Auf einen Blick
- Biel schafft Sensation und schlägt Lugano 2:0 im Schweizer Cup
- Mehrere Lugano-Spieler lassen nach Spielende ihren Frust raus
- Trainer Croci-Torti nahm nach YB-Spiel neun Wechsel vor
Draussen auf dem Feld feiern die Bieler vor ihrem Anhang den 2:0-Sensationssieg. Im Spielereingang kracht es gleich mehrmals, als die unterlegenen Luganesi sich aus dem Staub machen. Ayman El-Wafi tobt, Renato Steffen schlägt mit der Faust gegen die Tür und Albian Hajdari knöpft sich die Unparteiischen vor: «Das war ganz schwach, ganz schwach», schreit er ihnen aus nächster Nähe ins Gesicht.
Gut möglich, dass Biels Omer Dzonlagic vor dem 1:0 hauchdünn im Abseits gestanden hat. Man wird es nie erfahren, weil der VAR an diesem kalten Abend nicht zugegen ist.
Dem Schiedsrichtergespann die Schuld in die Schuhe zu schieben, das wäre dann aber doch allzu billig. Die Bieler haben den Sieg nicht gestohlen, auch wenn sie in der Schlussphase ziemlich viel Glück in Anspruch nehmen müssen.
Zu viele Änderungen von Croci-Torti?
Luganos Trainer Croci-Torti will nicht über den Schiedsrichter sprechen. Als er nach den TV-Interviews in den Spielereingang tritt, setzt er sich zuerst auf den Trog, wo die Bieler Amateure sonst ihre Schuhe mit der Bürste putzen. Die Blicke leer. Es brodelt auch in ihm, so viel ist klar. Aber vielleicht hat er mit seinen neun (!) Wechseln im Vergleich zum letzten Sonntag, als man bei YB spielte, auch ein falsches Signal ausgesendet.
«Wir haben viele schwierige Partien, wir haben angeschlagene Spieler, aber unser Kader muss das verkraften», sagt Croci-Torti. Steffen und Zanotti bringt er erst nach einer Stunde. «Wir waren zu wenig gut heute, Biel hat es hervorragend gemacht. Unsere Ballverlagerungen waren schwach, wir waren schlecht im letzten Drittel.»
Croci-Torti hat am Spielfeldrand wie immer alles gegeben, er hat geschrien, dirigiert. «Wir haben keine Räume gefunden, die Bieler haben gelitten, sie wollten leiden.» Das sei der Unterschied gewesen. «Heute weinen wir, aber morgen müssen wir wieder aufstehen.»
Frust-Rot von Steffen
Wie dünn das Nervenkostüm bei den Tessinern ist, zeigt sich kurz vor Schluss, als Steffen den enteilten Bieler Sartoretti mit einer Grätsche von hinten von den Beinen holt: Notbremse – Rot! Sekunden später kann Luganos Torhüter Osigwe, der weit nach vorne gestürmt ist, von Glück reden, dass er nicht ebenfalls Rot sieht.
Seine Grätsche von hinten, erneut gegen Sartoretti, trifft das Bein des Stürmers nicht, dafür kann dieser den Ball ins leere Tor schieben. Sekunden später ist Schluss. Auf dem Feld jubeln die unterklassigen Bieler, in den Katakomben toben die Tessiner. Cup halt!