Darum gehts
- Fünf Italiener sterben bei Tauchunglück im Vaavu-Atoll (Malediven)
- Nur eine Leiche bisher in 60-Meter-Höhle entdeckt
- Herausfordernde Bedingungen erschweren Suche
Fünf italienische Staatsbürger sind bei einem Tauchunglück auf den Malediven ums Leben gekommen, wie mehrere italienische Medien berichten. Besonders tragisch: Laut der «New York Post» sollen unter anderem eine Mutter und ihre Tochter bei dem Unfall verstorben sein. Monica Montefalcone (†51), eine Professorin für Meeresbiologie, war zusammen mit ihrer rund 22-jährigen Tochter auf dem Tauchgang.
Wie die örtliche Polizei, das italienische Konsulat und das italienische Aussenministerium bestätigten, ereignete sich der Vorfall im Vaavu-Atoll. Die Gruppe habe sich aufgemacht, um eine Höhle in rund 50 Metern Tiefe zu erkunden. Von ihrem Tauchgang am Mittwochmorgen kehrten sie nicht wieder zurück.
Opfer identifiziert
Die italienischen Opfer wurden im Laufe der Nacht identifiziert. Neben Mutter und Tochter verstarben drei weitere Personen bei dem tragischen Unfall. Viele der Verstorbenen, etwa Monica Montefalcone und Muriel Oddenino (†31), waren im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Genua auf den Malediven. Die Universität stellte jedoch klar: Den tödlichen Tauchgang haben sie privat durchgeführt.
Gianluca Benedetti kam ursprünglich aus der Finanzwelt. Seit fast zehn Jahren arbeitete er allerdings als Tauchsportler im Unterwassertourismus. Laut dem «Corriere della Sera» war er der Betriebsleiter des Unternehmens, das den Tauchgang organisierte.
Monica Montefalcone war eine angesehene Meeresbiologin und Professorin für tropische Meeresökologie und Unterwasserwissenschaften an der Universität Genua. Ihre Arbeit konzentrierte sich insbesondere auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Weltmeere. Mittlerweile hat sich auch der Ehemann von Montefalcone zu Wort gemeldet. Der Italiener kann sich nicht vorstellen, was passiert ist. «Die Malediven waren die zweite Heimat meiner Frau. In dieser Höhle muss etwas passiert sein», sagte er dem Fernsehsender TG4. Jede Leichtsinnigkeit seiner Familie schliesst Carlo Sommacal aus. «Meine Frau war sehr streng.» Das Meer und die Malediven seien die zweite Heimat der Professorin gewesen. Sie habe schon lange getaucht. Immer wenn sie Verletzungen zurückgeworfen hätten, habe sie es nicht abwarten können, wieder ins Wasser zurückzukehren.
Giorgia Sommacal (†22) ist die Tochter von Monica Montefalcone. Sie studierte Biomedizintechnik und wäre im Juni 23 Jahre alt geworden. «Giorgia hat mir immer gesagt, ich solle mich nicht aufregen und immer lächeln. Ich versuche es, aber ich weiss nicht, was ich machen soll», sagt Federico Colombo (26), der Freund von Giorgia zum «Corriere della Sera». Giorgia und er waren seit knapp drei Jahren zusammen. Nun wüsse der junge Mann nicht, wie es weitergehen soll. «Ich kann immer noch nicht begreifen, was passiert ist. Sie möchte sicher, dass ich mein Leben weiterlebe, aber ich weiss jetzt nicht, wie ich reagieren soll, wie ich weitermachen soll.»
Muriel Oddenino arbeitete ebenfalls bei der Universität Genua. Sie war laut dem «Corriere» im selben Gebiet tätig wie Monica Montefalcone und soll regelmässig mit der Professorin zusammengearbeitet haben.
Federico Gualtiere (†30) befand sich ebenfalls für ein zweiwöchiges Forschungsprojekt auf den Malediven. Er erwarb seinen Tauchschein bereits 2015.
Tote Person in Höhle entdeckt
Nach Eingang des Notrufs leitete die Armee der Malediven umgehend eine Suchaktion zu Wasser und in der Luft ein. Wie aus mehreren Berichten hervorgeht, konnte bisher nur eine Leiche gefunden werden. Die tote Person wurde in einer Höhle unter Wasser gefunden. Es dürfte sich dabei um die Leiche von Gianluca Benedetti handeln.
«Wahrscheinlich befinden sich die anderen vier Taucher in derselben Höhle, die sich bis in eine Tiefe von etwa 60 Metern erstreckt», teilten die Behörden mit. Die Bedingungen vor Ort gelten als extrem herausfordernd, weshalb zusätzliche Taucher und Spezialausrüstung entsandt wurden.
Die erste geborgene Leiche wurde in das Gesundheitszentrum von Fulidhoo übergeführt, wie die italienische Zeitung «Corriere della Sera» schreibt. Die italienische Botschaft in Colombo und das Aussenministerium erklärten, sie stünden in engem Kontakt mit den Angehörigen der Verstorbenen, um notwendige Unterstützung zu gewährleisten. Der zuständige italienische Botschafter bestätigte ausserdem, dass neben den fünf Verstorbenen noch 20 weitere italienische Staatsbürger am Tauchausflug teilnahmen. Sie alle seien unverletzt geblieben.
Schweizer Opfer bei letztem Unglück im Indischen Ozean
Vor ziemlich genau zwei Monaten kam es zu einer anderen Tourismustragödie auf den Seychellen, die sich ebenfalls im Indischen Ozean befinden. Das Tauchboot Galatea geriet bei Marie Louise Island in Seenot und sank daraufhin.
Die Passagierliste umfasste sieben Personen aus der Schweiz. Ein Ehepaar aus Basel und ein Crew-Mitglied wurden tagelang vermisst. Alle drei gelten nun als tot.