen:
Medienkonferenz beendet
Die Fragerunde ist abgeschlossen. Zum Schluss appelliert Backhaus an die Verantwortung der Medien. Die Medienkonferenz ist beendet.
«Schwerste Entscheidung, die ich jemals treffen musste»
Backhaus verteidigt seine Leute: «Wir haben alles unternommen.» Er fordert Respekt vor der Arbeit und der gebündelten Kompetenz der Wal-Helfer. «Es ist eine der schwersten Entscheidungen, die ich jemals treffen musste. Wir treffen hier verantwortungsbewusste Entscheidungen», sagt Backhaus. Timmy sei schwer krank. «Er liegt fest.»
«Man muss das Tier in Ruhe lassen»
Bezüglich der Bergung sei alles geklärt, ergänzt der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern. «Wir müssen ihn bergen, so oder so.» Dafür steht unter anderem ein Katamaran zur Verfügung. Er appelliert aber: «Der Wal lebt noch»
Die Veterinärmedizinerin erläutert: «Wenn ich das Tier aus dem Flachwasser hole und es grossflächig verletze, habe ich nichts gewonnen. Man muss es in Ruhe lassen, dann kann es in Ruhe sterben. Das muss man akzeptieren.»
Der Wal-Experte erläutert, dass Teile von Timmys Körper nach seinem Tod der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden soll. Dass Timmy nun langsam sterben wird, ist für Umweltminister Backhaus «emotional ein Riesenthema». Er schliesst erneut aus, Timmy mit einer Waffe zu erlösen. Er zitiert das deutsche Tierschutzgesetz: «Niemand hat das Recht einem Tier Schaden zuzufügen.»
Wie lange dauert es, bis Timmy stirbt?
«Buckelwale brauchen sehr viel Zeit, um zu sterben», sagt der Wal-Experte jetzt. «Sie können monatelang ohne Nahrung sein.» Das Team hofft, dass Timmy nicht lange leiden muss.
Den Bergungszeitraum gibt Backhaus mit drei Tagen insgesamt an. Zwei Tage für die Vorbereitung und ein Tag für die tatsächliche Bergung. «Wir wollen die Todesursache wissen», gibt Backhaus zu Protokoll.
Ist es Zeit, Timmy zu erlösen?
Es sieht schlecht aus für Timmy. «Wir haben alle Transportoptionen geprüft», sagt Backhaus. «Das Tier ist in einem ganz schweren und schwierigen Zustand.»
Eine Journalistin fragt, ob man das Tier nicht erlösen kann. Vergiften, Sprengladung oder die Harpune: «Das sind für mich Massnahmen, die sind nicht zu akzeptieren», sagt Backhaus.
Wie hoch sind die Kosten des Einsatzes bisher? «Die Kosten kenne ich noch nicht», so Backhaus. Es gibt ein Bergungskonzept, erklärt Backhaus. Aktuell ist diese aber nicht möglich.
Veterinärmedizinerin: Timmy hat Organschäden erlitten
Der Experte sieht die Seilreste im Maul des Tieres als Ursache für die mehrfache Strandung des Wals. Anschliessend gibt er ab an eine Veterinärmedizinerin.
«Bei dem Tier fällt auf, dass sich der Allgemeinzustand verschlechtert hat. Es erscheint geschwächt», sagt sie. Ein Anheben des Tieres schliesst sie aus. «Das würde ein erhöhtes Leiden verursachen. Wir gehen davon aus, dass das Tier nicht transportfähig ist.»
Die Experten gehen davon aus, dass Timmy Organschäden erlitten haben. «Wir würden davon abraten, dieses Tier lebend bergen zu wollen.»
Timmy kann sich nicht aus eigener Kraft freischwimmen
Jetzt spricht ein Experte. Der Vorfall an der Küste Deutschlands sei «weltweit einmalig». «Es ist nicht schön, das Tier so zu sehen, wie es da draussen ist. Das ist bitter», schiebt er nach.
Den Wasserstand gibt der Experte mit 1,40 Metern an. «Wenn das Tier sich aus eigener Kraft freischwimmen wollte, brauchte es einen 60 Zentimeter höheren Wasserstand. Die Prognose gibt aber eher einen leicht sinkenden Wasserstand her.»
«Haben Tag und Nacht durchgearbeitet»
«Mir geht es um den Wal, wie man ihm helfen kann», betont Backhaus. «Wir haben Tag und Nacht durchgearbeitet», erklärt er. «Es ist wichtig, dass wir das nach bestem Wissen und Gewissen gemacht haben.»
Er fährt fort: «Der nächste Wal wird kommen.» Er mahnt, dass man Tieren helfen und gut mit der Umwelt umgehen soll. Der Buckelwal stehe für ein sich durch den Klimawandel veränderndes Ökosystem.
«Schlimmste Osterphase, die ich jemals erlebt habe»
Jetzt ist Umweltminister Till Backhaus vor die Presse getreten. Er kündigt an, die Grundzüge des Gutachtens zu Timmys Gesundheitszustand vorzustellen. Dank Drohnen habe man «sehr, sehr gute Erkenntnisse» sammeln können. Backhaus hat sich zudem an die Welt-Wal-Kommission gewandt, mit der Bitte um eine Expertise. «Für mich persönlich war es die schlimmste Osterphase, die ich jemals erlebt habe.»
Wie geht es mit Timmy weiter?
Wie geht es Buckelwal Timmy? Meeresbiologen haben sich dem Tier am Dienstag erneut genähert, um sich ein Bild vom Zustand des Wals zu machen. Nun soll ein Gutachten erstellt werden.
Am späten Nachmittag äussert sich der Umweltminister des Bundeslands Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (67), in einer Medienkonferenz zur aktuellen Wal-Lage. Blick tickert die Presserunde live.