Darum gehts
- Discounter Action eröffnet erste Filiale in Bachenbülach ZH
- Eröffnung fand mit grossem Kundenandrang und Überraschung statt
- Action hat fast 3000 Filialen und 18 Millionen Besucher wöchentlich
Jetzt wirds richtig billig! Heute Samstag hat der niederländische Discounter Action seine erste Schweizer Filiale in Bachenbülach ZH eröffnet. Mit einer kleinen Zeremonie, mit Ballonen und zerschnittenem Band – um 9 Uhr wäre es soweit gewesen. Doch es kam anders.
Das Interesse ist schon um 8 Uhr gross: Mehrere Dutzend Kunden warten vor Ladeneröffnung vor dem neuen Action-Store, wie Blick vor Ort sieht. Kein Wunder: Im Internet war die Öffnung um 8 Uhr angekündigt worden. Action-Angestellte bitten bei wartenden Kunden um Entschuldigung und Geduld, schicken sie wieder weg: «Wir machen erst um 9 Uhr auf».
Da der neue Action in der oberen Etage des Einkaufszentrums Parkallee zu finden ist, gehen einige, statt zu warten, vorerst in die anderen Läden. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Action finden sich Konkurrenten wie Lidl, Otto's, Denner oder Migros Outlet.
Doch dann haben die Angestellten ein Einsehen. Und reagieren. Sie öffnen den Laden bereits um 8.45 Uhr – 15 Minuten früher als geplant. Ohne Ansprache. Die Menschen drängen in den Laden.
Grosser Ansturm am ersten Tag
Die ersten Spontanreaktionen: Überraschung über die Grösse des Ladens – es sind 1150 Quadratmeter – und die Breite des Angebots. Die Kundschaft ist aus der ganzen Deutschschweiz angereist, aus St. Gallen, Graubünden oder Luzern. Das Gedränge im Laden ist gross, schon nach wenigen Minuten hat es vor den Kassen Schlangen. Dennoch ist die Stimmung gut, es gibt kein Gerangel oder Streitigkeiten.
Das Action-Personal – normalerweise arbeiten 20 Personen im Laden, heute sind es noch ein paar mehr – hilft freundlich bei der Orientierung oder beim Einpacken. Filialleiterin Michelle Büki hat alle Hände voll zu tun. Bereits um 11 Uhr gibt es Warteschlangen vor dem Eingang. Die Rolltreppe zur oberen Verkaufsebene wird zwischendurch abgestellt, so viele Leute wollen in den Action.
Im benachbarten Health & Beauty Corner sind Geschäftsführerin Denise Visconti und Kollegin Ivana Djordjevic nicht etwa genervt über die Menschenmassen, sondern geben fleissig Kaffee und Häppchen aus. Es ist ein Fest im Einkaufszentrum, das auch morgen Sonntag geöffnet sein wird.
Vor Ort ist auch Action-Generaldirektorin Hajir Hajji (44). Die Marokkanerin erklärt gegenüber Blick: «Wir garantieren, immer die tiefsten Preise zu haben.» Bei 6000 Produkten im Shop, davon jede Woche 150 neue, gar nicht so einfach. Möglich seien die tiefen Preise dank des Konzepts, das konsequent auf Retail-Discount ausgerichtet ist: Keine Frischwaren, klare Lieferketten – die Ware kommt täglich per Lastwagen aus dem deutschen Verteilzentrum Biblis – und viel Flexibilität. Hajji legt Wert auf die Feststellung: «Wir sind nicht nur günstig, sondern bieten auch Qualität.»
Der Laden sieht, trotz der grossen Besuchermenge, sauber und übersichtlich aus. Schnörkellos, aber überhaupt nicht schmuddelig oder «Warenhaus-mässig», wie teils angeprangert.
Grosses Potenzial in der Schweiz
Insgesamt verfügt Action – man spricht es übrigens «Äktschn» aus und nicht «Aggsion» – derzeit über fast 3000 Filialen europaweit und verzeichnet über 18 Millionen Besucher pro Woche. 80'000 Mitarbeiter sind beim Unternehmen angestellt, rund 100 schon jetzt in der Schweiz.
Hierzulande stehen die nächsten Eröffnungen nämlich bald an: In Martigny VS am 24. April, in Monthey VD am 8. Mai, in Winterthur Neu-Hegi am 26. Juni. Ebenfalls fix sind zwei Eröffnungen in der Peripherie von Freiburg, in Granges-Paccot FR und in Matran FR. Zum Jahresende hin seien weitere Eröffnungen geplant, etwa in Olten SO oder Delémont JU.
Der kanadischstämmige Schweiz-Chef Robin Roy (42) will sich noch nicht auf eine Zielgrösse bei der künftigen Anzahl Schweizer Filialen festlegen. Auf die Schätzung, dass es künftig 60 bis 70 Schweiz-Filialen gibt, antwortet Chefin Hajji aber: «Ich sehe ein deutlich höheres Potenzial in der Schweiz.» Roy, zuvor für Frankreich zuständig, erhöhte die Anzahl Filialen dort innerhalb von 10 Jahren von 30 auf 850.
Die Tiefpreise ziehen
Auf die Frage, ob die Nähe zu Lidl oder Denner stört, führt Hajji aus: «Man kann uns nicht vergleichen – sie konzentrieren sich auf Nahrungsmittel, wir auf Nonfood.» Sie sieht sich als Ergänzung: «Wir sind ein Supermarkt für Nonfood.» Obwohl es natürlich ein paar Nahrungsmittel hat, allerdings nur im Bereich Schokolade, Snacks und Getränke.
Hajji führt aus, dass die Schweiz wegen ihrer höheren Kostenstruktur möglicherweise ein bisschen Preisanpassung machen müsse. Ein Augenschein zeigt aber: Bislang bewegen sich die Schweizer Preise auf demselben Niveau wie jene in Deutschland. Auch visuell unterscheidet sich der Action in Bachenbülach nicht von jenen ennet der deutschen Grenze. Klassisch schweizerische Produkte sieht man bislang kaum. Das kümmert die Kundschaft offenbar nicht. Hajji meint, es würden sicher noch etwas mehr Schweizer Produkte dazukommen, «eingeschweizert» wird Action aber nicht: Man setzt auf das europaweite Konzept.
Dagmar Jenni (56), Direktorin der Swiss Retail Federation, ist zugegen: «Wir freuen uns über diese Eröffnung und weitere, weil das Arbeitsplätze in der Schweiz hält und sogar schafft.» Sie geht davon aus, dass Action eine Alternative für Personen ist, die bisher oft ihre Nonfood-Artikel über Onlinehändler wie Temu kauften.