Auf einen Blick
- Daniel Zimmermann ist Fritschivater und höchster Luzerner während der Fasnacht
- Fritschivater verzichtet weitgehend auf Hochprozentiges und betont Kreativität der Fasnacht
- Seine Guggenmusig, die Noggeler, besteht seit 54 Jahren
Herr Zimmermann, nächsten Donnerstag müssen Sie früh los, die Luzerner Fasnacht beginnt um 5 Uhr mit dem Urknall. Keine Angst, zu verschlafen?
Daniel Zimmermann: Nein. Meistens schlafe ich sowieso kaum – Vorfreude und Aufregung sind zu gross.
Gab es das schon, dass ein Fritschivater die Fasnachtseröffnung verpennt hat?
Das kann ich mir nicht vorstellen.
Für alle Nicht-Lozärner: Wer oder was ist ein Fritschivater?
Der Fritschivater ist während der fünften Jahreszeit der höchste Luzerner. Als frisch gewählter Zunftmeister der Zunft zu Safran fällt mir diese Rolle zu. Am Schmutzigen Donnerstag werde ich der Erste sein, der die Fritschifamilie beim Schwanenplatz begrüsst. Darunter auch den Schutzpatron der Luzerner Fasnacht, Bruder Fritschi. Ab dann eile ich von Termin zu Termin.
Klingt stressig. Bedeutet das auch, dass man ein Gläschen weniger trinkt als üblich?
Wenn man so viel um die Ohren hat, muss man seine Kräfte natürlich einteilen. Sonst hält man nicht durch. Ich verzichte weitgehend auf Hochprozentiges, das man mir vor die Nase hält.
Der Schmutzige Donnerstag war doch schon im Mittelalter ein Gelage: nochmals die Sau rauslassen vor der Fastenzeit.
Bis am Aschermittwoch ist Rambazamba, klar. Man braucht auch gar kein Schöngeist zu sein: Es wird auch getrunken. Aber es geht nicht primär ums Saufen! Im Vordergrund stehen Kreativität, Ausgelassenheit und Lebensfreude!
Wir gingen mal als Wald an die Fasnacht. Mit Tannzweigen verkleidet. Die Beizer hatten keine Freude – und mühsam wars auch. Was war Ihr verrücktestes Kostüm?
2018 gingen wir als Bräute verkleidet. Wir liessen uns von einer professionellen Visagistin aufbrezeln, bestellten Brautkleider und passende Schuhe, kauften hübsche Brautsträusse – das ganze Programm. Das ist eben die Luzerner Fasnacht: Man unternimmt manchmal komplett verrückte Anstrengungen, um dann nur für einen kurzen Abend zu glänzen.
Man merkt es Ihnen an: Sie sind ein angefressener Fasnächtler. Wie viele Konfetti haben Sie in Ihrem Leben schon verschluckt?
(Lacht.) Einige. Vor allem in der Guggenmusig, da bekommt man häufig eine Handvoll Konfetti an den «Grend» geschmissen. Dann hustet man die Konfetti zur Trompete raus.
Immerhin müssen Sie als Fritschivater für einmal keinen solchen «Grend» tragen. Erleichtert?
Nein, natürlich nicht. Ich bin extrem gerne mit Grend an der Fasnacht. Maskiert an die Fasnacht zu gehen, ist ein fester und wichtiger Bestandteil der Luzerner Fasnacht. Du kannst aber nicht Musik machen und parallel dazu Zunftmeister und Fritschivater sein. Die Kette und das Zepter gebe ich im nächsten Jahr weiter, den Job und die Familie würde ich aber gerne behalten.
Sie klingen fast etwas wehmütig.
Die Fasnacht aus der Perspektive des Fritschivaters zu erleben, ist extrem schön. Stellen Sie sich vor: In der Guggenmusig läuft man immer mit dieser Maske rum. Das schränkt das Sichtfeld ein, vieles verpasst man also. In diesem Jahr werde ich mehr mitbekommen. Zum Beispiel am Umzug. Sonst bin ich da ja immer mitgelaufen, jetzt geniesse ich das Spektakel mit meiner Frau und den Kindern vom Strassenrand aus.
