Darum gehts
- US-Streitkräfte attackieren Iran zweite Nacht in Folge
- Trump droht mit weiterer Nacht von Militärschlägen
- Pentagon: «Zwangsdiplomatie» soll Iran zum Einlenken zwingen
US-Präsident Donald Trump (79) und sein Kriegsminister Pete Hegseth (46) machten gleich beide eine Iran-Ansage. Washington werde «heute starke Schläge ausführen, genau wie gestern», sagte Trump am Mittwoch vor Reportern im Weissen Haus. Vor Beginn der Bombardements erklärte Hegseth, die US-Streitkräfte in Nahost «haben heute Abend alle Hände voll zu tun, wir werden Iran hart treffen, wir werden wichtige Einrichtungen im Iran bombardieren».
Trump überwachte die US-Militärschläge mit dem Oberbefehlshaber aus dem Situation Room. 49 Tomahawk-Raketen seien auf den Iran abgefeuert worden. Er drohte mit einer dritten Nacht von Bombardements, wenn Teheran weiterhin keinem Deal zustimmen – sonst werde er «morgen Nacht den Scheiss aus dem Iran bomben», sagte er dem Sender Fox News.
Am Donnerstag verurteilte das iranische Aussenministerium US-Angriffe auf das Land und erklärte, diese hätten den Waffenstillstand vom 8. April «praktisch bedeutungslos» gemacht. In einer Erklärung hiess es: «Die Verantwortung für die äusserst schwerwiegenden Folgen dieser kriminellen Handlung liegt bei den Führern der Vereinigten Staaten.»
Gefechte bei Hormus?
Iranische Staatsmedien begannen vor Mitternacht MESZ Explosionen in mehreren Gebieten zu melden. Im Unterschied zu vergangener Nacht blieben die US-Militärschläge nicht auf Zielorte am Persischen Golf – oder wie die Amerikaner ihn nennen: am Arabischen Golf beschränkt. Auch in Teheran wurde die Luftabwehr aktiviert, selbst zwischen der Hauptstadt und Kaspischem Meer wurden Explosionen gemeldet.
Nach iranischen Angaben kam es zu Gefechten zwischen US- und iranischen Streitkräften bei der Strasse von Hormus. Iranische Streitkräfte würden US-Schiffe nahe der Strasse von Hormus mit Raketen und Drohnen angreifen, die Durchfahrt sei für Schiffe geschlossen – was Centcom dementierte. Hormus bleibe offen für die Passage von Schiffen. Die Revolutionsgarden erklärten zudem, ein amerikanischer F-16-Kampfjet sei von der iranischen Luftabwehr ins Visier genommen worden und habe sich daraufhin aus dem Luftraum zurückgezogen. Auch habe Iran wieder US-Militärbasen in Kuwait und Bahrain angegriffen. Unabhängig bestätigen liessen sich die Angaben zunächst nicht. Kuwait schloss vorübergehend seinen Luftraum.
Am Donnerstagmorgen lokaler Zeit gab die US-Botschaft in Jordanien eine Sicherheitswarnung an US-Bürger im Land aus. Sie wurden aufgefordert Schutz zu suchen, nachdem der Iran erklärt hatte, einen neuen Angriff auf einen US-Militärstützpunkt im Land gestartet zu haben. Von Berichten über Raketen, Drohnen oder Flugkörper im jordanischen Luftraum war die Rede. Die iranischen Revolutionsgarden behaupteten, sie hätten «Einrichtungen und eine grosse Anzahl von Kampfflugzeugen» auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Azraq in Jordanien «zerstört». Unabhängig liess sich dies nicht überprüfen. Es ist der zweite Tag in Folge, an dem den Stützpunkt ins Visier des Irans geraten ist.
Wurde kritische Energieinfrastruktur angegriffen?
Der arabische Newssender Al Jazeera meldete überdies, dass auch Israel Angriffe auf den Iran gestartet habe, was eine «bedeutende Eskalation der regionalen Spannungen bedeuten» würde. Später dementierte Trump gegenüber Fox News, dass Israel an den Angriffen beteiligt war.
Offen bleibt, ob die USA eine petrochemische Anlage im Gasfeld South Pars angriffen, wie iranische Medien meldeten. Ein Angriff auf kritische Energieinfrastruktur würde eine erhebliche Eskalation darstellen.
Bombendiplomatie
Dass die US-Führung die erneuten Militärschläge im Voraus ankündigt, ist eine neue Strategie, die von wachsender Zuversicht zeugt, Iran im Würgegriff zu haben. Bombenangriffe werden gewöhnlich nicht im Voraus angekündigt – es sei denn, man erachtet den Gegner militärisch kaum noch als Bedrohung und die Botschaft ist wichtiger als der Überraschungseffekt.
Trump hatte im Vorfeld seinen Zorn über die angeblich wetterwendischen Iraner zum Ausdruck gebracht. Er warf Teheran vor, sich bei den Gesprächen zur Beendigung des Krieges «dumm zu stellen» – «sie halten uns zum Narren, jetzt werden sie den Preis dafür zahlen müssen». Sein Land wolle ein «echtes und wirksames Abkommen». Er betonte, dass der «Iran zugestimmt hat, keine Atomwaffen zu besitzen, und nun muss er es unterzeichnen».
Wie aus Pentagon-Kreisen nach Beginn der zweiten Angriffswelle verlautete, handle es sich bei den Attacken um einen Akt von «Zwangsdiplomatie», um Teheran am Verhandlungstisch zu Zugeständnissen zu zwingen.
«Wenn wir mit Bomben verhandeln müssen, dann verhandeln wir mit Bomben», hatte Hegseth am Nachmittag bei einem Besuch des Centcom-Hauptquartiers in Florida erklärt. «Und darin sind wir sehr gut. Niemand auf der Welt ist besser.»