Darum gehts
- Mexikos Kartellboss Nemesio Oseguera Cervantes stirbt bei Spezialoperation in Jalisco
- Sechs Kartellmitglieder tot, Raketenwerfer beschlagnahmt, Gegenangriffe folgen sofort
- Drei verletzte Soldaten, zwei Festnahmen und politische Bedeutung für USA-Mexiko
Es dürften filmreife Szenen gewesen sein. Der mexikanische Kartellchef Nemesio Oseguera Cervantes (†59) starb während einer Spezialoperation im Bundesstaat Jalisco. Sein Tod führte zu einer schweren Welle der Gewalt in ganz Mexiko.
Der Einsatz gegen «El Mencho», so wurde der Drogenboss auch genannt, wurde offenbar sorgfältig geplant – die Amerikaner haben laut Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt mit Geheimdienstdaten ausgeholfen. Pikant: Informationen einer Geliebten des gefürchteten Kartellchefs führten offenbar zum Tod des Mexikaners. Verteidigungsminister Ricardo Trevilla (65) sagte am Montag, dass Informationen eines Vertrauten einer Geliebten von «El Mencho» den Beamten geholfen habe, die Razzia auf dem Gelände des Verbrecherbosses schnell zu planen. Zuvor soll die Geliebte «El Mencho» besucht haben.
Bei den Ermittlungen wurde laut Verteidigungsminister Ricardo Trevilla zunächst ein Mann als Vertrauensperson einer Geliebten von «El Mencho» identifiziert. Zwei Tage vor dem Militäreinsatz brachte der Mann die Frau zu dem Drogenboss in einen Hüttenkomplex am Wald nahe Tapalpa im Bundesstaat Jalisco. Die Frau verliess den Ort am nächsten Tag. «El Mencho» blieb in der Hütte.
«El Mencho» in Versteck lokalisiert
Als das Militär ihn schliesslich festnehmen wollte, leisteten die schwer bewaffneten Leibwächter des Drogenbosses erbitterten Widerstand und es kam zu heftigen Kämpfen. Mit seinem engsten Kreis an Gefolgsleuten floh «El Mencho» schliesslich in den Wald. Er habe sich im Gebüsch versteckt, sagte Trevilla. Dort sei es wieder zu einer Schiesserei gekommen. Ein Militärhubschrauber sei von Schüssen getroffen worden.
Bei den Gefechten wurden den Angaben zufolge «El Mencho» und zwei seiner Leibwächter schwer verletzt. Ein Helikopter sollte sie in eine Klinik in Jalisco bringen. Auf dem Weg erlag der Drogenboss allerdings seinen Verletzungen. Der Plan wurde daraufhin geändert, wie Trevilla sagte. Das Militär flog den toten Drogenboss nun nach Morelia im Bundesstaat Michoacán. Dort wartete ein Jagdflugzeug der Luftwaffe, das die Leiche schliesslich nach Mexiko-Stadt transportierte.
Polizisten beschlagnahmen Waffenarsenal
Nach dem Gefecht beschlagnahmten die Truppen schwere Waffen am Einsatzort, darunter Raketenwerfer, die geeignet sind, Flugzeuge abzuschiessen oder gepanzerte Fahrzeuge zu zerstören.
Unmittelbar nach der Operation reagierten Kartellmitglieder mit koordinierten Gegenangriffen. In mehreren Städten kam es zu Schiessereien, Explosionen sowie Strassenblockaden mit brennenden Fahrzeugen.
Politische Bedeutung
Die Tötung des Kartellchefs gilt als bedeutender Schlag gegen eines der mächtigsten kriminellen Netzwerke des Landes. Die Regierung demonstriert mit dem Erfolg auch nach aussen Stärke – insbesondere gegenüber den USA.
Unklar bleibt allerdings, wer nun die Führung des Kartells übernehmen könnte – oder ob sich die Macht künftig auf mehrere Akteure verteilen wird.