Darum gehts
- USA und Iran nähern sich Friedensabkommen laut Pakistan-Premier Sharif
- Abkommen beinhaltet Abbau des iranischen Atomprogramms
- Mögliches Abkommen soll angeblich in Genf unterzeichnet werden, G7-Gipfel startet Montag
Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran scheinen nach einigen Verwirrungen und Spekulationen nun doch voranzuschreiten. Auf X bestätigte der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif (74) am Freitagabend, «dass ein endgültiger, einvernehmlicher Text des Friedensabkommens vorliegt und Pakistan nun eng mit beiden Seiten zusammenarbeitet, um die nächsten Schritte festzulegen.» Sharif zeigte sich äussert zuversichtlich: «Noch nie war der Frieden so nah wie jetzt.»
Zuvor hatte es einige Turbulenzen um angebliche Details zum Abkommen zwischen dem Iran und den USA gegeben. So ärgerte sich US-Präsident Donald Trump (79) am Freitag über die iranische Berichterstattung über einen angeblichen 14-Punkte-Plan der Mullahs. Die Bedingungen, die der Iran an die Medien weitergegeben habe, hätten nichts mit den Bedingungen zu tun, die schriftlich vereinbart worden seien, schrieb der Republikaner in einem Post auf Truth Social.
US-Beamter gibt erste Bedingungen preis
Von US-Seite sind nach Trumps Reaktion erste Informationen zu Bedingungen eines möglichen Abkommen zwischen den USA und dem Iran durchgesickert. Wie mehrere US-Medien berichten, soll das Abkommen laut eines hochrangigen Vertreters der Trump-Regierung Bestimmungen zum Abbau des iranischen Atomprogramms enthalten. Konkret soll das Abkommen beinhalten, dass nukleares Material vernichtet und abtransportiert wird.
Weiter sollen demnach keine Gelder an den Iran freigegeben, bis dieser folgende Verpflichtungen erfüllt: eine Öffnung der Strasse von Hormus sowie das Einstellen von Finanzierungen von terroristischen Gruppen durch den Iran. Der Beamte bezeichnete dies als «leistungsabhängiges Abkommen».
Iranischer Aussenminister sieht Frage zu Atomprogramm erst in späterer Phase
Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi (63) erklärte am späteren Freitagabend im Staatsfernsehen, dass das geplante Abkommen ein Ende der Kämpfe «an allen Fronten» vorsehe – einschliesslich des Libanon. Auch die Aufhebung der US-Blockade gegen den Iran und die Wiederöffnung der Strasse von Hormus seien Teil der Vereinbarung.
Darüber hinaus betonte Araghtschi, dass die Absichtserklärung noch nicht unterzeichnet sei und Änderungen möglich blieben. Im Gegensatz zum US-Beamten ordnet der iranische Aussenminister die Frage des iranischen Atomprogramms erst einer späteren Verhandlungsphase zu. Araghtschi resümierte, der Iran sei als «Gewinner» aus dem Krieg hervorgegangen und habe seine Position gestärkt.
Vance und Araghtschi weisen Spekulationen zurück
US-Vizepräsident J.D. Vance (41) äusserte sich am Freitagabend auf X ebenfalls zu den Spekulationen. Er sprach von vielen Falschmeldungen und stellte zentrale Punkte klar. «Die Iraner erhalten kein Bargeld, und es werden keine Gelder freigegeben, nur weil ein Abkommen unterzeichnet oder an einem Treffen teilgenommen wird», schrieb Vance.
Er ergänzte: «Das Abkommen ist so gestaltet, dass die Bedenken der USA und ihrer Verbündeten Vorrang haben und dass, sofern die Islamische Republik Iran ihren Verpflichtungen nachkommt, wirtschaftliche Vorteile für das Land und die gesamte Region entstehen.» Vance resümierte: «Dieses Abkommen hat das Potenzial, die Region neu zu gestalten und zu dauerhaftem Frieden zu führen.»
Auch der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi (63) äusserte sich am Freitagabend auf X. «Die Absichtserklärung von Islamabad stand noch nie so kurz vor dem Abschluss», schrieb Araghtschi. «Bis zu seiner endgültigen Fertigstellung sollten die Medien davon absehen, über seinen Inhalt zu spekulieren», betonte er. Einzelheiten zum Abkommen würden der Öffentlichkeit zu gegebener Zeit mitgeteilt. Den X-Post von Araghtschi hat auch Trump auf Truth Social geteilt.
Pakistanischer Aussenminister führt Gespräch mit Cassis
Alle Zeichen scheinen nun auf Einigung zu stehen. Doch ein Abkommen ist bislang noch nicht unterzeichnet. Laut dem US-amerikanischen Nachrichtenportal «Axios» könnte ein mögliches Abkommen, sofern es nicht gekippt wird, in Genf unterzeichnet werden. Auch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA bestätigt gegenüber Blick, dass die Schweiz als Ort für eine mögliche Unterzeichnung vorgeschlagen wurde.
Der pakistanische Aussenminister Mohammad Ishaq Dar führte am Freitag zudem ein Gespräch mit Bundesrat Ignazio Cassis (65). Ishaq Dar zufolge würdigte Cassis die Rolle Pakistans als Vermittler bei der «Unterstützung diplomatischer Bemühungen und seinen Anstrengungen, Fortschritte in Richtung Frieden und Stabilität in der Region und darüber hinaus zu erzielen». Die beiden Politiker besprachen die Fortschritte auf dem Weg zu einem Abkommen zwischen den USA und dem Iran, hiess es in einer Mitteilung des Aussenministeriums weiter.
Drei Quellen aus dem Umfeld der Verhandlungen teilten CNN am Freitag mit, dass eine Unterzeichnungszeremonie zum Friedensabkommen mit dem Iran höchstwahrscheinlich in Genf stattfinden werde. Ab Montag beginnt im grenznahen französischen Evian-les-Bains der G7-Gipfel. Viele Teilnehmer, darunter womöglich auch US-Vizepräsident J.D. Vance werden über den Flughafen Genf reisen.