Deutschlands Ski-Papst Felix Neureuther spricht nach dem ersten Akt des finalen Riesenslaloms in diesem Weltcup-Winter alles andere als salbungsvolle Worte aus: «Der kroatische Trainer hat einen Parcours gesetzt, der ganz schlechte Werbung für den Sport war! Total unrhythmisch, viel zu drehend – das hatte wenig mit einem Riesenslalom zu tun. Und ich habe Marco Odermatt noch nie so schlecht Skifahren gesehen, wie in diesem ersten Lauf!» Mit einer knappen Sekunde kann der Nidwaldner den Rückstand auf den überragenden Halbzeit-Leader Loïc Meillard trotzdem in Grenzen halten.
Meillard schafft den Hattrick
Und in seinem letzten Lauf des Winters zündet Odermatt vom sechsten Zwischenrang aus noch einmal eine echte Rakete. Dem 27-Jährigen kommt entgegen, dass der Österreicher Wolfgang Auderer den zweiten Durchgang etwas flüssiger setzt. Somit kann der vierfache Gesamtweltcupsieger am Österreicher Stefan Brennsteiner, am Brasilianer Pinheiro Braathen und am Norweger Henrik Kristoffersen vorbeiziehen.
Doch einer ist an diesem Tag selbst für König Marco zu stark – Teamkollege Meillard ist in der Endabrechnung 95 Hundertstel schneller! Damit feiert der Slalom-Weltmeister aus dem Wallis nach dem Double in Hafjell (Nor) seinen dritten Weltcupsieg in Serie. Während Odermatt nach seiner grandiosen Aufholjagd von den Emotionen überwältigt im SRF-Interview einige Tränen vergiesst, schaut Meillard ganz nüchtern dem Slalom vom Donnerstag entgegen, indem er im Krimi um die kleine Kugel 47 Punkte auf Henrik Kristoffersen gut machen muss: «Das wird eine brutal schwierige Aufgabe für mich. Sein dritter Rang im Riesenslalom ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich auch Henrik auf diesem Frühlings-Schnee besonders wohlfühlt.»
Zurück zu Marco Odermatt, der nach diesem Finale genau wie im letzten Winter mit vier Kugeln (Gesamtweltcup, Abfahrt, Super-G und Riesenslalom) im Gepäck die Heimreise antreten kann. Kurz nach der Sieger-Zeremonie unterläuft dem grossen Champion jedoch ein seltenes Missgeschick. Was ist passiert? Odermatt hat den Sockel der kleinen Riesen-Kugel abgebrochen. «Kurz nach der Aufnahme des obligaten Fotos mit der ganzen Mannschaft ist Marco die Kugel entglitten», erläutert Keystone-Fotograf Jean-Christophe Bott. Odermatt macht aber selbst aus diesem Malheur das Beste, indem er die wertvollen Kristallscherben an seine Betreuer verteilt. Der Superstar bringt mit dieser Geste zum Ausdruck, dass die stillen Arbeiter im Hintergrund einen wichtigen Anteil an seinen Kugeln haben.