Darum gehts
- Mary Hanna, 70, reitet auf Weltklasse-Niveau im World Cup
- Hanna zieht ruhige Pferde vor, um Stürze zu vermeiden
- Mary Hanna will an die Olympischen Spiele in Los Angeles
In dem Jahr, in dem Charlotte Fry, die jüngste Teilnehmerin der Dressur World Cup Finals in Basel, geboren wurde, nahm Mary Hanna, die älteste Teilnehmerin, an ihren ersten Olympischen Spielen teil. Nun, 29 Jahre und sieben Olympia-Teilnahmen später, ist die 70-jährige Australierin dreifache Oma und reitet immer noch auf Weltklasse-Niveau.
«Sobald ich auf dem Pferd sitze, fühle ich mich nicht mehr alt. Mit dem Laufen habe ich manchmal Mühe und ich fühle mich etwas steif, aber wenn ich reite, fühlt es sich so an wie immer», sagt Hanna mit leuchtenden Augen.
Nachdem sie an den Olympischen Spielen in Paris als Backup-Athletin angereist war, hatte sich die damals 69-Jährige überlegt, den Spitzensport an den Nagel zu hängen. Trotzdem tritt sie diese Woche im Weltcup-Finale in Basel an. Dafür gibt es Gründe.
Ein kleiner Fisch im grossen Teich
«Olympia war eine Inspiration für mich. Dieser Sport entwickelt sich in eine so tolle Richtung und ich möchte unbedingt ein Teil davon sein.» Also entschied sich Hanna kurzerhand, mit dem Reitsport weiterzumachen. Ihr grosses Ziel? Zum achten Mal in einer olympischen Arena reiten zu dürfen. Nämlich in Los Angeles 2028. «Für mich geht es nicht darum, zu gewinnen. Aber ich möchte die beste Version meiner selbst sein und mich immer weiter pushen.»
Ausserdem liebt Hanna auch in ihrem hohen Alter das Abenteuer. Das Reiten erlaubt es ihr, die ganze Welt zu bereisen. So bleibt die Australierin mit Leuten in Verbindung, die sie schon seit Jahren aus dem Sport kennt. «Ich möchte kein riesiger Fisch in meinem eigenen kleinen Teich sein. Ich bin viel lieber ein kleiner Fisch im grossen Ozean», fasst die Dressurreiterin ihre eigene Mentalität zusammen.
Das Alter spielt eine Rolle
Trotz ihres jung gebliebenen Geistes hat ihr Alter bei einigen Entscheidungen ein Wörtchen mitzureden. «Früher sah ich die ‹Problempferde› als Herausforderung. Nun ziehe ich ein ruhiges, vertrauenswürdiges Pferd vor, denn ich bin nun mal schon 70 und würde ungern abgeworfen werden», erklärt die siebenfache Olympiateilnehmerin mit einem Schmunzeln.
Angst vor Unfällen hatte Hanna trotzdem nie. «Beim Reiten kommt so vieles auf die Instinkte und das Muskelgedächtnis an. Ich versuche, das Pferd nicht mit Kraft zu dominieren, es ist vielmehr ein ständiger Austausch. Das Pferd ist ein Spiegel des Reiters, und das ist es, was ich an dieser Sportart so wunderschön finde. Ich sass noch nie auf einem Pferd und habe mir währenddessen Sorgen gemacht, runterzufallen.»
«Man muss das Beste aus jedem Tag machen»
Dass Hanna noch immer ihrer Passion nachgehen kann, sieht sie nicht als selbstverständlich. Ende 2023 wurde in ihrem Gesicht Hautkrebs entdeckt, der mit Hilfe von Chemotherapie und Radiostrahlungen entfernt wurde. «Nach so einer Erfahrung schätzt man wirklich jeden Tag aufs Neue. Und wenn man eine Chance wie diese hat und seiner Leidenschaft nachgehen kann, dann macht man das einfach.»
Mary Hanna wird am Freitag, 4. April, um 15:11 Uhr mit ihrem Pferd Ivanhoe bei den World Cup Finals in Basel antreten und zweifelsohne ihr Bestes geben. Und das, obwohl sie mehr als doppelt so alt ist wie die jüngste Teilnehmerin.