Sie fehlen als Tambourmajor bei der Noggeler-Guggenmusig. Wird diese jetzt noch schräger klingen?
Nein, noch besser! Wir haben sehr viel Freude an der Musik. Einige Guggen legen viel Wert aufs Sujet, uns ist auch der Sound besonders wichtig. Er soll den Leuten ans Herz gehen.
Muss man Noten lesen können, um bei Ihnen mitzumachen?
Nein, unter uns gibt es viele, die das nicht können. Deshalb steht auf den Notenblättern auch, welche Ventile man drücken muss, oder die korrekte Position des Posaunenzugs.
Können Sie es denn?
Ja.
Auf welchem Ton beginnt der Berner Marsch, den Sie im Repertoire haben?
(Beginnt zu summen.) Träm-träm-trädiridi … auf dem G!
Korrekt! Wenn man sich so durch die Mitglieder klickt bei den Noggelern, bekommt man den Eindruck, dass der Nachwuchs fehlt. Mögen die Jungen keine aktiven Fasnächtler mehr sein?
Wir haben heuer sechs neue Mitglieder aufgenommen, suchen aber nicht zwangshaft nach Jungen, die unsere Auffassung von Fasnacht eventuell gar nicht teilen. Wir machen Fasnacht so, wie es für uns stimmt: Über Mittag gibt es zwei Stunden Pause, morgens um 3 Uhr trifft man uns eher nicht auf der Rathaustreppe. Das biologische Alter verbietet es einem ja nicht, auch mal Kindskopf zu sein. Die Guggenmusig ist unser Jungbrunnen.
Vielleicht liegts auch an veralteten Rollenbildern. Ihre Guggenmusig nimmt keine Frauen auf. Das klingt ja noch prüder als das Regelwerk des Basler Morgenstreichs!
Zunft und Noggeler sind tatsächlich reine Männervereine. Unsere Guggenmusig gibt es seit 54 Jahren. In den ersten beiden Jahren nach der Gründung waren noch Frauen dabei, danach nicht mehr. Da ist kein diskriminierendes System dahinter. Wir sind eher wie ein Männerchor – dort singen auch keine Frauen mit. Die Frage ist trotzdem berechtigt, sie stellt sich derzeit aber weder bei den Noggelern noch in der Zunft. Das heisst aber nicht, dass wir keine Frauen mögen!
Apropos Morgestraich: Mögen Sie «Drummle und Pfyfe?»
Dieses Laufen im Gleichschritt ist für uns eher ungewohnt. Ich bin aber total fasziniert vom Morgestraich. Es handelt sich um eine ernste Angelegenheit, gibt politische Botschaften auf den Laternen. Ganz anders als in Luzern, und dennoch wunderschön. Übrigens: Der Seppi Ebinger, der 1948 die erste Guggenmusig in Luzern gegründet hatte, war ein Basler.
Was ist Ihnen lieber: Chneublätz, die Luzerner Fasnachtschüechli oder Basler Läckerli?
Chneublätze sind fein und fettig, so frittierte Fladen, ziemlich lustig. Wenn ich aber wählen müsste, würde ich das Läckerli nehmen. Ich liebe Basler Läckerli (lacht).
Das hört man bestimmt gerne bei der Konkurrenz …
Ach, das sehe ich nicht so verbissen. Ich freue mich, wenn Menschen diese Brauchtümer pflegen, ob hier oder in Basel an der Fasnacht. Dass man sich ab und zu hochnimmt, gehört selbstverständlich dazu. Aber vergleichen? Mir ist dieses «grösser, lauter, besser» zuwider. Das hilft der Menschheit nicht weiter.
Zumal ja in den USA bereits ein Präsident nach diesem Prinzip regiert. Kann man Trump überhaupt toppen als oberster Narr?
Mein Ehrenamt hat zum Glück nichts mit Politik am Hut. Aber Sie haben schon recht: Die Zeiten sind oft verrückter als das fasnächtliche Treiben. Das ist besorgniserregend. Die Fasnacht bietet ein Gefäss, um daraus auszubrechen. Das ist keine Flucht, sondern ein Ausleben von Bedürfnissen, die einem guttun. Und wenn die Fasnacht wieder vorbei ist, ist das völlig okay. Irgendwann langts dann auch.
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