Darum gehts
- Zwei Kinder in Portugal orientierungslos auf Landstrasse entdeckt, Eltern festgenommen
- Berichten zufolge wurden sie mit Augen verbunden und allein gelassen
- 41-jährige Mutter und 55-jähriger Stiefvater in Fátima verhaftet
Zwei kleine Kinder im Alter von vier und fünf Jahren sind in Portugal auf einer heissen Landstrasse zwischen Alcácer do Sal und Comporta im Bezirk Setúbal weinend und offenbar orientierungslos aufgefunden worden. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden sie von ihrer Mutter und ihrem Stiefvater zurückgelassen. Der Fall hat international für Aufsehen gesorgt.
Die Kinder, französische Staatsangehörige, wurden am Dienstagabend von einem Autofahrer entdeckt, der sie im Rückspiegel bemerkte und die Polizei alarmierte. Sie hatten keine Ausweispapiere bei sich. Laut Aussagen eines Zeugen gegenüber SIC Notícias erklärte der Junge auf Französisch, die Eltern hätten sie einfach zurückgelassen.
Alleine im Wald ausgesetzt
Die beiden Kinder trugen Rucksäcke mit wenig Inhalt – darunter etwas Kleidung zum Wechseln, zwei Orangen und zwei Flaschen Wasser. Besonders verstörend sind Berichte, wonach ihnen zuvor die Augen verbunden worden sein sollen. Anschliessend habe man ihnen laut Aussagen des Kindes gesagt, sie sollten ein «Spielzeug suchen». Erst nachdem die Augenbinde entfernt wurde, hätten die Kinder realisiert, dass sie allein waren.
Die Kinder wurden zunächst von einem Passanten in eine nahegelegene Bäckerei gebracht und anschliessend von der GNR (Nationalgarde der Republik) übernommen. Sie kamen ins Spital und stehen inzwischen unter dem Schutz der französischen Behörden bzw. des Jugend- und Familienschutzsystems in Portugal. Laut französischem Aussenministerium seien die Kinder «wohlauf» und würden weiterhin betreut.
Mutter und Stiefvater festgenommen
Im Verlauf der Ermittlungen konnten die mutmasslichen Verantwortlichen identifiziert und später festgenommen werden. Die GNR bestätigte die Festnahme einer 41-jährigen Frau und eines 55-jährigen Mannes in Fátima. Laut Behörde wurden sie auf einer Caféterrasse entdeckt, nachdem ein Passant sie erkannt und alarmiert hatte. Beide werden derzeit verhört. Die GNR ermittelt wegen Verdachts auf häusliche Gewalt sowie Aussetzung und Verlassen von Minderjährigen.
RTP berichtete zudem, dass die Mutter die Kinder ohne Zustimmung des Vaters ins Ausland gebracht haben soll. Die entsprechende Anzeige wurde bereits rund zehn Tage vor dem Fund der Kinder erstattet. Auch der leibliche Vater hatte zuvor Anzeige eingereicht.
Geschwister in staatliche Obhut gegeben
Die Staatsanwaltschaft hatte den Fall zunächst der Kriminalpolizei (Policia Judiciaria) zugewiesen, bevor er wieder an die GNR zurückgegeben und dort als Fall von häuslicher Gewalt geführt wurde. Parallel wurde das Verfahren an das Familien- und Jugendgericht von Santiago do Cacém übergeben. Dort handelt es sich um ein dringendes Verfahren im Sinne des portugiesischen Kinderschutzrechts.
Die Kinder wurden zwischenzeitlich in staatliche Obhut gegeben. Laut Behörden wurde eine Massnahme der familiären Pflege angeordnet. Eine offizielle Vermisstmeldung lag zum Zeitpunkt ihres Auffindens nicht vor.
Die Ermittlungen dauern in Portugal, Frankreich und Spanien weiterhin an. Behörden prüfen unter anderem Videoaufnahmen der Familie an einer spanischen Tankstelle. Die genaue strafrechtliche Einordnung des Falls ist noch nicht abgeschlossen.