Darum gehts
- Im Thurgau fehlt ein Frauenhaus; Frauen weichen aus
- Ein Kollektiv fordert mit Petition und Mahnwachen Schutz
- Wegen Parolen will die SVP Verbote, die SP widerspricht
Die Gewalt an Frauen nimmt auch in der Schweiz zu. Frauenhäuser bieten bedrohten Frauen und ihren Kindern Schutz. Thurgau ist der einzige Schweizer Kanton mit mehr als 200'000 Einwohnerinnen und Einwohnern, der kein eigenes Frauenhaus betreibt. Betroffene Frauen müssen in andere Kantone flüchten.
Thurgau wartet seit vielen Jahren auf ein Frauenhaus
Allein in Zürich stammen 40 Prozent der Schutzbedürftigen in Frauenhäusern aus anderen Kantonen. Dies führt dazu, dass Zürcherinnen teils ausserhalb des Kantons Schutz suchen müssen. Der Regierungsrat forderte deshalb Anfang 2025: Andere Kantone sollten die nötigen Schutzplätze selbst zur Verfügung stellen.
Thurgau wartet seit vielen Jahren auf ein Frauenhaus. Erst dieses Jahr kam Bewegung in die Sache: Im Juni reichte das «feministische Kollektiv» eine Petition mit über 16'000 Unterschriften ein. Es schlug ein gemeinsames Frauenhaus mit dem angrenzenden Kanton Schaffhausen vor, der ebenfalls über kein eigenes Frauenhaus verfügt.
Doch die Politik gab keine verbindliche Zusage. Um zu verhindern, dass sie «das Problem weiterhin verschleppt», hält die Organisation seitdem vor jeder Kantonsratssitzung Mahnwachen ab.
Parolen sorgen für Kritik
Das passt der SVP so gar nicht. «Für die Mahnwachen dieses Kollektivs darf keine Bewilligung mehr erteilt werden», fordert die Partei in einer Mitteilung, über die die «Thurgauer Zeitung» zuerst berichtete.
Die SVP kritisiert darin insbesondere die Parolensammlung, welche das feministische Kollektiv auf seiner Website publiziert hat. Darin stehen unter anderem: «Ob friedlich oder militant, wichtig ist der Widerstand», «jedem Boss es Gummigschoss» und «schlagt dem Typ die Fresse ein». Das Kollektiv hat die Parolen inzwischen gelöscht.
SP weist Forderung entschieden zurück
Auch die Organisationsstruktur stört die SVP: «Das Thurgauer Kollektiv unterstützt denselben Care-Streik-Aufruf 2027 wie der Revolutionäre Aufbau Zürich, die Kommunistische Jugend Schweiz und die PdA Zürich.» Eine gemeinsame Organisationsstruktur sei zwar damit nicht bewiesen, die gemeinsame Unterstützung dieses Aufrufs aber dokumentiert. Auf eine Anfrage von Blick reagierte das Kollektiv nicht.
Die SP-Fraktion weist die Forderung nach einem Verbot der «friedlichen, vom Ratsbüro bewilligten» Mahnwachen in einer Mitteilung entschieden zurück. Die Partei erinnert an die verfassungsmässig garantierte Versammlungsfreiheit. «Statt friedliche Proteste anzugreifen, braucht es endlich wirksamen Gewaltschutz für Frauen und Kinder.»