Darum gehts
- In São Paulo stürzte Maria R. (†21) beim Bungee-Jumping tödlich
- Sicherheitsseil war nicht befestigt, Firma arbeitete ohne Lizenz
- Sechs Personen festgenommen, darunter ein Feuerwehrmann (32)
Ein tragischer Bungee-Jumping-Unfall im brasilianischen Bundesstaat São Paulo sorgt weltweit für Entsetzen. Maria R.* (†21) stürzte am Samstag rund 40 Meter in den Tod. Zwei Mitarbeiter einer nicht lizenzierten Bungee-Jumping-Firma stiessen sie von der «Ponte Torta» – ohne, dass sie an einem Seil gesichert war.
Ein schockierendes Video zeigt die letzten Sekunden der Studentin: Ausgestattet mit Helm und Gurt, halten zwei Männer sie in der «Superman-Position» – und werfen sie einfach über das Geländer. Im Hintergrund entsetzte Schreie von Zuschauern: «Das Seil, Leute, das Seil!» Laut der brasilianischen Militärpolizei erkannten die Männer ihren fatalen Fehler zu spät und ergriffen sofort die Flucht.
Die Krankenschwester Rayza Dias befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks am Unfallort und versuchte, sich zu der Absturzstelle am Fusse der Brücke durchzukämpfen. «Ich habe mir die ganze Hand aufgeschürft, weil es dort unten einen steilen Abhang gibt und wir nur ein Seil hatten, um hinunterzuklettern», erzählte Dias am Sonntag dem brasilianischen Fernsehsender Domingo Espetacular. «Alles war voller Schlamm. Ich ging immer weiter hinunter.» Unten angekommen, stellte die Frau fest, dass Maria R. noch am Leben war. «Ich habe sogar mit ihr gesprochen. Ich habe die Angewohnheit, zu scherzen und zu sagen: ‹In meiner Schicht stirbt niemand.› Und das sagte ich auch zu ihr.»
Mutter völlig verzweifelt
Besonders tragisch: Nur wenige Minuten vor ihrem tödlichen Sprung postete die Studentin noch ein Foto auf Instagram. Es zeigt ihre Eintrittsbänder und die Brücke. Dazu schrieb sie mit einem Augenzwinkern: «Wer war die verrückte Person, die mich von einer Brücke springen liess?»
Nach dem Unfall hat sich am Montag auch Marias Mutter zu dem unbegreiflichen Verlust geäussert. Auf Instagram schreibt sie: «Dieses verfluchte Seil hat dich mir für immer genommen. Meine geliebte Tochter, du bist fort, und alles, was hier zurückbleibt, ist Schmerz und Sehnsucht. Ich liebe dich für immer.»
R. hatte vor kurzem ihr Studium in Sportwissenschaft und Sportmanagement abgeschlossen. Sie arbeitete als Trainerin in einem Fitnessstudio. Als Zeichen der Trauer schloss das Studio vorübergehend, berichtet CNN Brasil.
Marias Mutter schreibt unter dem Beitrag weiter: «Meine geliebte Tochter, gerade heute wollte ich dich mehr als tausendmal umarmen. Wie sehr schmerzt mich dein Abschied». Und weiter: «Ich liebe dich für immer, meine Prinzessin. Und vielen Dank, dass du in diesen 21 Jahren Teil meines Lebens warst. Was für eine Ehre war es, dich Mama sagen zu hören. Gott, ich danke dir für dieses Privileg.»
Kinder mussten alles mitansehen
Augenzeugen berichten von chaotischen Szenen nach dem Unfall. «Es waren viele Leute dort, auch Kinder, manche erst sechs Jahre alt. Sie mussten alles mitansehen», sagte Higor Diniz gegenüber dem Sender EPTV. Menschen reagierten panisch und flohen vom Gelände.
Die beiden mutmasslichen Täter, 42 und 27 Jahre alt, versteckten sich zunächst in einem nahen Waldgebiet. Die Polizei jagte sie mit einem Helikopter und nahm sie schliesslich fest. Insgesamt wurden sechs Personen verhaftet, darunter auch ein Feuerwehrmann (32). Die Ermittlungen ergaben, dass das Unternehmen keine Genehmigung für den Betrieb an dieser Brücke hatte.
US-Student starb bei Sprung im Kanton Bern
Bungee-Jumping ist nur was für Adrenalinjunkies. Es sieht zwar gefährlich aus, aber normalerweise gelten, zumindest in der Schweiz, hohe Sicherheitsstandards. «In der Schweiz gab es beim Bungee-Jumping in den vergangenen 20 Jahren keinen einzigen tödlichen Unfall», schreibt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) auf ihrer Website.
Das stimmt. Der letzte tödliche Sprung stammt aus dem Jahr 2000. Damals wollten fünf junge amerikanische Studenten ihre Europareise mit einem Adrenalinkick krönen – einem Bungee-Sprung aus der Gondel der Schilthornbahn in Lauterbrunnen BE.
Die Instruktoren der damaligen Firma verwechselten im düsteren Wetter komplett die Seile. Statt des kurzen Seils (grüne Hülle) banden sie dem Studenten das lange 180-Meter-Seil (rote Hülle) an die Füsse. Ein US-Student prallte ungebremst auf eine Wiese neben einem Parkplatz und war sofort tot. Seine Freunde mussten die Eltern in den USA per Telefon informieren und reisten traumatisiert ohne ihren Kumpel ab.
* Name der Redaktion bekannt