Darum gehts
- Finnland bleibt glücklichstes Land, Schweiz rutscht auf Platz 13 ab
- Costa Rica und Mexiko erstmals in den Top 10
- USA fallen auf Platz 24, ihre schlechteste Platzierung bisher
Wir können stolz sein. Die Schweiz bleibt das glücklichste deutschsprachige Land. Das ist das Ergebnis vom Weltglücksbericht, der alljährlich von einem interdisziplinären Forscherteam um das Wellbeing Research Centre der Universität Oxford zum Weltglückstag am 20. März veröffentlicht wird. Allerdings waren wir in der Vergangenheit schon glücklicher. Die Schweiz hat im Vergleich zu 2024 satte vier Plätze verloren. Von Platz 9 rutschen wir aus der Top-10 und belegen nur noch Platz 13. Ein Rückschlag.
Finnland bleibt hingegen das Land mit den glücklichsten Menschen der Erde. Das Land im hohen Norden Europas sichert sich die Topplatzierung in der weltweiten Glücksrangliste auch im achten Jahr in Folge.
Junge Generation seit Corona unglücklicher
«Ich persönlich bin überrascht, dass die Schweiz nicht mehr unter der Top 10 ist. Hätte nicht erwartet, dass wir so viele Plätze nach unten rutschen. Besonders, wenn man bedenkt, dass wir mal unter den Top 3 waren», sagt Glücksforscher Reto Odermatt von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel zu Blick.
Auffällig sei im Bericht, dass die Länder unter den Top 10 zwar auch leicht eingebüsst haben, aber grundsätzlich immer noch so ähnlich zufrieden sind wie zuvor. «Die Schweiz hat dagegen mehr Punkte verloren.»
Die Gründe für das schlechte Abschneiden der Schweiz kennt Odermatt nicht. Nur so viel: «Es ist so, dass besonders die junge Generation seit Corona unzufriedener geworden ist. Das wäre ein Punkt. Den Abfall allein dadurch erklären, ist aber nicht möglich.»
«Zufrieden sein mit dem, was man hat»
Aber was machen die Finnen denn besser oder anders als wir? «In Finnland wird im Gegensatz zur Schweiz der Umgang mit eigenen Emotionen – auch unangenehmen – in der Schule aktiv gefördert und es ist in dieser Nation ein hohes Mass an zwischenmenschlichem Vertrauen und sozialer Unterstützung vorhanden», sagt Psychologe und Glücksforscher Bernhard Sollberger zu Blick.
Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaft an der Fachhochschule Nordwestschweiz, ergänzt: «Die Länder auf den vorderen Plätzen sind grösstenteils protestantisch geprägt. Dort herrscht vermehrt die Haltung, dass man doch mit dem zufrieden sein soll, was man hat. Gleichzeitig ist es zum Beispiel bei Finnland so, dass die Unterschiede nicht so gross sind. Alle partizipieren am Wohlstand und das führt tendenziell zu mehr Zufriedenheit.» Und das führt dazu, dass sich Finnen untereinander weniger vergleichen.
Glücksforscher Bernhard Sollberger dazu: «Soziale Vergleiche sind eine forschungsmässig sehr gut etablierte Glücksfalle, weil sie Gefühle des Verbundenseins mit Mitmenschen nicht fördern, sondern Unterschiede zwischen diesen akzentuieren.»
Viel Arbeit und Wohlstand auf Kosten der Zeit
Das kann der Basler Wissenschaftler Odermatt nur bestätigen. «Soziale Beziehungen sind der Kern von Zufriedenheit. Geld, Gesundheit und sinnvolle Arbeit gehören auch dazu. Aber Familie, Freunde und Bekanntschaften sind entscheidend. Vielleicht kommen die bei uns gerade zu kurz.»
In der Schweiz werde viel gearbeitet, was natürlich zu einem hohen Lebensstandard und Wohlstand führt. Odermatt: «Möglicherweise aber auf Kosten der Zeit, die wir mit unseren Liebsten verbringen könnten. Und das macht unzufrieden.»
Gute Möglichkeit, um über die eigene Zufriedenheit nachzudenken
Können wir aber etwas tun, um glücklicher zu werden? Ja. Dafür muss man aber etwas tun. «Wichtig ist, sich selber Zeitinseln zu schaffen, die entschleunigen und im bestenfalls Alltag helfen, wertzuschätzen, was wir haben. Das alles wissen wir eigentlich und sind keine überraschenden Tipps. Wir müssen das nur umsetzen.» Zum Beispiel sich öfter mit Freunden treffen, statt ein Treffen kurzfristig abzusagen, weil man doch lieber auf dem Sofa bleiben möchte. «Möglich wäre auch, einfach einen Spaziergang am Abend zu machen – am besten in der Natur. Sport jeder Art ist auch gut.»
Der Glücksbericht, der jedes Jahr erscheint, ist eine gute Möglichkeit, sich und die eigene Zufriedenheit zu überdenken. Odermatt: «Ich glaube, dass wir zu viel über den materiellen Wohlstand und zu wenig über unsere psychische Gesundheit sprechen. Und dass die Schweiz jetzt nicht mehr, in der Top-10 ist, sollte uns zu denken geben.»