Darum gehts
- Elon Musk will Tesla auf humanoide Roboter umstellen, weil Autoverkäufe sinken
- Auch Hyundai und andere Hersteller setzen auf Humanoide als Produkt
- BMW testet den humanoiden Roboter Aeon aus der Schweiz in Leipzig
Elon Musk (54) geht mit einer Zukunftstechnologie einmal mehr «all in»: Weil bei Tesla die Autoverkäufe schwächeln, sollen humanoide Roboter das neue Hauptgeschäft werden. Alte Tesla-Modelle würden eingestellt, und um dafür mehr Optimus-Roboter herzustellen, versprach der reichste Mann der Welt vor drei Monaten in einem Investorencall: «Wir werden die Produktion für unsere Models S und X in unserem Werk in Fremont in eine Optimus-Fabrik umwandeln. Das mit dem langfristigen Ziel, jährlich eine Million Roboter in Fremont zu produzieren.»
Kerntechnologien überschneiden sich
Tesla ist nicht der einzige Autobauer, der fremdgeht. Asiatische Hersteller wie BYD, Xiaomi, Toyota und Hyundai widmen sich ebenfalls der Robotik. Hyundai übernahm dafür 2021 die US-Firma Boston Dynamics. Der Plan: Ab 2028 soll der humanoide Roboter Atlas in den Hyundai-Fabriken Teile sortieren und damit menschliche Arbeiter ersetzen. Doch das ist erst der Anfang. Später wird der Humanoide ganze Autos zusammenbauen und so schliesslich selbst als Produkt zum Umsatz des Autokonzerns beitragen.
«Sie wetten darauf, dass der Roboter das nächste Auto wird», sagt Branchenanalyst Philipp Raasch, Gründer und Herausgeber des Newsletters «Der Autopreneur», «denn das Autogeschäft steht unter Druck.» Viele Hersteller suchten deshalb nach Feldern, in denen sie ihre Stärken ausspielen können. «Robotik ist naheliegend, weil sich die Kerntechnologien stark überschneiden: Batterien, E-Motoren, Sensorik, Leistungselektronik, KI-Chips.»
Musk verspricht goldene Zukunft
Tatsächlich stösst Elektropionier Tesla als Autohersteller an seine Grenzen. 2025 sind die Verkäufe um neun Prozent gesunken, und der Gewinn ist fast um die Hälfte eingebrochen. Längst gibt es andere Hersteller, die genauso gute E-Autos bauen. Musk braucht deshalb eine neue Erzählung, mit der er die Aktionäre begeistern kann. Bei einem Erfolg winkt ihm ein Aktienpaket im Wert von einer Billion Dollar (!). Doch dazu muss er unter anderem die Marktkapitalisierung von Tesla innert zehn Jahren verachtfachen. Hier kommt Optimus ins Spiel. Der humanoide Tesla-Roboter soll der Menschheit künftig die gefährlichen, repetitiven oder langweiligen Aufgaben in der Fabrik oder im Haushalt abnehmen. Musk vergleicht ihn gern mit den Robotern aus den «Star Wars»-Filmen. «Jeder Mensch auf der Erde wird seinen eigenen R2-D2 oder C-3PO haben», sagte er im November. «Aber Optimus wird noch besser sein.»
Das Potenzial der Technologie ist unbestritten: Goldman Sachs prognostizierte 2024 einen Markt von 38 Milliarden Dollar bis 2035. Doch werden humanoide Roboter tatsächlich die Autoindustrie erlösen? «Als strategische Wette ist es nachvollziehbar», sagt Experte Raasch. «Doch als kurzfristig tragfähiges Geschäftsmodell ist es nicht bewiesen.» So sei der Tesla-Roboter erst ein Forschungsprojekt. Das zeigt auch eine Aussage von Musk beim Investorencall im Januar. «Wir befinden uns mit Optimus noch ganz am Anfang», hielt der Tesla-CEO fest. «Er verrichtet in unseren Fabriken noch keine nennenswerte Arbeit. Es geht mehr darum, dass der Roboter lernen kann.» Und auf die Frage, wie viele Optimus-Roboter Tesla besitze, wollte Musk in der Telefonkonferenz nicht antworten. Immerhin: «Autohersteller können etwas, das die Robotik dringend braucht», sagt Raasch. «Sie können komplexe Hardware zuverlässig und günstig in Serie bringen.» Ob das reicht, um gegen die spezialisierten Hersteller oder die Konkurrenz aus China zu bestehen, ist aber eine andere Frage. «Anders als bei E-Autos hat Tesla in der Robotik keinen Pioniervorteil», meint der Experte. «Am Ende gewinnt vermutlich, wer am besten industrialisiert und am günstigsten produziert. Das spricht eher für China als für Tesla.»
Für die kriselnde deutsche Autoindustrie bietet das Umsatteln auf humanoide Roboter ohnehin keine Rettung, dafür sind die Produktionskosten in Europa zu hoch. Dazu kommt: Eine strategische Neuausrichtung wäre für einen Konzern wie Volkswagen mit grossen Risiken verbunden. «Die Transformation des Kerngeschäfts bindet enorme Ressourcen und Managementkapazität», sagt Raasch. «Es gibt kaum Beispiele, in denen ein klassisches Industrieunternehmen diesen Sprung erfolgreich geschafft hat.» E-Auto-Hersteller wie Tesla oder Tech-Unternehmen wie Xiaomi haben hier eine bessere Ausgangslage. Und traditionelle Autokonzerne wie Hyundai und Toyota holen sich ihr Robotik-Know-how mit Übernahmen und Partnerschaften.
BMW testet Zürcher Humanoide
Sinnvoll ist für die europäischen Autobauer zunächst der Einsatz von humanoiden Robotern in den Fabriken. Vergangenes Jahr testete BMW den Roboter Figure 02 des Tech-Unternehmens Figure AI im Werk Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina. Der Roboter half innerhalb von zehn Monaten bei der Produktion von mehr als 30’000 BMW X3. Figure 02 übernahm die Entnahme und Positionierung von Blechteilen für den Schweissprozess. Eine Aufgabe, die laut BMW hohe Anforderungen an Geschwindigkeit und Genauigkeit stellt und gleichzeitig körperlich ermüdend ist. Der Roboter legte in 1250 Arbeitsstunden 1,2 Millionen Schritte zurück und bewegte über 90’000 Bauteile.
Als Nächstes testet BMW am Standort Leipzig (D) den Roboter Aeon, den Hexagon Robotics in Zürich entwickelt hat. Zwei Humanoide übernehmen ab Sommer 2026 bei BMW in Leipzig Aufgaben, die bisher von Menschen verrichtet werden und arbeiten Seite an Seite mit den Kollegen aus Fleisch und Blut. Für die Roboter spricht der Kostenvergleich. Raasch macht eine interessante Rechnung: «Ein deutscher Facharbeiter kostet etwa 45 Euro pro Stunde. Ein humanoider Roboter im Vollkostenbetrieb liegt heute bei schätzungsweise 12 bis 15 Euro. Tendenz fallend.» Für die deutschen Autohersteller ist das eine positive Zukunftsaussicht. Für die Hunderttausenden Beschäftigten in der Branche dagegen weniger.