Die Unterschiede in den Kantonen sind riesig – in diesem betreut ein Mediziner 4750 Kinder!
So krass ist der Kinderarzt-Mangel wirklich

Die Schweiz hat ein massives Problem: Es fehlen Kinderärzte. Während in Genf ein Arzt 750 Kinder betreut, sind es in Appenzell Ausserrhoden 4750. Die Situation verschärft sich durch Überalterung und fehlende Studienplätze.
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Wer einen Kinderarzt-Termin findet, ist glücklich.
Foto: Getty Images/Maskot

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweiz leidet an Kinderärztemangel: 1600 Kinder teilen sich einen Arzt
  • Grösste Unterschiede: Genf 750 Kinder pro Arzt, Appenzell Ausserrhoden 4750
  • 87 Prozent der Kinderärzte arbeiten Teilzeit, meist mit 70 Prozent Pensum

Es kann Eltern in die Verzweiflung treiben: Die Wartefristen für Kinderarzttermine sind lang, einen neuen Arzt zu finden, ist schwierig. Notfälle werden zur Herausforderung, dafür muss man weite Wege in Kauf nehmen.

Tatsache ist: In der Schweiz fehlen Kinderärzte. Eine neue Studie zeigt jetzt, wie gross das Problem ist: Auf 1000 Kinder sollte laut Fachleuten eine Kinderärztin kommen. Aktuell sind es jedoch 1600 Kinder, die sich einen Mediziner teilen müssen.

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Und dabei sind die Unterschiede zwischen den Kantonen riesig. Während im Kanton Genf ein Vollzeitarzt auf 750 Kinder kommt, betreut eine Medizinerin in Appenzell Ausserrhoden 4750 Kinder. In Genf behandelt eine Ärztin 15 Kinder pro Tag, in Schaffhausen 42.

Teilzeit, komplexere Krankheitsbilder, Überalterung

Der Mangel dürfte sich noch deutlich verschärfen. Jeder fünfte Kinderarzt in der Schweiz ist über 60 Jahre alt. Fast jeder Zehnte wäre eigentlich schon heute pensioniert. Und dabei handelt es sich um Fachleute aus der Babyboomer-Generation, die in einer eigenen Praxis oft 100 Prozent und mehr arbeiten.

Tendenziell bräuchte es mehr als eine Person, um einen solchen Arzt zu ersetzen, sagt Stefan Roth, Vorstandsmitglied beim Verband der Haus- und Kinderärzte Schweiz (MFE). Denn unter jüngeren Ärztinnen und Ärzten ist die Teilzeitquote höher. 87 Prozent der Kinderärzte in der Schweiz arbeiten in einem reduzierten Pensum, die Regel sind 70 Prozent.

Verschärfend kommt hinzu: Die Kinderärztinnen und Ärzte beobachten komplexere Krankheitsbilder, die mehr Betreuung brauchen, die Ansprüche nehmen zu, und «auch die schulischen und psychologischen Probleme, welche viel Betreuungszeit brauchen», steigen laut Roth.

Wie sähe eine Lösung aus?

Es brauche mehr Studienplätze und Praktika schon im Studium sowie attraktive Assistenzstellen direkt in Kinder- und Jugendpraxen, sagt Kinderarzt Roth. «Diese Stellen müssen aber auch entsprechend finanziert sein.»

In der Pflicht sehen die Ärzte denn auch die Politik. Ein wichtiger Faktor: die Taxpunkte, also die Vergütungen für die Behandlungen, sind je nach Kanton unterschiedlich. «In Kantonen mit tieferen Taxpunktwerten gibt es häufig weniger kinderärztliche Versorgung», sagt Roth.

Ein Allheilmittel gibt es aber nicht. Auch die Belastung durch Notfalldienste oder die Versorgung rundherum seien wichtige Punkte. «Gerade für die jungen Kolleginnen und Kollegen sind Gruppenpraxen und Arbeitszeiten, die sich mit dem Familienleben vereinbaren lassen, zentral», sagt Roth.

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