Steuerpanne löst Grundsatzdebatte aus
«Trennt endlich die Kirche vom Staat»

Jahrelang zahlen 177 Firmen wegen einer Software-Panne keine Kirchensteuer. Jetzt werden sie nachträglich zur Kasse gebeten. Der Fall befeuert eine Leser-Debatte über die Kirchensteuer für Unternehmen.
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177 juristische Personen mussten in Langnau am Albis ZH jahrelang keine Kirchensteuern bezahlen – wegen eines Fehlers.
Foto: Screenshot Google Maps

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 177 Firmen in Langnau am Albis schulden Kirchensteuern wegen Softwarefehler
  • Gemeinde fordert Nachzahlungen für 2020–2024, genaue Beträge bleiben geheim
  • Kirchensteuerpflicht für Firmen löst heftige Kritik und Debatte in der Community aus
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Eva KunzSenior Community Editorin

Für 177 Firmen war die Kirchensteuer jahrelang kein Thema. Der Grund: ein Softwarefehler bei der Zürcher Gemeinde Langnau am Albis. Diese hat die Panne erst kürzlich bemerkt und fordert die ausstehenden Beträge zurück, die zwischen 2020 und 2024 fällig gewesen wären.

Die betroffenen Unternehmen müssen die Kirchensteuer also nachzahlen. Wie hoch die Beträge ausfallen, hat der Gemeindeschreiber nicht offengelegt, mit Verweis auf Datenschutz und Steuergeheimnis.

Community empört

Der Fall stösst den meisten in der Blick-Community sauer auf. «Diese jahrelange Steuerpanne im Kanton Zürich ist ein absolutes Debakel – kaum zu fassen», empört sich Hans Ruedi Meyer. «Für mich läuft hier etwas grundlegend falsch», kommentiert Stefan Vetsch. «Jahrelang wird ein Fehler bei der Verwaltung oder im System nicht bemerkt, und wenn er endlich auffliegt, sollen die betroffenen Firmen die gesamte Rechnung bezahlen.»

Vetsch führt seine Meinung weiter aus: «Die Unternehmen haben die Kirchensteuer ja nicht bewusst hinterzogen, sondern konnten davon ausgehen, dass die Berechnungen korrekt sind.» Für ihn ist klar: Die Steuern müssen zwar bezahlt werden, doch die Verantwortung für den Fehler dürfe nicht allein bei den betroffenen Unternehmen landen.

Viele Leserinnen und Leser hauen in dieselbe Kerbe und äussern sich mehrheitlich behördenkritisch. Zudem sind viele der Meinung, «wenn das Steueramt es versäumt, diese Rechnung zu stellen, dann ist es nicht das Problem der Unternehmung». So drückt es etwa Andreas Nobel aus.

Aber nicht alle sehen es so. «Wenn du jahrelang keine Kirchensteuer bezahlst und nachträglich eine horrende Summe bezahlen musst, bist du auch selber schuld», schreibt etwa Urs Rolli. Denn jeder wisse, was er jedes Jahr zu bezahlen habe und könne notfalls nachfragen. Somit würden Fehler womöglich auch schneller gefunden.

«Eigentlicher Skandal: Staat treibt Kirchensteuer ein»

Parallel dazu entwickelt sich in den Kommentaren auch eine Grundsatzdebatte zur Kirchensteuer für juristische Personen, also Unternehmen. «Der eigentliche Skandal ist ja, dass der Staat die Kirchensteuer eintreibt! Jeder Verein muss seine Mitgliederbeiträge selber einholen, nur die Kirchen nicht...», wettert Kenny Roberts.

Auch Peter Ammann stört sich an dieser Praxis: «Seit wann ist eine Firma in einer Kirche?» Hier setzt auch Martin Fuchs an: «Eine juristische Person kann nicht aus der Kirche austreten und ist per Gesetz dazu verpflichtet, Kirchensteuer zu bezahlen. Auch wenn die Besitzer eine komplett andere Religion haben.»

«Trennt endlich die Kirche vom Staat»

So fordern einige in der Leserschaft einen radikalen Umschwung: «Trennt endlich die Kirche vom Staat», so Albert Ziegler. «Die Kirchen sollen ihre Steuern direkt erheben.»

Dass dies nicht so einfach sein dürfte, befürchtet etwa Sarah Keller: «Die Trennung von Kirche und Staat ist leider immer noch nicht auf Bundesebene vollzogen, so macht eben jeder Kanton, was er will.» Sie ist sich sicher: «Die christlichen Kräfte werden auch künftig alles tun, um eine Trennung zu verhindern.» Der Grund liegt für Keller auf der Hand: «Es geht um viel Geld, das ihnen moralisch – aber leider noch nicht rechtlich – gar nicht zusteht.»

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