Darum gehts
- Mietpreise steigen, ländliche Kantone verzeichnen starken Zuwachs
- Seit Februar 2020 sind Mieten durchschnittlich 13,4 Prozent teurer geworden
- Wohnungsknappheit treibt Mieten in die Höhe, auch an peripheren Lagen
Wer einen Blick auf die Mieten des vergangenen Jahres wirft, stellt fest: Der Trend kennt eigentlich nur eine Richtung – nach oben. So sind die Angebotsmieten im letzten Jahr gegenüber 2023 um 2,8 Prozent gestiegen, wie aus Daten von Homegate und der Zürcher Kantonalbank (ZKB) hervorgeht, über die «20 Minuten» berichtete. Besonders auffällig sind die Zahlen aus den Kantonen Schwyz und Nidwalden. Hier legten die Preise um 10,5 respektive 9,3 Prozent zu. Und wenn wir noch weiter zurückschauen, werden die eher unerwarteten kantonalen Entwicklungen noch besser sichtbar.
Seit Februar 2020 sind die Mieten laut dem Bericht um durchschnittlich 13,4 Prozent teurer geworden. Und auch hier wird klar: Die ländlicheren Kantone verzeichnen einen starken Zuwachs. Überraschenderweise sind die Angebotsmieten im Kanton Schwyz mit 27,7 Prozent am stärksten geklettert, in Graubünden sind es 22,4 Prozent. Hinter Zürich sind auch die Innerschweizer Kantone Nidwalden (plus 20,4 Prozent) und Uri (plus 19,7 Prozent) an der Spitze anzutreffen.
Wieso steigen die Mieten auf dem Land stärker?
Es sind Zahlen, die nach einer Erklärung rufen. Jörn Schellenberg (52), Immobilienanalyst bei der ZKB, liefert sie. Er bestätigt gegenüber Blick: «Wer in den dicht besiedelten Zentren vergeblich nach einer bezahlbaren Bleibe sucht, weicht gezwungenermassen auf peripherere Lagen aus. So bleiben auch ländlichere Regionen nicht von den Preisanstiegen verschont.»
Die zwei Kantone mit der stärksten Mietzunahme haben zudem spezielle Voraussetzungen. «Der Grund für die starke Mietkostensteigerung im Kanton Schwyz dürfte die seit Jahren dynamische Wirtschaftsentwicklung in der Zentralschweiz sein», so der Experte. «Auch die Zusatznachfrage aus dem benachbarten Kanton Zürich spielt eine Rolle.»
Im Tourismuskanton Graubünden bleibt dafür die Nachfrage nach Zweitwohnungen hoch. «Wir sehen eine verstärkte Sanierungstätigkeit und die Umwandlung von Erst- in Zweitwohnungen. Das forciert die Knappheit», meint Schellenberg. Dass die Mieten dann steigen, ist logisch.
Viele leere Wohnungen im Jura
Auf der anderen Seite stehen die Kantone Jura und Neuenburg. Hier legten die Preise nur um 5,6 respektive 5,8 Prozent zu, wie die Zahlen von Homegate und der ZKB zeigen. Dementsprechend gibt es auch noch viele leere Wohnungen. «Der Jura hat aktuell mit 2,98 Prozent die höchste Leerwohnungsziffer aller Kantone», sagt der ZKB-Experte. «In Neuenburg liegt die Leerziffer mit 1,68 Prozent ebenfalls noch deutlich über dem schweizweiten Wert von 1,08 Prozent.» Darum lasse sich in diesen Kantonen noch relativ leicht eine Wohnung finden.
Es ist eine Entwicklung gegen den Strom. Im vierten Jahr in Folge gibt es in der Schweiz weniger leer stehende Wohnungen. Das grosse Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage treibt die Mieten weiterhin in die Höhe.