Darum gehts
- Das Ski-Verbundsabo Magic Pass plant im Kanton Zürich zu expandieren
- Chef Sébastien Travelletti erklärt, warum nicht überall neue Gebiete gefragt sind
- Dieses Jahr wurden bereits 383'000 Abos verkauft – so viele wie noch nie
Sébastien Travelletti (51) kann es kaum erwarten, bis überall in den Schweizer Bergen Schnee liegt. Der passionierte Skifahrer steht 80 Tage im Jahr auf der Piste. Er ist der Chef der Magic Mountains Cooperation – Herausgeber des Magic Pass. Sein Ski-Verbundsabo umfasst mittlerweile 47 kleinere und mittlere Skigebiete, vor allem in der West- und Zentralschweiz. Der Pass kostet – je nach Kaufzeitpunkt – 419 Franken pro Jahr und verschafft ganzjährigen Zugang zu den teilnehmenden Gebieten.
«Wir führen hier in der Region gerade Gespräche mit potenziellen neuen Mitgliedern für die nächste Saison», verrät Travelletti Blick beim Besuch im Ochsner Sport in Zürich. Damit neue Skigebiete aufgenommen werden, müssen zwei Drittel aller bisherigen Gebiete zustimmen. Der Entscheid fällt an der nächsten GV im kommenden März.
«Das grösste Potenzial haben der Kanton Zürich und seine angrenzenden Kantone», erklärt Travelletti. Ein Auge hat er auf Gebiete im Kanton Schwyz, Glarus, Uri und St. Gallen geworfen. Genaueres darf er nicht verraten. Doch klar ist: «Wenn wir mehr Gäste wollen, brauchen wir ein grösseres Netzwerk in dieser Region.» Es habe deshalb auch keinen Sinn, ins Bündnerland zu expandieren, solange die Gebiete dazwischen fehlen.
«Im Wallis und in Bern können wir dagegen keine neuen Gebiete mehr aufnehmen», sagt Travelletti weiter. Das ist auch der Grund, warum das Gebiet Saas-Grund VS abgelehnt wurde. Neue Mitglieder aufzunehmen, kostet viel Geld. Wenn dadurch nicht deutlich mehr Pässe verkauft werden, rechne sich das nicht.
Verkaufsrekord bei den Abos
Bisher wurden 383'0000 Pässe für die jetzige Wintersaison verkauft – so viele wie noch nie. «In der Schweiz sehe ich das Potenzial bei maximal 550'000 Abonnements», sagt Travelletti. Dann würde der Magic Pass ein Viertel aller Tageseintritte in Schweizer Skigebieten ausmachen. Doch dafür braucht es neue Gebiete.
Aktuell kostet der Magic Pass 576 Franken für Erwachsene. Die meisten schlagen jedoch bereits im März oder April zu – dann kostet der Pass 419 Franken. Bis Mitte Dezember steigt der Preis auf 944 Franken.
«In den nächsten fünf Jahren wird der Magic Pass 5 bis 8 Prozent teurer werden», prophezeit der CEO. Knapp ein Drittel der Gäste, die den Magic Pass nutzen, gehen achtmal oder weniger pro Jahr Ski fahren. «Diese Gäste würden wir verlieren, wenn wir die Preise drastisch anheben», sagt Travelletti. Im Schnitt nutzen die Gäste den Pass für 11 bis 12,5 Skitage im Jahr. Ganz angefressene Fahrer stehen bis zu 30 Mal auf der Piste.
Vor allem kleinere Skigebiete profitieren vom Magic Pass: Bahnen, die seit Beginn dabei sind, wie Villars-Gryon VD oder Grimentz-Zinal VS, haben den Umsatz seither um 70 bis 90 Prozent gesteigert. Das Gebiet Gstaad BE, das erst seit einem Jahr dabei ist, verzeichnet ein Umsatzplus von 42 Prozent. Doch Travelletti betont: Alle Skigebiete im Verbund haben profitiert.
Die Bahnen verdienen am Gesamtumsatz mit. Der Anteil richtet sich nach dem günstigsten Ticketpreis: Gibt ein Skigebiet also hohe Rabatte, verdient es weniger mit dem Magic Pass.
Mit dem Zug ins Skigebiet
Ab dem 1. November profitieren die Gäste neu von der Funktion Magic Pass Travel. Wer den Pass besitzt, darf fünfmal im Jahr mit dem ÖV gratis zum gewünschten Skigebiet fahren.
Doch Achtung: Die Tickets können nur sieben Tage im Voraus gebucht werden – wegen der Kontingente. «Unser Ziel ist es, dass unsere Gäste das Angebot 100'000 Mal nutzen», so Travelletti. Für die Tickets hat die Magic Mountains Cooperation 3,8 Millionen Franken investiert. Dabei müssen die Tickets direkt über die Magic-Pass-Website gebucht werden und nicht über die SBB. Bisher fahren gerade mal 5 Prozent der Gäste mit dem ÖV zum Skigebiet.
Drei Prozent der Magic-Pass-Kunden fahren überhaupt kein Ski. Sie nutzen den Pass zum Wandern, Schneeschuhlaufen oder einfach, um die Berge zu geniessen.
Generell machen 69 Prozent der Gäste bereits mindestens einmal im Sommer Gebrauch vom Magic Pass. Dieses Jahr so oft wie noch nie: «Der Sommer macht mittlerweile mehr als 20 Prozent aus», so Travelletti. Bei der Lancierung waren es weniger als 10 Prozent.
Chef träumt von Zermatt
Mittlerweile hat die Skisaison gestartet. Das Engadiner Skigebiet Diavolezza, das nicht zum Magic-Pass-Verbund gehört, öffnete bereits letztes Wochenende.
Auch Travelletti stand letztes Wochenende bereits auf den Ski: «Ich bin ein riesiger Zermatt-Fan. Ich verbringe mehr als 20 Tage im Jahr dort auf der Piste.»
Dass Zermatt wohl nie zum Magic-Pass-Verbund gehören wird, ist Travelletti bewusst: «Zermatt spielt in der Champions League – wir eher in der Europa League. Aber träumen darf man ja.»