Darum gehts
- Erdbeben in Neapel am Donnerstagmorgen, Stärke 4,4, deutlich spürbar
- Menschen flüchteten panisch auf die Strassen, viele wurden unsanft geweckt
- Dauer: Mehrere Minuten, betroffen: ganze Stadt und umliegende Gemeinden
Unsanftes Erwachen in Neapel: Am Donnerstagmorgen hat eine Erdbebenserie die Phlegräischen Felder in der italienischen Region Kampanien erschüttert. Das stärkste Beben ereignete sich um 5.50 Uhr und erreichte nach ersten Angaben eine Stärke von 4,4. Die Erschütterungen waren in ganz Neapel sowie in zahlreichen Gemeinden der Provinz deutlich zu spüren.
Nur wenige Minuten später folgten weitere Beben: um 5.53 Uhr ein Nachbeben der Stärke 1,2 und um 5.57 Uhr ein weiteres mit einer Stärke von 2,1. Derzeit dauert die Erdbebenserie an.
Das Epizentrum lag nach offiziellen Angaben in den Phlegräischen Feldern, einem sogenannten Supervulkan, der sich über den Westen der Stadt hinaus aufs Mittelmeer erstreckt. Mit 4,4 war das in der Region eines der stärksten Beben der vergangenen Jahre. Die Phlegräischen Felder werden seit geraumer Zeit von zahlreichen kleinen sowie manchmal auch starken Erdbeben heimgesucht.
Wenn Supervulkan ausbricht, droht Verwüstung
Würde der Supervulkan unter den Feldern ausbrechen, könnte er ganz Europa verwüsten. Die Bewohner bereiten sich seit Jahren auf eine Evakuierung vor. Blick-Reporterin Helena Graf war im Juni 2024 vor Ort und sprach mit den Menschen, die in der Gefahrenzone leben.
Beim Supervulkan handelt es sich nicht um einen einzelnen Vulkankegel wie etwa beim benachbarten Vesuv, sondern um eine gigantische Caldera – also um einen enormen Krater, der sich beim Einsturz einer Magmakammer nach heftigen Eruptionen gebildet hat.
Stadtrat Giacomo Bandiera (62) erklärte gegenüber Blick: «Schon bei den jetzigen Erdbeben erleben wir, dass der Katastrophenschutz nicht überall funktioniert.» Man müsse die Zeit nutzen, um Lücken zu schliessen.
Blick besuchte Erdbebenregion: «Die Behörden haben uns im Stich gelassen»
Der Evakuierungsplan sorgt bei der Bevölkerung für Unmut. Ein Vulkanologe kritisierte im Gespräch mit Blick-Reporterin Graf. «Der Evakuierungsplan der Behörden hätte wohl verheerendere Folgen als der Vulkanausbruch selbst!» Denn: Nach einem Erdbeben im Mai 2024 versuchten Bewohner, eigenständig mit dem Auto zu flüchten. «Die Behörden haben uns im Stich gelassen», sagte Laura Iovinelli damals zu Blick.
Wie die Zeitung «Corriere della Sera» berichtet, rannten auch an diesem Donnerstagmorgen zahlreiche Menschen aus Angst auf die Strassen. Mehrere Schulen blieben vorsorglich geschlossen. In den sozialen Medien schilderten viele Bewohner, sie seien unsanft aus dem Schlaf gerissen worden.
Bislang gibt es keine Berichte über Verletzte oder grössere Schäden.