Auf einen Blick
- Der vermeintliche Doping-Fall um Curling-Ass Briane Harris erinnert an Imogen Simmonds
- Die Kanadierin wurde nach einem Jahr freigesprochen
- Die gefundene Substanz wurden durch Körperflüssigkeiten ihres Ehemanns übertragen
Ihr drohte eine vierjährige Dopingsperre. Doch dann erhielt die kanadische Weltklasse-Curlerin Briane Harris (32) bei ihrem Berufungsprozess am Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne recht. Das CAS sprach Harris in diesem Januar vom Dopingvorwurf frei – es sei glaubwürdig, dass die gefundene Substanz Ligandrol unbeabsichtigt durch Austausch von Körperflüssigkeiten mit ihrem Mann in ihr Blut gelangt sei.
Der Fall um Harris erinnert stark an den am Mittwoch publik gewordenen Fall um die Schweizer Triathletin Imogen Simmonds (31). Die Genferin mit britischen Wurzeln spricht ebenfalls von einem Ligandrol-Fund – auch sie macht geltend, sie habe das verbotene Mittel für Muskelwachstum selber nicht eingenommen. Und auch Simmonds schildert, dass es ihr Lebenspartner war, der Ligandrol einnahm – dann sei es durch intime Beziehungen, vermutlich Sex, auch in den Körper der Weltklasse-Langdistanz-Triathletin gelangt.
Elf Monate bis zum Freispruch
«Es ist wirklich schwer, sich vor so etwas zu schützen, besonders wenn man nicht weiss, dass der Ehepartner solche Dinge nicht einnehmen darf. Das wurde uns nie beigebracht», erklärte Harris gegenüber der «Winnipeg Sun». Die 32-Jährige hatte nach der positiven Dopingprobe im Februar 2023 einen Anwalt genommen und elf Monate um ihre Unschuld gekämpft.
Dass die Kanadierin bei einem scheinbar vergleichbaren Fall freigesprochen wurde, kann der Schweizerin Simmonds Mut machen. Allerdings muss sie sich auf eine harte Zeit einstellen. Harris schildert, dass die Zeit vom Dopingfund bis zum Freispruch enorm anspruchsvoll war.
Denn die Suspendierung hatte weitreichende Folgen für Harris. Sie durfte elf Monate lang nicht mit ihren Teamkolleginnen oder ihrem Trainer über den Sport sprechen und durfte auch nicht für ein Training aufs Eis. Auch nicht alleine. «Diese Regeln sind wirklich heftig», sagt Harris. «Ich stimme vielen von ihnen nicht zu. Und ich bin mir nicht einmal sicher, ob die Regeln wirklich so streng sind. Es ist so schwer, die Formulierung der Regeln zu verstehen, und was tatsächlich erlaubt ist und was nicht.»
Australische Studie hält Sex als Grund für plausibel
Harris hatte im Team von Skip Kerri Einarson (37) an den beide Male vom Schweizer Tirinzoni-Team gewonnenen Weltmeisterschaften 2022 und 2023 zweimal WM-Bronze geholt. Dann kam am Vorabend der prestigeträchtigen kanadischen Landesmeisterschaft der Doping-Hammer. Die Isolation fernab des Sports forderte ihren Tribut. «Es ist einfach schwer für jeden, egal, wie mental stark man ist», erklärte Harris. «Wenn man seine dunkelste Zeit durchmacht, ist es wirklich herausfordernd.»
Bereits vor den Fällen Harris und Simmonds schlüsselte eine australische Studie auf, dass eine Dopingkontamination durch Geschlechtsverkehr plausibel sein kann. Doch Simmonds steht noch am Anfang ihres Wegs zum erhofften Freispruch: Auf sie warten viele Monate der Ungewissheit.