Vera Kronenberg (35) steht das Wasser bis zur Hüfte, als sie den Briefkasten vor ihrem Daheim in Lauerz SZ leert – drin ist nichts, der Pöstler schafft den abenteuerlichen Weg zum Haus nicht mehr. Ausgerüstet mit Fischerhosen und Neoprenanzug, stapft die Arbeitsagogin quer über den überschwemmten Hausplatz und zeigt auf ein paar kümmerliche Pflanzen, die aus dem Dreckwasser ragen: «Da ist eigentlich mein Gemüsegarten. Jetzt schwimmen die Enten hier durch und fressen mir die verbliebenen Tomaten von den Stauden.»
Bereits am Donnerstagabend habe sich der Lauerzersee den Weg in das Quartier gesucht. Innert kürzester Zeit sei der Pegel enorm angestiegen – und habe wohl seinen Höchststand immer noch nicht erreicht, befürchtet die Hobby-Kanutin: «Wenn man hier wohnt, dann ist man sich Überschwemmungen gewohnt – leider. So schnell ist das Wasser aber seit Jahren nicht mehr gestiegen, und die Wetterprognosen sehen immer noch nicht gut aus.»
Ameisen als Unwetter-Radar
Die 35-Jährige und ihr Mann werden daher vorübergehend zu Freunden ziehen, denn: «Bald dürfte auch der Stromkasten unter Wasser stehen, und dann funktioniert hier nichts mehr.» Erinnerungsstücke hat das Paar zur Sicherheit frühzeitig auf dem Dachboden eingelagert, sämtliche elektronischen Geräte sind bereits ausgesteckt. Diese Vorbereitungen hätten sie dank eines natürlichen Frühwarnsystems getroffen, meint die Anwohnerin schmunzelnd: «Wir wissen immer, wenn ein Hochwasser droht. Dann dringen nämlich jeweils Ameisen in das Haus ein.»
Für Kronenberg ist es hoffentlich die letzte Überschwemmung im Niedermatten-Quartier – ihr Vermieter hat nämlich Eigenbedarf angemeldet. «Wir waren eigentlich sehr traurig, das Haus hier verlassen zu müssen. Das Unwetter hat uns jetzt aber gezeigt, dass es wohl besser ist», so die Feuerwehrfrau. «Auch wenn die Lage am See an 360 Tagen im Jahr ein Traum ist, für die restlichen fünf Tage ist es wegen des fehlenden Hochwasserschutzes ein Albtraum. Meine Sommerferien werde ich jetzt wohl mit Aufräumen verbringen müssen.»