Friedensrichter Marthaler steigt in den Ring
Darum kommt es bei SwissBoxing zur Kampfwahl

Bei SwissBoxing gibt es einen harten Fight ums Präsidentenamt. Blick besuchte Herausforderer Thomas Marthaler.
Publiziert: 21.02.2025 um 11:31 Uhr
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Aktualisiert: 21.02.2025 um 16:41 Uhr
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Thomas Marthaler (63) kandidiert für das Präsidium von SwissBoxing. Hier ist er in seinem Büro in Wiedikon ZH.
Foto: zVg
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Patrick MäderAutor Blick Sport

Thomas Marthaler will Präsident von SwissBoxing werden. Der 63-Jährige ist eine Erscheinung: 1,96 Meter gross, schlank, freundlich, Friedensrichter in Zürich. Sein Büro befindet sich im Quartier Wiedikon in derselben Strasse, in der Marthaler als junger Kerl neben der Lehre als Spediteur 1977 in einem Gym mit dem Boxen angefangen hat.

Als Halbschwer- und Schwergewichtler feierte er schnell Erfolge, wurde mehrere Male Schweizer Meister, dann schulte er sich auf dem zweiten Bildungsweg zum Akademiker um. Politische Erfahrung zeichnet ihn aus. Der vierfache Familienvater ist ein guter Kommunikator, der weiss, wie man auf Menschen zugeht und Konflikte löst.

Ende Januar hat ihn der Zürcher Boxverband als Kandidat für die Präsidenten-Wahl im April portiert. An der ordentlichen Mitgliederversammlung von SwissBoxing steigt er als Herausforderer gegen den amtierenden Präsidenten Amir Orfia aus Lausanne in den Ring.

Aufnahme bei World Boxing

Orfia, dreissigjährig, smarter Typ mit Charme und Überzeugungskraft, ist seit Sommer 2023 im Amt. Unter seiner Führung ist SwissBoxing aus dem umstrittenen Verband IBA ausgetreten, der beim IOC wegen korrupten Machenschaften in Ungnade gefallen ist, und in den neu gegründeten Verband World Boxing (WB) eingetreten. Am vergangenen Dienstag wurde die Mitgliedschaft im neuen Weltverband nach Vorbehalten bestätigt, was SwissBoxing nach hektischen Monaten zwischen Stuhl und Bank die Zukunft sichert und den Boxerinnen und Boxern den Traum von Olympia erhält.

Das ist viel Action für einen Schweizer Sportverband und man könnte meinen, dass jetzt alles gut ist. Trotz der Vergangenheit von Orfia als Mitarbeiter bei der IBA, was World Boxing in einem ersten Schritt zur Zurückweisung des Mitgliedschaftsantrags der Schweizer bewog, hat es jetzt doch noch geklappt.

Trotzdem hält Marthaler an seiner Kandidatur fest und begründet das so: «Die Stimmung im Verband ist nicht gut. Es fehlt an Transparenz, es gibt Kritik an der Geschäftsführung, die Kosten sind massiv gestiegen, es herrscht Misstrauen und Unruhe.»

Vorbehalte gegen Orfia

Tatsächlich gibt es eine gewichtige Gruppe innerhalb des Verbandes, die das ändern und Orfia loswerden will. Für diese Gruppe kommt Marthaler wie gerufen. Ein Friedensrichter, der kaum aneckt, Respekt geniesst, viel Erfahrung mitbringt, der integrativ wirkt und sich nicht als König aufführen möchte.

«Ich bringe sicherlich viel Erfahrung mit und möchte den Verband in ruhigere Gewässer führen. Aber zaubern kann ich auch nicht. Schön wäre, wenn alle am gleichen Strick ziehen würden, sodass wir diese neue Ausgangslage, die wir jetzt als Mitglied von World Boxing vorfinden, optimal nutzen können. Wichtig ist, unseren Boxerinnen und Boxern ein bestmögliches Umfeld und gute, ehrliche Betreuung bieten zu können.»

Marthaler will Orfia nicht direkt kritisieren – da ist er ganz Friedensrichter. Er betont, dass er die Kandidatur nicht gesucht habe, sondern angefragt worden sei, und sich diese Aufgabe nach reiflicher Überlegung auch zutrauen würde. «Ich bin motiviert, den Job zu übernehmen, den Verband zu einigen und den Boxsport in der Schweiz vorwärtszubringen.»

Neben der fehlenden Transparenz werden Orfia von einigen Funktionären weitere Punkte vorgeworfen, die Marthaler nicht ansprechen mag. So die vermeintliche Selbstinszenierung, die leeren Versprechen, was die Suche nach Sponsoren angeht und die Verschleppungstaktik, als es darum ging, World Boxing davon zu überzeugen, dass man sich endgültig von der IBA losgesagt habe.

Kampfwahl im April

Marthalers Kandidatur ist allerdings keine Garantie, dass er im April auch gewählt wird. Obwohl die stimmberechtigten Vereine aus der deutschen Schweiz klar in Überzahl sind, hat Orfia durchaus Argumente und Freunde. Nach siebzehn Jahren unter der Führung des Thurgauers Andreas Anderegg, hat Orfia 2023 mit seiner Wahlrede, seiner einnehmenden Art, viele begeistert und einen neuen Aufbruch ausgerufen. Der Lausanner ist auch jetzt bereit, den Kampf mit Marthaler aufzunehmen. Von Widerständen lässt er sich nicht entmutigen.

Das verspricht Spannung und eine Art Generationen- und Röschtigraben-Kampf. In der einen Ecke der dreissigjährige Welsche, der seine fehlende Erfahrung mit Jugend und smartem, keckem Auftreten wettmacht. In der anderen der 63-jährige Brückenbauer, der als Sozialdemokrat auf 25 Jahre Politikerfahrung bauen kann und auf das Miteinander setzt. Die Mitglieder haben am 26. April die Wahl. Let's rumble!

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