Darum gehts
- Erster Schweizer mit Hantavirus infiziert, nach Kreuzfahrt isoliert in Zürich
- 23 Passagiere verliessen Kreuzfahrtschiff MV Hondius in St. Helena, Kontakt unklar
- 88 Passagiere, 59 Crewmitglieder aus 23 Nationen auf MV Hondius unterwegs
Das Hantavirus ist momentan in aller Munde. Nach dem Ausbruch an Bord des Kreuzfahrtschiffs MV Hondius wurde nun ein erster Schweizer Staatsbürger positiv auf den Erreger getestet. Der Mann wurde umgehend isoliert.
Seit Jahren ist bekannt, dass Hantaviren von Nagetieren auf den Menschen übertragen werden können. Bei dem auf dem Kreuzfahrtschiff grassierenden Hantavirus handelt es sich aber wohl um die sogenannte Andes-Variante. Sie kommt in Südamerika vor und kann in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden.
Beim aktuellen Ausbruch stellen sich fünf brennende Fragen. Sie zeigen, wie viel zum Fall noch immer im Dunkeln liegt.
Wer war Patient null?
Argentinische Behörden haben laut der Nachrichtenagentur AP eine Theorie: Ein niederländisches Ehepaar hat sich laut Behördenmitarbeitern wohl bei einer Vogeltour in der Stadt Ushuaia mit dem Virus angesteckt.
Im Rahmen der Vogeltour sollen die Niederländerin (†69) und der Niederländer (†70) auch eine Mülldeponie besichtigt haben – und kamen dort womöglich mit Nagetieren in Kontakt. Offiziell bestätigt ist das aber noch nicht.
Wo kommen die Patienten nach Verlassen des Schiffs hin?
In diesem Punkt geht es chaotisch zu. So sind einige Passagiere allem Anschein nach bereits wieder in ihren Heimatländern, wie das Beispiel des Schweizers zeigt. Die zuständige Reederei erklärte am Donnerstag, dass rund 30 Passagiere das Schiff auf St. Helena, einer britischen Insel im Südatlantik, verliessen. Zunächst war von 23 beziehungsweise 40 Passagieren die Rede gewesen.
Die spanische Zeitung «El País» zitierte einen nicht namentlich genannten Passagier, der behauptete, dass viele Passagiere auf der Insel umhergeirrt seinen und erst vor drei Tagen Kontakt zu ihnen aufgenommen worden sei.
Laut dem anonymen Passagier sind mehrere Betroffene bereits in ihre Heimatländer weitergereist – unter anderem nach Australien, Taiwan, Nordamerika, England und in die Niederlande. Der anonyme Ferienreisende hatte nach eigenen Angaben auch Kontakt zum Schweizer Infizierten. «Ihm ging es nicht gut, er ging ins Spital.» Mit den 30 Passagieren ging auch die Niederländerin von Bord, die später in einem Spital im südafrikanischen Johannesburg verstarb.
Am Samstag soll die MV Hondius auf Teneriffa ankommen. Von dort aus soll am Montag die Evakuierung der verbliebenen Passagiere beginnen. Die «MV Hondius» war mit 88 Passagieren und 59 Crewmitgliedern aus 23 Nationen unterwegs.
Es ist zu erwarten, dass sie zunächst auf den Kanaren in Kliniken untersucht werden. Wie die Personen dann zurück in ihre Heimatländer kommen, ist noch unklar.
Reederei veröffentlicht Liste
Am Donnerstagmittag gab es ein Update zu den gesuchten Passagieren. Die verantwortliche Reederei «Oceanwide Expeditions» veröffentlichte eine Liste der Nationalitäten, die das Kreuzfahrtschiff am 24. April auf St. Helena verlassen haben.
- 1 Person aus Deutschland
- 7 Personen aus Grossbritannien
- 6 Personen aus den USA
- 3 Personen aus den Niederlanden
- 2 Personen aus der Schweiz
- 2 Personen aus Kanada
- 2 Personen aus der Türkei
- 1 Person aus Dänemark
- 1 Person aus St. Kitts und Nevis
- 1 Person aus Neuseeland
- 1 Person aus Singapur
- 1 Person aus Schweden
- 2 Personen unbekannter Herkunft
Unter den drei Personen aus den Niederlanden befindet sich auch die 69-jährige Frau, die später in Südafrika an den Folgen einer Hantavirus-Infektion verstarb.
Wurden auch Flugpassagiere infiziert?
Die WHO sucht nach Passagieren des Airlink-Flugs 4Z132, der am 25. April von St. Helena nach Südafrika flog. Auf diesem Flug befand sich die später verstorbene Niederländerin. Die Kontaktverfolgung läuft.
Eine Reisende, die nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch unterwegs war, hat sich nach Angaben der niederländischen Airline auch «kurzzeitig» an Bord einer KLM-Maschine befunden, die am 25. April um 23.15 Uhr Ortszeit von Johannesburg nach Amsterdam flog. Wegen ihres Gesundheitszustandes habe die Crew entschieden, die Frau nicht auf dem Flug mitreisen zu lassen, erklärte die Fluglinie am Mittwoch. Ob es sich dabei um die verstorbene 69-Jährige handelt, geht aus der KLM-Medienmitteilung nicht hervor. Am Donnerstagmorgen berichtete der niederländische Sender NOS, wurden alle Passagiere identifiziert, die sich an Bord des Flugs in die niederländische Hauptstadt befanden.
Wie wird nach Kontakten gesucht?
Behörden und WHO dürften sich bei der Nachverfolgung vor allem auf die Reise- und Kontaktkette konzentrieren. Das Ziel: eine möglichst lückenlose Rekonstruktion. Die Nachverfolgung dürfte sich in drei Bereiche aufteilen.
Erstens: die Kontakte der nachgewiesenen Infizierten an Bord des Schiffs, besonders bei längerem Zusammensein auf engem Raum.
Zweitens: die Kontakte vor der Einschiffung, falls sich bewahrheiten sollte, dass sich der erste Fall schon an Land infiziert hat.
Und drittens: die Passagiere von Evakuierungs- und Rücktransportflügen. Hier läuft die Suche bereits.
Wie erfolgt die Übertragung von Mensch zu Mensch?
Wie genau die Ansteckung von Mensch zu Mensch erfolgt, ist nicht abschliessend geklärt. Klar ist aber: Es passiert bei engem und längerem Kontakt zwischen Menschen. Etwa in Familien oder bei Kabinenpartnern. Eine Studie aus dem Jahr 2020, veröffentlicht im Fachmagazin «Frontiers in Microbiology», legt nahe, dass eine Übertragung des Andesvirus über die Atemwege oder Speichel möglich sein könnte.