«Durch die mediale Reichweite erhoffen wir uns Hinweise»
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«Aktenzeichen XY» ist zurück:«Durch die mediale Reichweite erhoffen wir uns Hinweise»

Getötete Prostituierte aus Luzern kommt in «Aktenzeichen XY ... ungelöst»
So will Kripo-Chef Senad Sakic (46) den Mörder nach 10 Jahren schnappen

Kanton Nidwalden reaktiviert «Aktenzeichen XY» für ungelösten Mordfall. Die Polizei setzt auf neue forensische Methoden und Zeugenhinweise, um den Mord an der Prostituierten Emilia Emilova (†36) nach fast zehn Jahren aufzuklären.
Publiziert: 26.03.2025 um 00:01 Uhr
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Aktualisiert: 26.03.2025 um 06:54 Uhr
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Emilia Emilova (36) wurde in der Nacht vom 20. auf den 21. September 2014 getötet. Ihre Leiche wurde am 21. September im Vierwaldstättersee entdeckt.
Foto: Sebastian Babic

Darum gehts

  • Prostituierten-Mord von 2014 wird neu aufgerollt. Aktenzeichen XY soll helfen
  • DNA-Phänotypisierung und Verwandtschafts-DNA-Analysen als neue Ermittlungsmethoden eingesetzt
  • Rund 40 Prozent der bei Aktenzeichen XY behandelten Fälle wurden gelöst
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Sebastian BabicReporter Blick

Jahrelange Ermittlungen, 5000 Seiten Verfahrensakten, rund 150 befragte Personen. Dennoch: Der Mordfall der Prostituierten Emilia Emilova (†36) aus dem Jahr 2014 blieb bis heute ungelöst. Die Bulgarin wurde am Luzerner Strassenstrich das letzte Mal gesehen, ihre Leiche wurde einen Tag später im Vierwaldstättersee im Kanton Nidwalden gefunden. Bis heute tappen die Ermittler im Dunkeln, wer für den gewaltsamen Tod der Sexarbeiterin verantwortlich ist.

Jetzt rollt die Kriminalpolizei Nidwalden den Fall neu auf und bildet eine Sonderkommission für diesen «Cold Case». Dafür wird sogar eine deutsche Fernsehinstitution nach mehr als 20 Jahren aus ihrem – helvetischen – Dornröschenschlaf erweckt: Mithilfe der legendären Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» soll der Fall wieder neue Brisanz erhalten und endlich zur Verhaftung des Mörders führen. Man erhofft sich Hinweise aus der Bevölkerung und macht sich die rasanten Fortschritte in der forensischen Wissenschaft zu eigen.

Kultsendung mit beeindruckender Aufklärungsquote

«Ich kenne die Sendung natürlich noch aus meiner Kindheit», sagt Senad Sakic (46), Kripo-Chef der Kantonspolizei Nidwalden, zu Blick. «Viele erinnern sich sicherlich noch daran, wie sie mit ihren Eltern geschaut haben – und danach vorsichtshalber das Licht eingeschaltet haben, wenn sie nachts auf die Toilette mussten.»

«Aktenzeichen XY» geniesst bis heute Kultstatus und gilt als erste «True Crime»-Sendung überhaupt. Nach über 20 Jahren Abstinenz soll die Sendung nun heute Mittwochabend auf SRF 1 zur Prime-Time über die Schweizer Bildschirme flimmern und dabei helfen, das Mysterium um den Prostituierten-Mord zu lösen.

Und die Chancen stehen dabei gar nicht schlecht. Rund 40 Prozent der Fälle, die seit Beginn bei «Aktenzeichen XY» behandelt wurden, konnten nach der Ausstrahlung gelöst werden. Gemessen daran, dass es sich fast ausschliesslich um Fälle handelt, bei denen die Polizei im Dunkeln tappt, ist das ein fantastischer Wert, sagt auch Sakic: «Die Sendung hat eine enorme Reichweite. Ich hoffe sehr, dass wir dadurch wertvolle Hinweise erhalten, um endlich die Frage zu beantworten, wer die Mutter zweier Kinder getötet hat.»

Letzter «Cold Case» des Kantons Nidwalden

Rückblick: Am 21. September 2014 findet ein Spaziergänger die Leiche der 36-jährigen Emilia Emilova in der Harissenbucht des Vierwaldstättersees in der Nähe von Stansstad NW. Den Ermittlern vor Ort ist schnell klar: Es war ein Gewaltverbrechen!

Die letzten Jahre vor ihrem Tod arbeitete Emilia Emilova als Prostituierte auf dem Luzerner Strassenstrich. Ein gewisser Mehmed soll sie zur Prostitution gedrängt haben, wie das SRF in seiner aktuellen Dok erzählt. Mit einem Trick lockte er die junge Bulgarin in die Schweiz: Sie verliebte sich in ihn. Er versprach Emilia, ihr einen Job in einem Café zu besorgen. Als sie ankommt, wartet statt der versprochenen Servicestelle der Strassenstrich auf sie.

Mit ihrer Familie hat Emilia Emilova in dieser Zeit kaum Kontakt. Nur Mehmed taucht ab und zu bei ihren damals minderjährigen Söhnen Asen und Hristo (heute 25 und 22 Jahre alt) auf und bringt kleinere Geldbeträge vorbei. Das letzte Mal gesehen wurde die junge Mutter am Strassenstrich in Luzern, als sie diesen Händchen haltend mit einem Mann verliess.

Fahndungserfolg nach zehn Jahren?

Der Mord von Emilia gilt als letztes ungelöstes Kapitalverbrechen des Kantons. Der Kripo-Chef selbst rollte den Fall neu auf: «Gerade bei schweren Verbrechen wie einem Tötungsdelikt bleibt oft ein ungutes Gefühl zurück, wenn der Täter nicht ermittelt werden kann. Solche Fälle belasten auch die Ermittler, da sie wissen, dass der Mörder weiterhin auf freiem Fuss ist.»

Die lange Zeitspanne zwischen dem Mord und der Wiederaufnahme der Ermittlungen verkompliziert die Suche, habe aber nicht nur Nachteile, wie Sakic sagt: «Die sozialen Veränderungen in dieser Zeit spielen hierbei eine wichtige Rolle. Menschen, die damals aus Angst geschwiegen haben, könnten heute bereit sein, auszusagen.»

Grosse Hoffnung legen die Ermittler in die forensische Wissenschaft, speziell in die sogenannte DNA-Phänotypisierung. Dabei werden aus den Erbinformationen der vorhandenen DNA Augen-, Haar- und Hautfarbe sowie das Alter und die biogeografische Herkunft eines Verdächtigen ermittelt, was es der Polizei erlaubt, den Kreis der Verdächtigen näher einzugrenzen. Eine relativ neue Entwicklung, denn: Aus politischer Sicht ist diese Art von Analyse erst seit rund 20 Monaten in der Schweiz erlaubt. «Wir dürfen heute auch Verwandtschafts-DNA-Analysen durchführen», sagt Sakic. Über diese Methode könnten Verwandte des Verdächtigen, die bereits einmal straffällig geworden sind, eruiert werden.

Jeder noch so kleine Hinweis könne entscheidend sein. Sakic rät potenziellen Zeugen und Mitwissern eher einmal zu viel, als zu wenig bei der Polizei anzurufen, selbst wenn man unsicher sei: «Für uns ist jeder Hinweis von grosser Bedeutung. Niemand sollte sich Gedanken machen, ob eine Beobachtung relevant ist oder nicht – wir sind für jede Information dankbar. Einzelne Puzzlestücke können zusammen einen entscheidenden Durchbruch bringen.»

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