Darum gehts
- Russland greift Kiew mit Drohnen an, Klitschko fordert Menschen auf, Schutzräume aufzusuchen
- Erste Angriffswelle sollte Luftverteidigung überlasten und zivile Ziele treffen
- Ukraine erwartet weitere Raketenangriffe auf Infrastruktur und Regierungsgebäude
Hauptstadt, Westen, Osten: Russland greift aktuell zahlreiche Regionen in der Ukraine an. Die Gouverneure der verschiedenen Oblasten rufen ihre Bevölkerung auf, Schutz zu suchen.
Hintergrund ist offenbar eine grössere Attacke. Russland hat nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR am Mittwoch eine gross angelegte, mehrstufige Luftoffensive gegen die Ukraine gestartet. Demnach bestand die erste Angriffswelle aus zahlreichen Drohnen, die gezielt eingesetzt worden seien, um die ukrainische Luftverteidigung zu überlasten und zivile Ziele anzugreifen.
Nach Angaben von Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew, stürzten Trümmer einer Drohne im Obolonski-Bezirk auf ein offenes Gelände. Rettungskräfte seien auf dem Weg zum Einschlagsort.
Hat zweite Phase begonnen?
In der westukrainischen Region Chmelnyzkyj seien laut Behörden drei Menschen verletzt worden. In Cherson wurden nach offiziellen Angaben sechs Buspassagiere sowie der Fahrer verletzt. Auch aus Odessa wurden zwei Verletzte gemeldet, wie der «Spiegel» berichtet.
Mittlerweile könnte die zweite Welle begonnen haben. Am Nachmittag meldete sich Miroslav Biletski, Regierungschef der Oblast Transkarpatien im äussersten Westen des Landes auf Telegram. «Der schwerste Angriff auf Transkarpatien seit Beginn der Invasion hat begonnen. In mehreren Ortschaften der Region waren Explosionen zu hören. Weitere Informationen folgen», so der Gouverneur. «Die Alarmbereitschaft besteht weiterhin! Ich appelliere an alle Bewohner der Region, ihre Schutzräume nicht zu verlassen!»
800 Drohnen und «Terror»
Auch auf die Region Saporischja laufen um 16.30 Uhr am Nachmittag Angriffe. Präsident Wolodimir Selenski (48) sprach von 800 Drohnen, die auf die Ukraine zuflogen. Sechs Menschen starben. Selenski bezeichnete den russischen Grossangriff als «Terror». «Es ist sicherlich kein Zufall, dass einer der längsten massiven russischen Angriffe gegen die Ukraine gerade zu dem Zeitpunkt stattfand, als der Präsident der Vereinigten Staaten zu einem Besuch in China eintraf – einem Besuch, von dem sich viele viel versprechen», so Selenski.
Laut HUR wird in einer weiteren Phase des Angriffs mit dem Einsatz von luft- und seegestützten Marschflugkörpern sowie ballistischen Raketen gerechnet. Als mögliche Ziele nennt der ukrainische Geheimdienst kritische Infrastruktur, Betriebe der Rüstungsindustrie und Regierungsgebäude.